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Matthias Hamann:

'Klinsmann weist den Weg in die Zukunft'

Wer beim Training des FC Bayern genau hinsieht, hat den „Neuzugang“ vielleicht schon bemerkt. Als erstes fallen natürlich Jürgen Klinsmann und seine Co-Trainer Martin Vasquez sowie Nick Theslof auf, dann gibt es Torwarttrainer Walter Junghans und mehrere Fitnesscoaches. Im Hintergrund, die Hände hinter dem Rücken verschränkt, steht aber noch ein aufmerksamer Beobachter - und der ist kein Unbekannter beim FC Bayern.

Matthias Hamann, von 1988 bis 1989 als Spieler bei den Amateuren und Profis des Rekordmeisters beschäftigt, ist zurück an der Säbener Straße. Drei Wochen lang absolviert der inzwischen 40-Jährige im Rahmen seiner Fußballlehrerausbildung ein Praktikum beim FCB. Über seine ersten Einheiten in Klinsmanns Trainerteam und seine erfolgreiche Arbeit als Chefcoach beim KSV Hessen Kassel erzählte Hamann im Interview mit fcbayern.de.

Das Interview mit Matthias Hamann:

fcbayern.de: Matthias, nach knapp 20 Jahren bist Du zurück beim FC Bayern. Wie kam es dazu?
Hamann: „Grund ist ganz einfach meine Fußballlehrerausbildung, die ich seit Juni in Köln mache. Die Europameisterschaft haben wir gleich zur Beobachtung genutzt, daran schließt sich jetzt ein dreiwöchiges Praktikum an, das ich beim FC Bayern, meinem absoluten Wunschverein, absolvieren darf. Das Praktikum ist saisonbegleitend, ich werde also im November, im Winter und im März oder April noch einmal hier sein. Dadurch erhält man einen guten Gesamteindruck vom Verein: Wie ist das Training strukturiert? Welche Schwierigkeiten treten während der Saison auf und wie wird darauf reagiert? Wie wird die Spielphilosophie des Trainers umgesetzt? Und so weiter.“

fcbayern.de: Da dürfte es für Dich besonders interessant sein, dass mit Jürgen Klinsmann beim FC Bayern gerade ein neuer Trainer mit einer neuen Spielphilosophie seinen Dienst angetreten hat.
Hamann: „Das zu beobachten, ist natürlich spannend. Was Jürgen mit seiner Arbeit bei der Nationalmannschaft angestoßen hat, überträgt er jetzt auf den FC Bayern. Der DFB hat sich auch einige Sachen von Jürgen abgeschaut für seine Fußballlehrerausbildung, in der die Individualisierung, das Täglich-besser-machen-wollen jedes einzelnen Spielers ein Schwerpunkt ist. Der FC Bayern ist der Vorzeigeklub Deutschlands, hier arbeitet der derzeitige Vorzeigetrainer - eine umso größere Ehre ist es, die Arbeit vor Ort hautnah miterleben zu dürfen.“

fcbayern.de: Wie ist Dein Eindruck nach den ersten Trainingstagen?
Hamann: „Absolut sensationell. Jürgen hat mich offen begrüßt und bei der Mannschaft vorgestellt. Er hat mir gesagt: ‚Du kannst dich frei bewegen. Fühl Dich so, als würdest Du hier dazugehören. Saug alles auf, was Du hier mitnehmen kannst.‘ Auch die Spieler sind absolut super drauf. Die freuen sich, hier zu arbeiten, und kommen jeden Tag gerne zum Training. Das ist erste Sahne.“

fcbayern.de: Was interessiert Dich im Moment am meisten?
Hamann: „Ich versuche erst einmal, ein bisschen Struktur reinzukriegen, und beobachte, wie er die gesamte Arbeit angelegt hat. Es gibt ja viele Assistenten und Mitarbeiter, dazu mit Philipp Laux ein Sportpsychologen und mit Christian Nerlinger einen Teammanager. Ich frage auch nach, was sich zum Beispiel die Fitnesstrainer bei einer speziellen Übung gedacht haben oder wie die verschiedenen Trainingsintensitäten gesetzt werden.“

fcbayern.de: Weist Jürgen Klinsmann mit seinem breit angelegten Trainerstab den Weg in die Zukunft?
Hamann: „Auf jeden Fall. Das Konzept der Individualisierung bedingt im Grunde, dass man viele Mitarbeiter und Analysemöglichkeiten hat. Ich habe das am eigenen Leib erfahren, als ich bei Hessen Kassel Trainer war. Da hatte ich nur einen Torwarttrainer an meiner Seite, keinen Co-Trainer - und wir hatten auch 20, 22 Mann im Kader, denen man natürlich immer beste Entwicklungsmöglichkeiten bieten will. Um das zu schaffen, muss man schon viele Qualitäten abdecken. Ich habe aber nur begrenzt Ahnung von Leistungsdiagnostik, Sportmedizin oder Ernährungsberatung, von Psychologie ganz zu schweigen. Inzwischen besitzt die Arbeit als Trainer so viele Facetten, dass man absolut auf Spezialisten angewiesen ist.“

fcbayern.de: Wenn Du jetzt erst Deine Fußballlehrerlizenz machst, wie konntest Du dann schon in Kassel Trainer sein?
Hamann: „Ich besitze bereits die A-Lizenz, mit der man bis in die Regionalliga arbeiten darf. Die Fußballlehrerlizenz wollte ich schon in den letzten zwei, drei Jahren immer machen, doch es passte irgendwie nie. Erst sind wir mit Kassel in die Regionalliga aufgestiegen, dann wollte ich die Mannschaft im ersten Regionalliga-Jahr nicht alleine lassen. Wir haben dann die Klasse gehalten und im zweiten Jahr ging es um die Qualifikation für die Dritte Liga, die wir leider verpasst haben. Aber jetzt hole ich die Fußballlehrerlizenz nach.“

Das Interview führte: Niko Heindl

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