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Gerd Müller:

'Das hat mich schon sehr berührt'

Gerd Müller ist kein Mensch, der sich um öffentliche Auftritte reißt. Am vergangenen Samstag kam er aber nicht drum herum. In seiner Geburtsstadt Nördlingen wurde der örtliche Rieser Sportpark in Gerd-Müller-Stadion umgetauft. „Es war wirklich ein sehr schöner Tag für mich“, sagte der „Bomber der Nation". Gemeinsam mit fcbayern.de blickte er auf diesen denkwürdigen Tag zurück und kramte dabei so manche nette Geschichte aus alten Nördlinger Tagen aus dem Gedächtnis.

Das Interview mit Gerd Müller:

fcbayern.de: Herr Müller, was ist das für ein Gefühl, wenn das Fußballstadion der Geburtsstadt nach einem benannt wird?
Gerd Müller: „Das ist ein tolles Gefühl. Ich hätte ja auch nicht gedacht, dass über 10.000 Leute zu dieser Veranstaltung kommen. Ich glaube nicht, dass es schon mal so viele bei einem Fußballspiel in Nördlingen gab. Das hat mich schon sehr berührt, schließlich bin ich ja schon über 40 Jahre weg aus Nördlingen. Es war wirklich ein sehr schöner Tag für mich.“

fcbayern.de: Erzählen Sie doch mal, wie dieser Tag für Sie abgelaufen ist.
Müller: „Ich bin mittags mit meiner Frau im Auto losgefahren, vorher habe ich noch Tennis gespielt. Um halb vier circa waren wir dann in Nördlingen, wo uns Bekannte abgeholt haben. Ein Polizist, den ich von früher noch kannte, hat uns dann auf dem Motorrad den Weg zum Stadion gezeigt. Es gibt ja fast nur noch Einbahnstraßen in Nördlingen, da kenn‘ ich mich ja gar nicht mehr aus. Am Stadion wurde ich dann in Empfang genommen. Ja, und dann gab es das offizielle Programm mit dem Bürgermeister.“

fcbayern.de: Das Spiel haben Sie dann an der Seite von Jürgen Klinsmann auf der Bank verfolgt. Wie war er im Vergleich zu Hermann Gerland, neben dem Sie sonst bei den Spielen der Amateure sitzen?
Müller: „Der Jürgen und ich verstehen uns sehr gut. Ich kenne ihn noch aus seiner Zeit als Spieler in München, da habe ich teilweise Torwarttraining gemacht und ihn dann beim Torschusstraining gesehen. In Nördlingen hat er während des Spiels viel mit seinen Co-Trainern in Englisch gesprochen, hat viel aufgeschrieben und auch immer wieder Anweisung gegeben. So laut wie Hermann und ich ist er aber nicht (lacht).“

fcbayern.de: Hatten Sie vor oder nach dem Spiel die Möglichkeit, alte Freunde und Bekannte wieder zu sehen?
Müller: „Ja, ich habe vier oder fünf ehemalige Mitspieler aus der Jugend und zwei oder drei von der ersten Mannschaft von damals getroffen. So oft bin ich ja nicht mehr in Nördlingen, nur, wenn wir mit den Amateuren in Aalen spielen. Das ist knapp 30 Kilometer entfernt. Dann rufe ich meine Freunde an und wir treffen uns in einem Lokal und fahren dann gemeinsam zum Spiel nach Aalen.“

fcbayern.de: Dann werden bestimmt viele alte Geschichten ausgepackt, oder?
Müller: „Nein, nicht einmal. Die wollen dann alle fast nur über den FC Bayern reden. Aber soll ich Ihnen mal ein paar nette Geschichten von früher erzählen?

fcbayern.de: Sehr gerne!
Müller: „Wir haben damals in der ersten Mannschaft fünf Mark Essensgeld bekommen für die Heimspiele und drei Mark für die Auswärtsspiele. Das verstehe ich bis heute nicht, denn bei Heimspielen habe ich immer zuhause gegessen und auswärts wären die fünf Mark viel sinnvoller gewesen. Ich war damals siebzehneinhalb Jahre alt und habe bei einer großen Firma als Löter und Schweißer gearbeitet. Der Chef der Firma war Abteilungsleiter im Fußballverein. Also hatte ich das Glück, dass meine Mitarbeiter auch immer Fußballer waren. Damit ich immer zu allen Trainings gehen konnte und trotzdem auf meine Stunden kam, haben sie dann für mich die Arbeit mitgemacht.“

fcbayern.de: Jetzt sind Sie Co-Trainer bei der zweiten Mannschaft des FC Bayern. Wie lange denken Sie, das noch machen zu wollen?
Müller: „Ich habe noch Vertrag bis 2010, aber dann muss für mich noch nicht Schluss sein. Die Arbeit macht mir sehr viel Spaß, gerade mit den vielen jungen Burschen.“

fcbayern.de: Sehen Sie bei der zweiten Mannschaften einen Spieler, der irgendwann auch den Sprung zu den Profis schaffen könnte?
Müller: „Da gibt es sicherlich einige. Ich traue es dem Thomas Müller zu. Er ist schnell, ist kopfballstark und schießt links wie rechts. Der Müller ist gut, das muss ich schon sagen.“

fcbayern.de: Der Name bürgt anscheinend für Qualität. Am Mittwochabend haben Sie den nächsten großen Auftritt. Beim T-Home-Supercup-Spiel werden Sie gemeinsam mit Siggi Held den Siegerpokal übergeben.
Müller: „Ja, stimmt. Mit dem Siggi habe ich zusammen in der Nationalmannschaft gespielt, auch 1970 bei der WM im Mexiko. Es gibt da eine Szene, die werde ich nie vergessen. Halbfinale gegen Italien, wir führen in der Verlängerung 2:1. Dann kommt eine Freistoßflanke der Italiener und Siggi will den Ball annehmen. Aber er war nicht so der Techniker und der Ball ist ihm versprungen, genau zu Burgnich. Der nimmt ihn volley und haut ihn rein. Am Ende haben wir dann bekanntlich 4:3 verloren. Aber Siggi ist ein Superkerl, ich freu mich schon, ihn wiederzusehen.“

fcbayern.de: Man kennt Sie überall nur mit dem Spitznamen der Bomber der Nation. Gefällt der Ihnen überhaupt?
Müller: „Den habe ich schon so lange, ich glaube, der bleibt auch für immer.”

Das Interview führte: Dirk Hauser

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