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Uli Hoeneß:

'Podolski ist zu 100 Prozent Bayer'

Die ersten Wochen der neuen Saison hat sich Uli Hoeneß ganz genau angesehen. Fast täglich war er im neuen Leistungszentrum, immer wieder beobachtete er interessiert vom Spielfeldrand das Training. Im Interview mit FCB.tv zieht der Manager des FC Bayern eine Zwischenbilanz. Wo steht der Rekordmeister nach knapp vier Wochen Vorbereitung? Wie kam es dazu, dass er weiterhin auf der Trainerbank sitzt? Und was sagt er zur Entscheidung des Kartellamts?

Das Interview mit Uli Hoeneß:

Frage: Herr Hoeneß, wie fällt Ihre Zwischenbilanz nach knapp vier Wochen Vorbereitung aus?
Hoeneß: „Ich glaube, wir können sehr zufrieden sein. Bis jetzt ist alles okay, wir haben überhaupt keine Probleme. Wo wir wirklich stehen, können wir noch nicht sagen, weil die meisten EM-Rückkehrer erst seit einer Woche im Training sind. Wir hoffen jetzt, dass keine Verletzungen passieren, damit wir nach der schweren Verletzung von Franck Ribéry nicht noch größere Ausfälle haben. Nach der großen Japan-Reise nächste Woche beginnt die heiße Phase der Vorbereitung mit dem Spiel gegen Inter Mailand. Danach hoffe ich, dass wir gut vorbereitet in die Saison gehen.“

Frage: Wie hat die Mannschaft die Veränderungen unter Jürgen Klinsmann aufgenommen?
Hoeneß: „Ich habe das Gefühl, dass sich die Spieler sehr wohl fühlen im neuen Leistungszentrum. Sie haben dort eine kleine Heimat gefunden. Jetzt müssen wir abwarten, ob diese Neuerungen, Bequemlichkeiten und Veränderungen auch zu Leistungssteigerungen führen. Denn das ist ja der Sinn der Sache.“

Frage: Jürgen Klinsmann hat das Sommertrainingslager gestrichen. Wie stehen Sie zu dieser Entscheidung?
Hoeneß: „Jürgen hat die Begründung ja nachgeliefert: Die Nationalspieler waren vor und während der EM bis zu sechs Wochen im Trainingslager - und wenn sie jetzt schon wieder ein, zwei Wochen ins Trainingslager fahren, dann fällt ihnen die Decke auf den Kopf. Und wenn man auch noch so ein schönes Leistungszentrum und so tolle Plätze hat - wir haben ja wirkliche Golfplatzqualität -, dann war das eine kluge Entscheidung.“

Frage: Am Mittwoch gab es in Dortmund einen ersten Härtetest gegen einen Bundesligakonkurrenten. Welche Erkenntnisse hat dieses Spiel gebracht?
Hoeneß: „Die Spieler, die erst eine Woche im Training waren, haben erkannt, dass sie noch viel zu tun haben. Es war kein Zufall, dass wir in der ersten Halbzeit, in der wir mit fünf, sechs EM-Teilnehmern gespielt haben, wesentlich größere Probleme mit Dortmund hatten als in der zweiten Halbzeit, in der viele junge Spieler auf dem Platz standen, die schon vier Wochen trainiert hatten. Bei Dortmund war meines Wissens kein einziger EM-Spieler auf dem Platz. Vom Stand der Vorbereitung her war das ein Riesenunterschied.“

Frage: Sie saßen in Dortmund neben Jürgen Klinsmann auf der Trainerbank. Jürgen Klinsmann hatte Sie sogar darum gebeten. Viele hat das überrascht, Sie auch?
Hoeneß: „Ich war auch überrascht. Eigentlich hatte ich fest vor, mir nach 30 Jahren das Ganze mal von der Tribüne anzuschauen. Aber Jürgen hat mich so intensiv gebeten und auch begründet warum. Das hat mir so gut gefallen, dass ich ihm spontan zugesagt habe.“

Frage: Am Samstag kehrt Lukas Podolski mit dem FC Bayern heim nach Köln. War er in den letzten beiden Jahren jemals nicht zu 100 Prozent Bayer?
Hoeneß: „Das habe ich nie so empfunden, er war immer zu 100 Prozent Bayer. Es ist ganz normal, dass er phasenweise nicht zufrieden war, wenn er nicht regelmäßig gespielt hat. Die Kölner haben um ihn gebuhlt, da ist es okay, dass er ein bisschen wackelt. Ich glaube aber nicht, dass er mit der Entscheidung, zum FC Bayern zu gehen, einen Fehler gemacht hat. Wann immer ich ihn sehe, sehe ich einen gut gelaunten Lukas Podolski, der sich jetzt gut auf die neue Saison vorbereitet.“

Frage: Das Kartellamt hat entschieden, dass die Bundesliga künftig weiterhin vor 20 Uhr im frei empfangbaren Fernsehen zu sehen sein muss. Was halten Sie davon?
Hoeneß: „Ich habe das überhaupt nicht verstanden. Wenn das Kartellamt gegen die zentrale Vermarkung ist, dann soll es das sagen und die zentrale Vermarktung verbieten. Aber zu sagen, eigentlich sind wir gegen die zentrale Vermarktung, aber wir sind dafür, wenn ihr vor 20 Uhr für die ARD ein schönes Ostergeschenk mitbringt, das kann es nicht sein. Ich wusste nicht, dass das Kartellamt direkt bei der Regierung und den öffentlich-rechtlichen Sendern unter Vertrag steht. Diese Entscheidung hat gravierende Konsequenzen für die gesamte Liga und vor allem für die kleinen Vereine - da haben wir ein schönes Kuckucksei ins Nest gelegt bekommen.“

Frage: Zumindest können sich die Fans freuen, dass Sie die Bundesliga weiterhin vor 20 Uhr im frei empfangbaren Fernsehen sehen können.
Hoeneß: „Diese Aussagen implizieren immer, dass es keine Highlightverwertung vor 20 Uhr mehr gegeben hätte. Das ist doch überhaupt nicht klar gewesen. Aber jetzt ist der Wettbewerb abgeschafft, die ARD lacht sich ins Fäustchen. Ich war immer der Meinung, das Kartellamt muss für Wettbewerb sorgen - hier hat es das Gegenteil getan. Die sollten mal in ihren Statuten nachschauen, wofür sie eigentlich da sind.“

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