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Schmerzhafter Wiesn-Auftakt

Klinsmann: 'Wir werden wieder aufstehen'

Mal tigerte er unruhig in der Coaching-Zone auf und ab, mal stand er angespannt an der Seitenlinie, die Hände tief in den Jackentaschen vergraben oder wild gestikulierend, nur kurz hielt er es ab und zu auf der Trainerbank aus - Jürgen Klinsmann ging es offensichtlich nicht gut am Samstagnachmittag in der Allianz Arena.

Das lag zum einen daran, dass der Bayern-Trainer wegen Rückenschmerzen weiterhin kaum sitzen kann, zum anderen gefiel ihm nicht, was er auf dem Platz sah. Gegen Werder Bremen kassierte seine Mannschaft die erste Saisonniederlage. Für den Rekordmeister war es die erste Heimspielpleite zum Wiesn-Auftakt überhaupt, die aber weniger wegen der drei verlorenen Punkte weh tat als vielmehr wegen ihrer Höhe: 2:5 (0:2). Nur einmal hatte der FC Bayern vor eigenem Publikum mehr Gegentore kassiert, beim 0:7 gegen den FC Schalke 32 Jahre zuvor.

„Es war eine Lektion, es schmerzt, da braucht man gar nicht drum herum reden“, gab Klinsmann nach dem Schlusspfiff unumwunden zu. Franz Beckenbauer sprach von einem „ganz schwarzen Tag. Es gibt so Tage, da brichst du dir den Finger in der Nase. Ich war vor über 30 Jahren beim 0:7 gegen Schalke selbst dabei - das war heute wieder so ein Tag.“

Dabei könnte man beim Blick in die Spielstatistik glauben, die Partie wäre ganz nach den Vorstellungen des FC Bayern gelaufen. 55 Prozent Ballbesitz, 52 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 22:10 Torschüsse, 17:2 Flanken, 8:2 Ecken, alles für den Rekordmeister - doch die Zahlen trügen. „Wir müssen anerkennen, dass die Bremer heute besser waren. Sie haben vollkommen verdient gewonnen“, sagte Klinsmann.

Die Gäste waren „spritziger, heißer, aggressiver, cleverer, sie hatten mehr Durchsetzungsvermögen“, analysierte der FCB-Chefcoach, „und vor allem: Sie haben ihre Torchancen kaltblütig genutzt. Wir hingegen haben verpasst, in Führung zu gehen, obwohl wir genügend Gelegenheiten hatten. Da hat uns der letzte Wille, die letzte Entschlossenheit gefehlt.“ Beckenbauer bilanzierte: „Bremen schießt sechs Mal aufs Tor und trifft fünf Mal.“

Markus Rosenberg (30./67.), Naldo (45.), Mesut Özil (54.) und Ex-Bayer Claudio Pizarro (59.) brachten die Bremer innerhalb von nicht einmal 40 Minuten mit 5:0 in Führung. Tim Borowski (71., 85.) konnte die Niederlage in der Schlussphase zumindest noch abmildern. „Ich kann es gar nicht fassen, dass wir fünf Dinger kassiert haben“, sagte der Ex-Bremer später, „das war eine absolut desolate Leistung von uns. Ich hatte das Gefühl, dass eine gewisse Lethargie im Spiel war. Wir waren nie richtig am Mann, wir haben die Bremer nie richtig unter Druck setzen können.“

Gerade das Zweikampfverhalten bemängelte auch Klinsmann. „Letztlich sind es die Zweikämpfe, die ein Spiel entscheiden - und die haben wir heute verloren“, meinte der FCB-Trainer, der das 2:5 eigentlich gar nicht groß vor der Mannschaft analysieren braucht. „Wir wissen selbst, was wir abgeliefert haben“, meinte Luca Toni. Sein Sturmpartner Lukas Podolski sagte: „Jeder Einzelne weiß, dass er nicht gut gespielt hat.“

Mund abputzen und weiter, so lautet das Motto beim FC Bayern in den kommenden Tagen. „Wir werden unsere Schlüsse aus dem Spiel ziehen, aber in keinster Weise den Kopf in den Sand stecken“, betonte Klinsmann, „wir werden wieder aufstehen und vielleicht noch stärker sein als vorher.“ Schon am Mittwoch steht das nächste Spiel auf dem Programm, in der zweiten Runde des DFB-Pokals gastiert der 1. FC Nürnberg in der Allianz Arena. „Es kommt darauf an, so schnell wie möglich eine Reaktion zu zeigen“, sagte der FCB-Trainer, „und das werden wir.“

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