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Daniel van Buyten:

'Fühle mich erst wie 24 oder 25'

Vor zwei Jahren ist Daniel van Buyten als Kapitän des Hamburger SV zum FC Bayern gewechselt, um auch beim Rekordmeister eine Position als Führungsspieler zu übernehmen. In der letzten Saison hatte der 30-jährige Innenverteidiger allerdings mit 19 Bundesligaeinsätzen dazu nicht wie gewünscht die Möglichkeit. An einen Wechsel hat er aber nie gedacht, wie er im Interview mit fcbayern.de beteuerte. Auch nicht, als ehemalige Fans von ihm eine große Rückhol-Mail-Aktion starten. Der belgische Nationalspieler möchte sich vielmehr beim FC Bayern endgültig durchsetzen und kann sich sogar vorstellen, „meine Karriere hier zu beenden.“

Das Interview mit Daniel van Buyten:

fcbayern.de: Daniel, in diesem Sommer ist vieles neu beim FC Bayern. Bist Du zufrieden mit den Veränderungen?
Daniel van Buyten: „Ja, absolut. Das Leistungszentrum ist sehr schön geworden. Alles harmoniert sehr gut miteinander, wir alle sind voll begeistert von dem, was hier entstanden ist.“

fcbayern.de: Es ist so gut geworden, dass Jürgen Klinsmann auf ein Trainingslager verzichtet hat.
Van Buyten: „Wir haben hier alles, um den ganzen Tag sinnvoll zu verbringen, ohne dass es einem langweilig wird. Die Zeit geht schnell vorbei und wir haben viel Spaß dabei. Das ist schon wichtig. Dazu haben wir überragende Rasenplätze, einen Kraftraum, tolle Möglichkeiten zum Relaxen und bekommen gutes und gesundes Essen. In einem Trainingslager hat man all dies oft nicht auf einem Fleck. Und es ist natürlich schön, abends im eigenen Bett schlafen zu können.“

fcbayern.de: Neu ist auch der komplette Trainerstab. Was hat sich für Euch durch Jürgen Klinsmann und Co. in erster Linie geändert?
Van Buyten: „Es sind jetzt mehr Trainer auf dem Platz. Insgesamt ist die Trainingsarbeit individueller ausgerichtet, ganz nach Klinsmanns Philosophie, jeden Spieler täglich besser machen zu wollen. Mit genauen Messungen wurden gleich zu Beginn von jedem einzelnen Spieler Daten erhoben und damit mögliche Schwachpunkte analysiert, an deren Verbesserung jetzt gearbeitet wird. Jeder Spieler bekommt jetzt eigene Übungen und macht nicht mehr nur das, wo er vielleicht sowieso schon sehr stark ist. Ich kann jedenfalls schon nach zwei Wochen positive Veränderungen feststellen.“

fcbayern.de: Du gehst in Deine dritte Saison beim FC Bayern. Bist Du zufrieden, wie es bisher für Dich hier gelaufen ist?
Van Buyten: „Von der menschlichen Seite her bin ich sehr glücklich und zufrieden. Ich wollte immer bei einem großen Klub spielen und empfinde es als Ehre, beim FC Bayern zu sein. Darauf bin ich sehr stolz. Daran hat sich auch durch die letzte Saison nichts geändert. Ich habe 19 Spiele gemacht. Es hätten ein paar mehr sein können, aber das ist okay. Ich habe jedenfalls nie an einen Wechsel gedacht und verspüre nach wie vor eine große emotionale Verbindung zu diesem Verein, den ich schon als Kind sehr interessiert verfolgt habe.“

fcbayern.de: Aber gab es in der letzten Saison nicht auch einige Wochen, in denen Du absolut Grund zur Unzufriedenheit gehabt hättest?
Van Buyten: „Es gibt Zeiten, in denen es super läuft, und andere, in denen es nicht so ist. Gerade dann aber muss man sich zeigen und kämpfen. Dann muss man trotzdem weiter professionell arbeiten und in jedem Training zeigen, was man drauf hat. Genau das ist meine Einstellung. Klar, ein Wechsel wäre die einfachste Lösung gewesen, aber das entspricht nicht meiner Mentalität. Wenn ich wechseln gewollt hätte, wäre ich schon nicht mehr hier.“

fcbayern.de: Stimmt es, dass Dich die Fans von Olympique Marseille dazu bewegen wollten, ins Stade Velodrome zurückzukehren?
Van Buyten: „Es gab immer wieder mal Anfragen von interessanten Klubs, aber ich habe meinem Berater gesagt, dass ich nicht wechseln möchte. Bei Marseille war es so, dass ich wirklich viele Mails und viel Post von Olympique-Fans bekommen habe, die mich zu einer Rückkehr überreden wollte. Ich habe ja von 2001 bis 2004 da gespielt. Einige haben sogar gesagt: ‚Bring Franck gleich mit ‚dann gewinnen wir die Champions League.‘ Aber ich möchte beim FC Bayern bleiben und mich hier endgültig durchsetzen.“

fcbayern.de: Mit welchen Erwartungen gehst Du in die neue Saison?
Van Buyten: „Die Konkurrenz ist wie immer groß beim FC Bayern, aber wir haben einen neuen Trainer. Es geht für uns alle von vorne los. Ich setze mir aber keine Ziele, wie viele Spiele es werden sollen. Das entscheiden letztendlich die Trainer. Ich werde es ihnen aber so schwer wie möglich machen, auf mich zu verzichten.“

fcbayern.de: Wie zu lesen war, notfalls auch als Stürmer - oder wie war das gemeint?
Van Buyten: „Bis ich 20 Jahre alt war, habe ich immer im Sturm gespielt und habe mich da sehr wohl gefühlt. Ich könnte da also durchaus aushelfen, wenn die Trainer jemand brauchen, der vorne die Bälle halten kann und kopfballstark ist. Ich würde jedenfalls auch da mein Bestes für den Erfolg der Mannschaft geben."

fcbayern.de: Die neue Saison bedeutet für Euch auch die Rückkehr in die Champions League. Freust Du Dich da schon besonders drauf?
Van Buyten: „Wenn man so wie wir im letzten Jahr im UEFA-Cup spielt, fehlen einem schon diese Highlights und die großen Stadien. Es hat wehgetan, die Champions League nur im Fernsehen zu verfolgen. Jetzt sind wir wieder dabei und natürlich sind wir darauf besonders heiß. Wir wollen nicht nur teilnehmen, sondern auch so weit wie möglich kommen.“

fcbayern.de: Das Finale findet in Rom statt, das ist eine schöne Stadt mit einem großen Stadion…
Van Buyten: „Ja, warum nicht? Wenn der FC Bayern in einem Wettbewerb antritt, soll immer das Bestmögliche dabei rausspringen. Wir haben einen großen und guten Kader, warum sollten wir dann nicht auch ins Finale kommen und das auch noch gewinnen? Wir werden jedenfalls sehr hungrig sein.“

fcbayern.de: Auf Deiner Homepage (www.danielvanbuyten.com) gibt es Flash-Animation drei große Bilder von Dir mit drei ganz unterschiedlichen Gesten: einmal souverän mit verschränkten Armen, dann mit dem Rücken zugewandt im Bayern-Trikot und schließlich siehst Du aus wie der schreckliche Hulk. Warum gerade diese drei?
Van Buyten: „Ich habe sie ausgesucht, weil sie meine Charakterzüge sehr gut widerspiegeln. Ich kann sehr locker sein, aber auch ganz böse und richtig sauer - es hängt immer davon ab, was ich gerade mache. Auf dem Platz will ich meinen Gegenspieler aggressiv bekämpfen, im Privatleben bin ich eher ein guter Mensch, manchmal vielleicht zu gut. Ich bin jedenfalls kein Junge von zwei Metern und 100 Kilo, der kein Herz hat. Aber es könnten sicherlich noch ein paar Bilder mehr sein, um mich komplett vorzustellen.“

fcbayern.de: Du machst privat viel mit FranckRibéry. Wie geht es ihm eigentlich mit Gipsfuß?
Van Buyten: „Es geht ihm gut und er genießt die letzten Urlaubstage mit seiner Familie. Ich habe ihm genau beschreiben müssen, was sich hier alles verändert hat und er ist schon sehr gespannt, alles selbst zu sehen. Er wird bald zurück sein, um wieder seine Späße mit uns zu machen (lacht). Und natürlich freut er sich, endlich den Gips los zu werden und wieder trainieren zu können.“

fcbayern.de: Apropos Späße: Gemeinsam habt ihr es geschafft, Oliver Kahn einen Streich zu spielen. Hat er sich jemals ‚gerächt’ für die Wasserattacke?
Van Buyten: „Nein, er ist danach in die Kabine gekommen und hat sehr gelacht. ‚Jetzt habt ihr mich doch noch erwischt’, hat er damals gesagt. Ich finde, solche Dinge gehören dazu, um ein gutes Klima in einer Mannschaft zu schaffen, zumindest manchmal. Wenn harte Arbeit angesagt ist, muss man natürlich konzentriert sein. Aber Olli hat es wirklich sehr locker gesehen.“

fcbayern.de: Es gibt einen Film davon, wie ihr mit Hilfe von Mark van Bommel Oliver Kahn ‚nass’ gemacht habt.
Van Buyten: „Ja, den haben mir danach viele Freunde per Mail geschickt und gesagt, wie witzig es war. Es gab sogar Leute auf der Straße, die mich darauf angesprochen haben und mir zu diesem Streich gratulierten. Aber wie gesagt: alles zu seiner Zeit. Als Franck und ich das gemacht haben, hatten wir beide Titel schon in der Tasche.“

fcbayern.de: Du bist jetzt 30 Jahre alt. Viele Fußballer fangen da so langsam an, sich Gedanken über ihre Zukunft zu machen - Du auch?
Van Buyten: „Nein. Ich fühle mich eigentlich auch noch nicht so alt, eher wie 24, 25. Ich möchte spielen, so lange ich Spaß habe am Fußball. Mein Vertrag bei Bayern läuft noch zwei Jahre, aber ich könnte mir vorstellen, meine Karriere hier zu beenden. Was danach kommt, weiß ich noch nicht.“

Das Interview führte: Dirk Hauser

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