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Tor-Explosion

In Helsinki platzt Kloses Knoten

Säbener Straße, Geschäftsstelle, 2. Stock, Büro Rummenigge - hier wird seit Mittwochabend gezittert. Dem Vorstandschef des FC Bayern sitzt ein Mann aus dem eigenen Haus im Nacken: Miroslav Klose. Drei Tore hat der Bayern-Stürmer im Länderspiel gegen Finnland geschossen und ist in der ewigen DFB-Torjägerliste bis auf einen Treffer an Rummenigge (45 Tore) herangerückt. Doch bei aller generationsübergreifenden Konkurrenz: Rummenigge wird das gefallen.

„Sehr zufrieden“ war zumindest Rummenigges Vorstandskollege Uli Hoeneß, nachdem Kloses Knoten in Finnland endlich geplatzt ist. „Wir wussten, dass er irgendwann wieder treffen würde. Es war nur eine Frage der Zeit.“ Das hat auch Jürgen Klinsmann in den vergangenen Wochen ein ums andere Mal betont. Nach der Europameisterschaft brauche Klose noch etwas Zeit, um in Form zu kommen, sagte der FCB-Cheftrainer immer wieder.

Kritik in den Medien

Zeit steht gerade einem Stürmer aber nur sehr knapp zur Verfügung. Die Torjäger werden an ihren Toren gemessen (Klose: „Das ist das Schöne und Traurige am Stürmerleben.“). Und da sprach die Statistik zuletzt gegen Klose. In der laufenden Saison traf er in Erfurt und auch per Elfmeter gegen Hertha BSC, saisonübergreifend gingen in den letzten 18 Bundesligaspielen aber nur zwei Treffer auf sein Konto. Die Folge: In den Medien blies Klose ein rauer Wind entgegen.

Der FCB-Stürmer hielt die Kritik für „nicht berechtigt. Ich weiß, dass die Medien immer ordentlich draufhauen, wenn ich mal ein schlechteres Spiel mache. Aber diese Kritik war schon unter dem normalen Niveau.“ Das sei „nicht spurlos“ an ihm vorübergegangen, gab er zu. Aber: „Ich habe mich nie anstecken lassen.“

Tagtägliche Arbeit

Klose trainierte einfach weiter, holte körperlicher Defizite aufgrund des späteren Trainingseinstieges nach der EM Schritt für Schritt auf. „Wer mich kennt, der weiß, dass ich jeden Tag an mir arbeite, um besser zu werden. Und ich weiß auch, dass man dafür belohnt wird. Heute war dieser Tag“, sagte er nach seinem Dreierpack in Helsinki. Selbstzweifel hatte er nie. „Ich weiß, was ich kann.“

Das wissen auch die Trainer. Sowohl Klinsmann als auch Joachim Löw hielten in den letzten Wochen an ihm fest. Tore allein seien nicht ausschlaggebend für die Beurteilung eines Stürmers, erklärte der FCB-Chefcoach. „Es ist auch wichtig, was er für die Mannschaft macht.“ Und da hat Klose laut Tim Borowski „immer viel geackert“. Der Dreierpack von Helsinki sei „der gerechte Lohn“.

Vertrauen der Trainer

„Ich hatte immer Vertrauen in Miro, Vertrauen zahlt sich im Leben häufig aus“, meinte Bundestrainer Löw nach dem Finnland-Spiel. Noch vor dem Anpfiff hatte er seinen Torjäger verteidigt. „Fakt ist, ich sehe bei ihm eine körperliche Leistungssteigerung.“ Auch für Klinsmann war Kloses Tor-Explosion keine Überraschung. „Das war in der täglichen Arbeit abzusehen. Wir wussten, dass die Tore irgendwann wiederkommen.“ Was Klose fehlte, war „ein Spiel, in dem es läuft“ (Löw).

Finnland war dieses Spiel. „Jetzt müssen einige Journalisten ein paar neue Kapitel schreiben“, meinte Uli Hoeneß. „Ich freue mich natürlich sehr über meine Tore“, sagte Klose, „aber es war kein Glücksabend und keine Befreiung.“ Der Mann des Spiels erinnerte an eine gute Möglichkeit, die er vor seinen drei Treffern vergeben hatte. „Den Kopfball in der ersten Halbzeit muss ich natürlich machen.“

'Auf einem guten Weg'

Doch Klose hat sich auch durch diese ausgelassene Chance nicht unterkriegen lassen. „Das ist Stürmer-Mentalität, nicht aufgeben, abhaken. Das war mental ganz stark von Miro“, meinte Oliver Kahn. „Wenn man ein, zwei Chancen versiebt hat, muss man einfach an die dritte und vierte glauben. Das habe ich heute ganz gut umgesetzt“, sagte Klose.

„Miro ist noch nicht da, wo er hin soll, aber er ist auf einem guten Weg“, ordnete Klinsmann das Finnland-Spiel als großen Schritt Kloses auf dem Weg zur Topform ein. Der Dreifach-Torschütze selbst hatte nach dem Schlusspfiff in Helsinki zumindest seinen inneren Frieden schon mal wiedergefunden. Ob Stürmer ein Traumjob sei, wurde er gefragt. Kloses Antwort: „Spielerfrau wäre schöner, aber Stürmer ist auch nicht schlecht.“

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