präsentiert von
Menü
Kopfball-Riese Van Buyten

'Ich fühle mich richtig gut'

Es lief die 15. Minute in Bukarest, als Bastian Schweinsteiger sich auf dem rechten Flügel den Ball für einen Freistoß zurechtlegte. Mit viel Effet schlenzte der Nationalspieler die Kugel in die Mitte genau auf den Kopf eines großgewachsenen und langhaarigen Mitspielers, der ihn gegen die Laufrichtung des Torwarts ins lange Eck einnetzte. Für Michael Rensing war in diesem Moment klar: Der Torschütze kann nur Luca Toni heißen.

Der Italiener ist nämlich beim FC Bayern sehr oft der Mann für das wichtige 1:0. Schon 18 Mal ist dem letztjährigen Bundesligatorschützenkönig das in einem Pflichtspiel für den Rekordmeister gelungen, zuletzt am Samstag in Köln. Auch da hatte Toni einen Schweinsteiger-Freistoß aus ähnlicher Position mit dem Kopf zur Führung vollendet. Diesmal war aber nicht Toni, sondern Daniel van Buyten der Torschütze. „Das wusste ich gar nicht“, sagte Rensing nach dem Schlusspfiff, „ich habe gedacht, dass Luca das Tor gemacht hat.“ Erst unter der Dusche wurde der Kahn-Nachfolger über den wahren Torschützen aufgeklärt.

Van Buyten dürfte die Verwechslung seines Keepers bei strömenden Regen egal gewesen sein. Mit seinem Tor bescherte er dem FC Bayern nach 525 Tagen ein erfolgreiches Comeback in der Champions League. „Wir haben einen guten Start hingelegt mit den drei Punkten, sind Erster in der Gruppe - da kann ich schon ein bisschen stolz sein auf mein Tor“, sagte der Siegtorschütze nach dem 1:0-Erfolg bei Steaua Bukarest.

Van Buyten ist der erste Torschütze des FC Bayern in dieser Champions-League-Saison. Der Belgier ist gleichzeitig aber auch der letzte gewesen. Am 3. April 2007 erzielte er beide Treffer zum 2:2 im Viertelfinalhinspiel beim AC Milan. Das Rückspiel in München gewannen die Italiener dann mit 2:0. Sein letztes Siegtor erzielte er vor knapp zwei Jahren beim 2:1-Heimsieg in der Bundesliga gegen Energie Cottbus. Damals traf er ebenfalls nach Schweinsteiger-Freistoß mit dem Kopf.

„Van Buyten ist ein Riese. Kopfbälle sind seine Stärke, sowohl offensiv als auch defensiv“, lobte Präsident Franz Beckenbauer den 1,96 Meter großen Abwehrhünen, der im Sommer 2006 vom Hamburger SV zum FC Bayern kam. „Wir freuen uns, dass er das Ding reingeköpft hat - er hat es sich verdient“, sagte Jürgen Klinsmann über seinen Matchwinner, der neben der Kopfball- aber noch eine andere Stärke hat: „Er hat einen unglaublichen Schuss. Wenn er mal die Gelegenheit hat, aus 20, 25 Metern abzuziehen, möchte ich nicht im Tor stehen.“

Dass Van Buyten seine Qualitäten in die Waagschale werfen kann, hat er auch seinem Trainer zu verdanken. Klinsmann installierte beim FCB die Dreierabwehrkette, in der der Belgier erfolgreich an der Seite vom Martin Demichelis und Lucio verteidigt. In der letzten Saison war Van Buyten meistens noch Vertreter, falls einer der beiden Südamerikaner ausfiel oder eine Pause brauchte.

Beklagt über seine Rolle hatte er sich aber nie, sondern mit guten Trainingsleistungen immer Druck auf Lucio und Demichelis ausgeübt. „Jetzt hat mich der Trainer dafür belohnt. Ich fühle mich richtig gut, gerade in dem neuen System“, sagte der 30-Jährige, der in den bisherigen sechs Pflichtspielen immer vom Anpfiff bis zum Schlusspfiff auf dem Platz stand. „Er spielt eine sehr gute Saison“, lobte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. „Daniel hat schon im letzten halben Jahr ordentliche bis sehr gute Leistungen gebracht“, ergänzte Manager Uli Hoeneß.

Es ist auch ein Verdienst Van Buytens (Klinsmann: „Der Daniel hat eine Wucht und eine Körpersprache, dass er den Ball ansaugen möchte“), dass die Standardsituationen beim FC Bayern wieder zu einer echten „Waffe“ geworden sind. Auch Lucio und Demichelis gehören für den Coach zu der Gruppe Spieler, die bei Freistößen oder Ecken „hungrig auf den Ball sind.“ Und nicht zu vergessen in dieser Liste ist natürlich Luca Toni - auch wenn er diesmal leer ausgegangen ist. „Das letzte Mal in Köln war es Luca Toni, heute ich“, sagte Van Buyten - und sah dabei richtig zufrieden aus.

Weitere Inhalte