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Erfurter Lehren

Bayern fassen sich 'an die eigene Nase'

Vor dem Spiel hatte die Erfurter Vereinsführung Uli Hoeneß zu einer gemütlichen Tasse Kaffee eingeladen, danach ruhte 90 Minuten lang die Gastfreundschaft der Thüringer. In der ersten Runde des DFB-Pokals lieferte der Drittligist dem FC Bayern einen leidenschaftlichen Kampf. „Die haben eine tolle Leistung geboten, sind total über sich hinausgewachsen. Dazu kann man nur gratulieren“, verteilte Hoeneß nach dem knappen 4:3 (2:1)-Sieg des FCB in Erfurt Komplimente an die Gastgeber. Weniger erfreut war der Bayern-Manager allerdings über die Leistung der eigenen Mannschaft.

Mit einer Portion Humor attestierte der Bayern-Manager seiner Elf zwar „einen schönen Schritt nach vorne“ im Vergleich zum Erstrundenspiel in Burghausen vor einem Jahr. „Da mussten wir in die Verlängerung und ins Elfmeterschießen, jetzt haben wir souverän 4:3 gewonnen.“ Doch Hoeneß wusste: Im Steigerwaldstadion hatte sich der Titelverteidiger und Rekordpokalsieger nicht gerade mit Ruhm bekleckert.

„Drei Gegentore gegen einen Drittligisten, das darf nicht sein“, sagte Hoeneß, „dass wir die Erfurter so zum Toreschießen einladen, habe ich nicht erwartet. Heute ist das gut gegangen, gegen höherklassige Mannschaften geht das aber nicht gut.“ Auch Jürgen Klinsmann monierte „ein paar Fehler zu viel“ im Defensivverhalten. „Dadurch haben wir uns das Leben unnötig schwer gemacht.“

Dabei schien das erste Pflichtspiel des Doublesiegers in der neuen Saison nach Plan zu laufen. Schon nach sechs Minuten traf Philipp Lahm zum 1:0. Dieses frühe Tor hatte aber offenbar genau die falsche Wirkung auf das Spiel des FCB. Statt mit mehr Sicherheit aufzuspielen, schalteten die Bayern einen Gang zurück. „Das 1:0 hätte uns vieles erleichtern sollen, aber es hat es uns schwerer gemacht“, meinte Klinsmann, „nach der frühen Führung haben wir das Spiel ein bisschen zu leicht genommen und sind dafür bestraft worden.“

Massimo Cannizzaro (22.) traf für Erfurt zum 1:1 - und auch die erneuten Führungstreffer durch Lukas Podolski (24.) und Miroslav Klose (57.) hielten nicht, Albert Bunjaku (47., 67.) glich jeweils aus. Erst das vierte FCB-Tor durch Toni Kroos (80.) reichte zum Sieg. „Wenn wir engagiert weitergespielt hätten, wäre nichts angebrannt. Das wird uns eine Lehre sein“, meinte Christian Lell. Mark van Bommel sagte: „Wir haben jetzt einiges zu diskutieren.“

Zu groß waren die Abstände zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen, zu wenig aggressiv wehrten sich die Bayern gegen die kampfstarken Erfurter - dies sprach Klinsmann in seiner Analyse vor der Mannschaft an, berichteten Zé Roberto und Lell. „Jeder muss sich an die eigene Nase fassen“, betonte Klose, „es geht nicht mit angezogener Handbremse, jeder muss eine Schippe drauflegen.“

Und das schon am kommenden Freitag, wenn der Rekordmeister gegen den Hamburger SV die neue Bundesligasaison eröffnet. Lahm forderte eine Steigerung „um 80 Prozent“, Van Bommel betonte: „Da müssen wir ganz anders auftreten.“ Aufgrund der schwierigen Vorbereitung durch die Europameisterschaft könne die Mannschaft zwar noch nicht funktionieren, meinte der neue FCB-Kapitän. „Das ist keine Ausrede, sondern ein Fakt. Aber da müssen wir einfach durch.“

Eines haben die Bayern außerdem schon im letzten Jahr gelernt: Von einem schwierigen Pokalauftakt lässt sich keine Folgerung für die restliche Saison ziehen. „Letztes Jahr haben wir den Pott geholt und keiner hat mehr über Burghausen geredet“, erinnerte Van Bommel. Erfurt soll es nicht anders ergehen.

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