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Van Bommel im Interview

'Es entscheiden immer Kleinigkeiten'

Fünf Gegentore in einem Spiel - das ist Mark van Bommel bisher noch nicht vorgekommen. „Ich habe vor Jahren mal mit Fortuna Sittard sieben bekommen, aber das war natürlich auf einem ganz anderen Niveau“, erklärte der FCB-Kapitän am Samstag nach der 2:5-Heimniederlage gegen Werder Bremen. Doch wie kann so eine Niederlage zustande gekommen? fcbayern.de traf sich am Montag mit Van Bommel zur Analyse der ersten Saisonniederlage.

Das Interview mit Mark van Bommel:

fcbayern.de: Mark, hast Du zwei Tage später eine Erklärung gefunden, warum es gegen Bremen diese deutliche Niederlage gegeben hat?
Mark van Bommel: „An diesem Tag ist vieles falsch gelaufen, aus meiner Sicht waren aber die ersten beiden Tore entscheidend, die beide aus Freistößen resultierten. Beim ersten stehen wir nicht gut geordnet in der Defensive, der Özil kann frei durchgehen und den Pass spielen. Beim zweiten ist keiner mitgelaufen, außer vier Bremern, die frei vor Rensing stehen. Das darf nicht passieren. In der zweiten Halbzeit müssen wir dann noch mehr aufmachen, Bremen bekommt Platz zum Spielen und Özil macht mit einem Traumtor das 3:0. Aber ich habe ja schon am Samstag gesagt: lieber einmal 2:5 verlieren als fünf Mal 0:1.“

fcbayern.de: Das stimmt, aber nach zuletzt drei Siegen in Folge mit teilweise sehr ansprechenden Leistungen war mit so einem Ergebnis nicht zu rechnen. Im Stadion hat nach dem Spiel kaum einer gepfiffen, die meisten Zuschauer waren eher sprachlos.
Van Bommel: „Nach zwei Unentschieden zum Auftakt hieß es in den Medien: Fehlstart. Dann gewinnen wir drei Mal und alle sagen: Bayern kommt ins Rollen. Jetzt verlieren wir und es heißt: Bayern ist wieder am Boden. Rauf und runter - so eine extreme Berichterstattung habe ich bisher nur beim FC Bayern erlebt. Entweder ist alles super positiv oder es ist super negativ, zwischendrin gibt es nichts. Ich habe auch nicht erwartet, dass wir so verlieren, aber gegen Bukarest war auch nicht alles super.“

fcbayern.de: Das erklärt aber nicht, wie es zu so einer klaren Niederlage kommt, oder?
Van Bommel: „Im Fußball entscheiden doch immer Kleinigkeiten. Zum einen hatten wir zwei, drei gute Chancen, selbst in Führung zu gehen - ich glaube, dann bräuchten wir heute nicht nach Gründen für diese Klatsche suchen. Auf der anderen Seite passen wir zwei Mal bei Freistößen nicht auf. Das sind solche Momente, in denen Spiele auf diesem Niveau entschieden werden können.“

fcbayern.de: Manche Berichterstatter hinterfragen Michael Rensing als Nachfolger von Oliver Kahn im Tor.
Van Bommel: „Das kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Manuel Neuer hatte letztes Jahr auch einige Patzer dabei, aber das war zwei Tage später kein Thema mehr. Hier beim FC Bayern wird so was zum Dauerthema für eine Woche. Ich erlebe Michael jetzt im dritten Jahr, sehe ihn jeden Tag im Training und kann sagen, dass er ein hervorragender Torwart ist. Bei den ersten vier Toren gegen Bremen kann er doch gar nichts machen, und sein Patzer beim fünften war doch nicht mehr entscheidend. Dafür hat er uns in Bukarest zwei, drei Mal gerettet. Er hat nun mal das Pech, dass vor ihm mit Oliver Kahn eine Legende zwischen den Pfosten stand. Olli hat letztes Jahr überragend gehalten, aber auch er hat in seiner Karriere Fehler gemacht. Michael wird aus dieser Situation und aus jedem Fehler lernen, da bin ich mir sicher.“

fcbayern.de: Du bist Nachfolger von Oliver Kahn als Kapitän. Was macht man in dieser Funktion nach so einem Spiel wie gegen Bremen?
Van Bommel: „Wichtig ist, dass alles intern geklärt wird. In der Kabine darf man schon mal Kritik äußern, kann man Dinge klar ansprechen, aber es darf niemals nach außen geraten. Ich bin der Meinung, die Moral der Mannschaft ist gut, denn keiner hat sich in der Öffentlichkeit negativ über andere geäußert. Als Kapitän kann man die Spieler natürlich individuell ansprechen, aber man sollte mit Kritik vorsichtig sein.“

fcbayern.de: Ist es gut, dass am Mittwoch schon die nächste Aufgabe wartet? Zweitligist 1. FC Nürnberg kommt im DFB-Pokal in die Allianz Arena.
Van Bommel: „Klar, da können wir einiges gut machen. Wir müssen gewinnen, egal wie. Das ist unsere Pflicht, zuhause gegen einen Zweitligisten im Pokal darf nichts anderes passieren, als dass wir in die nächste Runde einziehen.“

fcbayern.de: Noch ein paar Worte zu Dir selbst, Mark. Wie bist du mit dem bisherigen Saisonverlauf zufrieden?
Van Bommel: „Ich hatte eine sehr gute Vorbereitung, war körperlich in einem sehr guten Zustand. Im ersten Spiel hat mich HSV-Coach Jol aus dem Spiel genommen, in dem er mir den Guerrero auf die Füße gestellt hat. So hatte ich gar keinen Einfluss auf das Spiel. In Dortmund bin ich vom Platz geflogen und habe dadurch die Mannschaft und auch mich selbst geschwächt. Und dann habe ich erst in Bukarest wieder gespielt. Ich glaube, ich kann nicht wirklich zufrieden sein - wobei ich bei der Nationalmannschaft drei sehr gute Auftritte hatte.“

fcbayern.de: Fühlst Du Dich nach der Gelb-Roten-Karte in Dortmund unter besonderer Beobachtung?
Van Bommel: „Nein, das nicht. Ich bin vielleicht ein bisschen vorsichtiger geworden, gehe nicht mehr so schnell im Zweikampf auf den Boden. Vielleicht fehlt mir einfach noch der Rhythmus, aber dazu habe ich ja in den nächsten englischen Wochen genügend Gelegenheiten dazu.“

Das Interview führte: Dirk Hauser

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