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Nicht nur trainieren

Vieles neu für die Bayern-Profis

Es ist (fast) nichts mehr wie es war für die Profis beim FC Bayern. Statt vor der Kabine parken sie ihre Autos jetzt in der neuen Tiefgarage, von dort gehen sie nicht mehr ins Profihaus, sondern in ein hochmodernes Leistungszentrum, und vor der Kabinentür warten nicht mehr die Journalisten auf sie, sondern eine Holzterrasse mit Sonnenschirm und Sitzlandschaft.

Doch die Neuerungen greifen tiefer. Auch der Tagesablauf der Spieler hat sich radikal verändert. Verließen früher einige schon 30 Minuten nach dem Training frisch geduscht das Vereinsgelände, um am Nachmittag für die zweite Einheit zurückzukehren, bleiben sie jetzt den ganzen Tag über an der Säbener Straße. Ist mit Jürgen Klinsmann auch der Acht-Stunden-Tag beim FC Bayern eingeführt worden?

Individuelle Weiterbildung

„Den Acht-Stunden-Tag wird es so nicht geben“, betonte Klinsmann am Mittwoch auf seiner ersten Pressekonferenz als FCB-Chefcoach. Sobald die Saison läuft, würden die Spieler wieder „wesentlich kürzer“ an der Säbener Straße sein, erklärte er. „Weil wir dann meistens nur einmal am Tag trainieren werden.“

In der Vorbereitung ist dies freilich anders. Hier wird zweimal am Tag trainiert, zwischen den Einheiten bleiben alle Spieler zusammen. Sie essen gemeinsam, sie arbeiten im Kraftraum, die Ausländer - Spieler wie Trainer - erhalten Deutsch-Unterricht. Mit Filmen, Büchern, Laptops und Sitzecken können die Spieler zu sich kommen. Es geht dabei einerseits darum, eine Wohlfühl-Oase zu schaffen, anderseits darum, die Spieler auch außerhalb des Spielfelds zu fördern. „Wir werden uns sehr intensiv mit den Spielern befassen, um sie individuell weiterzubilden“, sagte Klinsmann.

Kein Trainingslager

Auch während der Saison, wenn nur einmal pro Tag trainiert wird, werden Fortbildungsmaßnahmen für die Spieler stattfinden. „Es gibt diesen Spruch: Ein Spiel wird im Kopf entschieden“, sagte Klinsmann, „aber wenn ich den Kopf nicht trainiere, muss ich mich fragen: Habe ich dem Spieler geholfen, damit er das Spiel entscheiden kann?“

Möglich wird diese umfassende Betreuung durch das neue Leistungszentrum, das die notwendigen Räumlichkeiten zur Verfügung stellt. „Die Spieler sind restlos begeistert von diesem Zentrum“, berichtete Klinsmann. Aufgrund der neuen Möglichkeiten an der Säbener Straße wird die Mannschaft diesen Sommer auch nicht in ein Trainingslager reisen. An der Säbener Straße könne „gezielt, intensiv und auf höchstem Niveau“ gearbeitet werden, betonte der Chefcoach.

'Viel Energie'

Nach dem Nachmittagstraining fahren die Spieler dann nach Hause und können „ihr Leben leben“, wie Klinsmann sagte. „Es ist auch sehr wichtig, dass sie bei ihrer Frau und ihren Kindern sind. Ich denke, durch diese Konstellation wird viel Energie freigesetzt und nicht herausgezogen, wenn man abends irgendwo im Hotel sitzt und nicht weiß, was man mit seiner Zeit anfangen soll.“

Klinsmann ist überzeugt, dass die Spieler den längeren Arbeitstag „gerne auf sich nehmen. Ich habe da gar keine Sorgen, ich glaube sogar, dass sie sich darauf freuen.“ Er habe eine junge Generation an Spielern zusammen, „die darauf wartet, stimuliert, inspiriert und motiviert zu werden. Wir werden sie mit vielen vielen Themen und Ideen beschäftigen.“ Die notwendige Zeit dafür wird fest eingeplant.

Ein typischer Tagesablauf für einen FCB-Profi während der Vorbereitung:

9.30 Uhr: Eintreffen im Leistungszentrum, Besprechung des Trainingsplans
10.00 Uhr: individuelle Vorbereitung auf die Trainingseinheit im Kraftraum (Klinsmann: „Wenn die Spieler auf den Platz kommen, haben sie schon eine halbe Stunde gearbeitet.“)
ab 10.30 Uhr: Training (ca. 75 Minuten)
Danach: Cool-down-Phase im Kraftraum
Danach: gemeinsames Mittagessen
13.15 Uhr bis 14.00 Uhr: Medienzeitfenster: Spieler stehen in Gesprächsrunden oder bei Pressekonferenzen den Journalisten Rede und Antwort. Parallel besteht die Möglichkeit für Spieler und Betreuer, an einem Deutschunterricht teilzunehmen oder sich anderweitig fortzubilden.
15.00 Uhr: individuelle Vorbereitung auf das Nachmittagstraining im Kraftraum
ab 15.30 Uhr: Training
Danach: Therapiemaßnahmen
Ca. 17.30 Uhr: Dienstschluss

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