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China, Fernsehen, FCB?

Für Kahn 'gibt es keinen Ruhestand'

Weiter, immer weiter - getreu diesem Motto hat Oliver Kahn sich und seine Mitspieler zwei Jahrzehnte lang zu Höchstleistungen getrieben, und auch nach seinem Karriereende wird der dreifache Welttorhüter, Champions-League- und Weltpokalsieger seinem Leitspruch verbunden bleiben. „Für mich gibt es keinen Ruhestand“, erzählte er, „ich bin ein Mensch, der viele Aufgaben hat, die ich ab September angreifen werde.“

Am Dienstagabend hat der 38-Jährige die Torwarthandschuhe für immer an den Nagel gehängt. Als er bei seinem Abschiedsspiel in der Allianz Arena in der 75. Spielminute unter großen Emotionen vom Platz ging, begann für ihn „kein neues Leben, nur ein anderer Lebensabschnitt“, wie er sagte. Der Fußball wird dabei weiter eine Hauptrolle spielen.

Schon acht Tage nach seinem Abschied von der großen Fußballbühne wechselt Kahn die Seiten. Am 10. September steht er dem ZDF in Helsinki beim WM-Qualifikationsspiel zwischen Deutschland und Finnland erstmals als Experte zur Seite. „Experte - dieses Wort wollte ich ja eigentlich nie benutzen“, muss er selbst schmunzeln, dass er künftig einer jener Kritiker sein wird, die er als Profi nicht recht leiden konnte. Doch Kahn hat sich vorgenommen, vor der Kamera fair und objektiv zu analysieren. „Man neigt zur Überinterpretation“, hat er bereits festgestellt, „davor werde ich mich hüten.“

Im Herbst läuft zudem Kahns Asien-Engagement zur Hochform auf. In China wird er im Fernsehen nach jungen Torwarttalenten suchen. „Das ist eine riesige Aufgabe, weil es in China keine Vereinsstruktur gibt. Da gibt es eine Menge zu tun“, berichtete er. Nach China will er seine Talentsuche auch auf Japan, Korea, Malaysia und Indonesien ausweiten.

Viel unterwegs wird der 86-fache deutsche Nationaltorhüter auch in Bayern sein. Für das Motivationsprogramm „Ich schaff‘s“ des Deutschen Kinderschutzbundes wird er zahlreiche bayerische Schulen besuchen. „Ich werde versuchen, den Schülern klarzumachen, dass Talent allein nicht reicht. Erfolg im Leben hat man vor allem mit Ausdauer, harter Arbeit und Willen zur Leistung. Um zu gewinnen, braucht es nicht den Besten, sondern den Hartnäckigsten“, sagte er.

Nebenbei plant Kahn zudem, den Trainerschein zu machen - aber nicht um selbst einmal eine Mannschaft zu übernehmen, wie er der „Süddeutschen Zeitung“ erzählte. „Ich will mich einfach weiterbilden, ich will den Fußball aus einer anderen Perspektive sehen.“ Auch wenn er nicht mehr selber auf dem Platz steht, beobachtet Kahn ganz genau, was im Fußball passiert. „Ich sehe, was sich in Spitzenvereinen entwickelt, bei Spielern, bei taktischen Dingen. Und ich mache mir meine Gedanken, wie ich Dinge gestalten würde. Dinge wie Führung waren schon immer von hohem Interesse für mich.“

Irgendwann könnte ihn sein Weg daher auch zurück zum FC Bayern führen. „Sicher kann ich mir das vorstellen, aber jetzt möchte ich erstmals Abstand gewinnen“, sagte Kahn nach seinem Abschiedsspiel. In der „Süddeutschen Zeitung“ betonte er: „Ich will mir ein eigenes Bild vom FC Bayern machen, eines, das nicht mehr das Bild eines angestellten Profis ist. Da wird man mit der Zeit betriebsblind. Ich will aus der Distanz sehen, was mir an diesem Verein auffällt und ob ich mir vorstellen kann, da mitzumachen. Es gäbe sicher Aufgaben, die mich reizen und mir Spaß machen.“

Die Tür beim deutschen Rekordmeister steht dem langjährigen FCB-Kapitän auf jeden Fall offen. „Wir haben mit Oliver locker besprochen, dass er jetzt ein Jahr eine Auszeit nimmt. Das wird er machen und genießen. Danach werden wir uns unterhalten, was er für den FC Bayern machen kann“, sagte Uli Hoeneß am Montagabend im „Blickpunkt Sport“ des Bayerischen Fernsehens, „wir haben immer gesagt: Wenn Oliver wirklich Lust hat, für den FC Bayern in irgendeiner Form zu arbeiten, werden wir darüber reden.“

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