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Ziel Leistungsoptimierung

Philipp Laux - der Trainer für den Kopf

Man findet sie mehrfach im neuen Leistungszentrum des FC Bayern. Auf der Dachterrasse, im ersten Stock und sogar vor dem Eingang - überall stehen gemütliche Sitzecken. Aus der Tatsache, dass gleichzeitig mit der Anschaffung gepolsterter Ruhelandschaften auch erstmals ein Sportpsychologe seinen Dienst beim FC Bayern angetreten hat, ließe sich leicht ein Zusammenhang konstruieren. Doch so einfach ist das nicht.

„Sobald man Psychologie hört, denkt man immer an eine rote Couch und dass man über seine Kindheitserfahrungen erzählen muss. Doch damit hat Sportpsychologie überhaupt nichts zu tun“, betonte Philipp Laux im Gespräch mit fcbayern.de. Der 35-jährige ehemalige Bundesligatorwart ist im Stab von Jürgen Klinsmann zuständig für das, was sich am besten als Kopf-Training beschreiben lässt. „Ich bin kein Therapeut“, verdeutlichte er, „sondern ein Coach.“

Spielvorbereitung im Kopf

Genauso wie der Chefcoach, die Co- sowie Fitnesstrainer arbeitet auch der Sportpsychologe nur für ein Ziel: die Leistungsoptimierung. „So wie ich meinen Körper trainiere, so wie ich mich taktisch und technisch weiterentwickle, so kann ich auch im mentalen Bereich etwas machen, was mir auf dem Platz gut tut“, sagte Laux. Zum Beispiel durch mentales Training, das zur Spielvorbereitung genutzt werden könne, erläuterte er. Ein Spieler ruft sich dabei positive Spielsituationen, die er erlebt hat, noch einmal kurz ins Gedächtnis oder er geht im Kopf durch, was ihn auf dem Spielfeld erwartet.

Laux weiß aus eigener Erfahrung, welch positiven Effekt solche Übungen haben können. 1998 kam er erstmals mit der Sportpsychologie in Berührung. Dr. Hans-Dieter Hermann, der inzwischen seit mehreren Jahren als Sportpsychologe die deutsche Nationalmannschaft betreut, hielt damals beim SSV Ulm einen Vortrag über mentale Spielvorbereitung. „Ich fand das faszinierend“, erinnerte sich Laux, „danach habe ich als Spieler immer wieder mal mit ihm zusammengearbeitet.“ Nach dem Ende seiner Profikarriere (2003) studierte er sogar fünf Jahre lang Psychologie.

Immer weniger Vorbehalte

Das Interesse für die psychologischen Momente eines Fußballspiels ist bei Torhütern wohl berufsbedingt. Man befasse sich mit Fragen wie: „Wie stelle ich mich auf ein Spiel ein? Wie kann ich meine Konzentration hoch halten, auch wenn mal wenig aufs Tor kommt?“, erzählte Laux aus seiner aktiven Zeit. Dass er als Profi mit einem Sportpsychologen zusammenarbeitete, war aber eine Ausnahmeerscheinung, damals noch viel mehr als heute.

„Erst dadurch, dass Jürgen Klinsmann Hans-Dieter Hermann als Sportpsychologen zur deutschen Nationalmannschaft gebracht hat, ist das Eis bei den Spielern aufgebrochen“, berichtete Laux von einem langsamen Abbau der Vorbehalte gegenüber der Sportpsychologie. Dass er früher selbst Fußballprofi war, ist eine zusätzliche Hilfe. „Die Spieler merken schnell, dass ihnen ein Sportler gegenübersitzt, der sich in manche Situationen hineinversetzen kann“, berichtete Laux.

Sportpsychologe und Fortbildungsleiter

Im Moment steht für den 35-Jährigen beim FC Bayern das gegenseitige Kennenlernen im Mittelpunkt. „Nächste Woche werde ich eine kurze Einführung machen, damit die Spieler wissen, was Sportpsychologie überhaupt ist“, erzählte er. Man könne zum Beispiel auch dann den Kontakt zu einem Sportpsychologen suchen, wenn es gerade richtig gut läuft, sagte er. „Wie kann ich mich neu motivieren? Wo stehe ich im Moment, wo will ich hin? Es geht darum, die eigene Arbeit zu reflektieren und die eigene Persönlichkeit weiterzuentwickeln.“

Die Persönlichkeit steht auch im Mittelpunkt von Laux' Tätigkeit als Fortbildungsleiter, womit seine Funktion als Sportpsychologe beim FC Bayern ergänzt wird. Er plant zum Beispiel das Sprachtraining der Spieler oder hat vor, Spitzenakteure anderer Sportarten zu Vorträgen einzuladen. Ziel sei es, die Spieler auch einmal über ihren Tellerrand als Fußballprofi hinausblicken zu lassen, erklärte er.

Auf und außerhalb des Platzes

Alles in allem sollen sich die Spieler also auf und außerhalb des Platzes weiterentwickeln, ganz im Sinne von Jürgen Klinsmann, der überzeugt ist: „Philipp wird uns bei der individuellen Entwicklung und Verbesserung der Spieler signifikant helfen.“ Die neuen Polstermöbel spielen dabei keine Rolle.

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