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Kondition, Stabilität, Effektivität

Bayern legen die Grundlagen für den Erfolg

„Normalerweise“, sagte Bastian Schweinsteiger, „geht man raus auf den Platz.“ Normalerweise. Doch unter Jürgen Klinsmann hat sich für die Profis des FC Bayern vieles gehändert. Neben Leistungszentrum, Acht-Stunden-Tag, Sprachkursen und Spielphilosophie auch das Fitnesstraining - vom ersten Tag an. Statt sich mit einem lockeren Trainingsspiel auf die neue Saison einzustimmen, arbeiteten Schweinsteiger und die übrigen EM-Rückkehrer an ihrem ersten Trainingstag nach dem Urlaub ausschließlich im Fitnessbereich des Leistungszentrums. Den Trainingsplatz sahen sie nur durch Fensterscheiben.

Stabilität und Beweglichkeit wurden dabei in mehreren Tests ermittelt, in den Tagen danach standen zudem Sprint-, Ausdauer-, Oberkörperkraft- und Sprungtests auf dem Programm. Zusätzlich unterzog sich jeder Spieler in der Praxis von Vereinsarzt Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt einem orthopädischen Screening. „Das machen wir in diesem Jahr zum ersten Mal“, berichtete Oliver Schmidtlein, der die Fitnessarbeit beim FC Bayern verantwortet. „Dabei geht es nicht um das Diagnostizieren von Krankheiten, sondern um das Aufspüren von Schwachstellen.“

Individuelles Training

Diese Schwachstellen - zum Beispiel Hüft-, Schulter- oder Rumpfbeweglichkeit - sind der Ansatzpunkt für das team der performance trainer um Schmidtlein. Aus den im Screening und in den Tests ermittelten Daten haben sie für jeden Spieler ein Profil und ein individuelles Trainingsprogramm erstellt. Das heißt aber nicht, dass nur noch einzeln trainiert wird beim FCB. „Vielleicht zehn Minuten vor oder nach dem Training widmen wir uns einzelnen Spielern“, berichtete Schmidtlein. Das übrige Training findet in Gruppen statt.

Inhaltlich heißt in den ersten Trainingswochen einer der Schwerpunkte natürlich Kondition, aber Schmidtlein, Thomas Wilhelmi, Marcelo Martins und Darcy Norman legen noch auf andere Punkte großen Wert, stabilisierende Übungen zum Beispiel. Dabei müssen die Spieler Bewegungen wie Sprünge über Minihürden auf einem Bein ausbalancieren. „Der Einbeinstand spielt im Fußball eine große Rolle“, erklärte Schmidtlein.

Je effektiver, desto schneller

Aber auch so genannte Basic-Strength-Übungen nehmen einen großen Teil der Fitnessarbeit beim FC Bayern ein. Dabei ist es nicht so wichtig, mit welchen Gewichten die Spieler Übungen ausführen, die korrekte Bewegungsausführung steht im Mittelpunkt. „Wir korrigieren permanent“, berichtete Schmidtlein, „wir wollen, dass sich die Spieler möglichst effektiv bewegen.“ Je effektiver die Bewegungen sind, desto schneller sind die Spieler dann auch auf dem Platz, zum Beispiel bei Richtungswechseln.

Um solche Bewegungsübungen optimal durchführen zu können, ist viel Platz notwendig - und den bietet das neue Leistungszentrum. Mit einem Fitnessstudio ist der Fitnessbereich beim FCB aber nicht zu vergleichen. „Maschinen aus einem normalen Fitnessstudio haben in einem Leistungszentrum eines Fußballklubs nichts verloren“, sagte Schmidtlein, der unter anderem mit Seilzügen und Schlingen arbeitet.

Fit sein und fit fühlen

Mit mehreren Tests wird die Entwicklung jedes Spielers während der Saison verfolgt. „Wir rechnen mit einem Effekt während des ersten halben Jahres“, meinte Schmidtlein. Nicht messbar ist hingegen ein psychologisches Ziel des Trainings. „Es geht auch darum: Fühlt sich ein Spieler schnell?“, erklärte Schmidtlein, „wir wünschen uns, dass sich die Spieler groß, stark, schnell und explosiv fühlen.“

Sowohl psychisch als auch physisch wird also beim FCB die Grundlage geschaffen für eine hoffentlich erfolgreiche Saison. „Jürgen Klinsmann will ein schnelles, athletisches, aktives und aggressives Spiel. Wir versuchen, die Voraussetzungen dafür zu schaffen“, erklärte Schmidtlein. Je länger die Vorbereitung dauert, desto mehr wird die Fitnessarbeit aber in den Hintergrund treten. Mehr und mehr wird auf dem Platz trainiert. Schmidtlein weiß: „Der FC Bayern wird kein Fitnessklub, Fußballtraining bleibt das Allerwichtigste.“

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