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Noch einmal kurze Hosen

Kahn will zum Abschluss 'nur überleben'

Einmal noch war alles wie immer. In seinem schwarzen Einteiler schmiss sich Oliver Kahn auf den regennassen Rasen, er warf sich in Schüsse aus nächster Distanz, er pflückte Flanken herunter - so wie er es 14 Jahre lang an der Säbener Straße getan hatte. Am Montag trainierte er zum letzten Mal. Denn am Dienstagabend (Anstoß um 20 Uhr) steht der 38-Jährige bei seinem Abschiedsspiel gegen die deutsche Nationalmannschaft zum letzten Mal im Tor des FC Bayern, 69.000 Zuschauer werden in die Allianz Arena kommen. Er wolle „zusammen mit den Zuschauern noch einmal ein schönes Fest feiern“, betonte Kahn, „alles andere ist unwichtig.“

Zum Schluss ist also Gewinnen nicht mehr alles für den 39-Jährigen, für den der Erfolg immer die oberste Maxime war. Eine gute Figur will Kahm beim Schlussakt seiner großartigen Karriere aber auf jeden Fall noch einmal abgeben. „Mit dem Seppi“ werde er daher „nochmal alles durchexerzieren“, sagte er vor seinem letzten Training mit seinem langjährigen Weggefährten Sepp Maier. Auch Freistöße und Elfmeter wolle er üben, wohlgemerkt als Schütze, nicht als Torwart. Denn ein Tor zum Abschluss wäre das i-Tüpfelchen für den dreimaligen Welttorhüter.

Waldläufe, Kraftraum, Golfspielen - in den drei Monaten seit seinem letzten Pflichtspiel mit dem FC Bayern hat Kahn dem Sport nicht ganz abgeschworen. Ein Torwarttraining hat er in dieser Zeit aber nie absolviert. „Ich bin mir nicht ganz so sicher, wie ich drauf bin“, erzählte er, „ich verlasse mich morgen auf meine Erfahrung. Es geht darum, die 75 Minuten, die ich spielen werde, zu überleben.“

Zum ersten Mal nach seinem Karriereende besuchte Kahn am Montag wieder die Säbener Straße. Jürgen Klinsmann führte ihn durch das neue Leistungszentrum, dabei stellte Kahn an der Taktiktafel auch die FCB-Elf für sein Abschiedsspiel auf. „Es ist für mich eine ganz besondere Ehre, dass die Nationalmannschaft antritt“, erzählte er anschließend auf seiner letzten Pressekonferenz. Dann ging es auf den Trainingsplatz.

Das Abschiedsspiel ruft natürlich auch noch einmal Wegpunkte seiner erfolgreichen Karriere in Erinnerung. „Ich weiß noch, wie alle gesagt haben: Bist du verrückt? Warum stellst du dich ins Tor?“, erzählte Kahn von dem Jugendspiel, in dem er sich zum ersten Mal zwischen die Pfosten stellte. Rund 30 Jahre später hat er 86 Länder-, 140 Europapokal- und 557 Bundesligaspiele bestritten, acht Meisterschaften, sechs DFB-Pokalsiege, den Weltpokal, die Champions League und den UEFA-Cup hat er dabei gewonnen. „Es gab viele tolle, emotionale und auch weniger schöne Momente“, sagte Kahn, „ich habe versucht, einen authentischen Weg zu gehen. Ich denke, das ist mir auch gelungen.“

Abgeschlossen mit seiner aktiven Laufbahn hat er längst. „Für mich ist schon nach dem letzten Bundesligaspiel gegen Berlin alles vorbei gewesen“, erzählte er. Seitdem stand die Erholung im Mittelpunkt. Zuletzt war Kahn vier Wochen auf einem Boot im Mittelmeer unterwegs. „Die ersten drei Monate ohne Fußball waren fantastisch. Ich fühle mich sehr wohl“, erzählte er. Nur eines fehlt: „Die Mannschaft und der Flachs untereinander.“

Am Dienstagabend kann Kahn noch einmal Kabinenluft schnuppern. Ein Comeback schloss er kategorisch aus. „Es gab einige Angebote, aber das war für mich nicht einmal im Ansatz eine Überlegung wert“, sagte er, „irgendwann kommt dieser Moment, da magst du die kurzen Hosen nicht mehr anziehen.“

Dem Fußball wird der langjährige FCB-Kapitän aber auch in Zukunft verbunden bleiben. Dem ZDF steht er künftig als Fußballexperte zur Verfügung, außerdem wird er seine Engagements in Asien und für das Motivationsprogramm „Ich schaff's“ des Deutschen Kinderschutzbundes intensivieren. „Im Moment gibt es so viel für mich zu tun“, erzählte Kahn. Er sei zwar „froh, ein bisschen in den Tag hineinleben zu können. Aber nur Golf spielen, ist auch irgendwann öde.“

Zunächst wird Kahn aber noch einmal den Nervenkitzel genießen, vor 69.000 Zuschauern in der Allianz Arena zu spielen, einmal noch wird er versuchen, seinen Kasten sauber zu halten. „Es ist durchaus möglich, dass es noch einmal sehr emotional wird“, sagte er. Einmal noch.

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