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Borowski klopft an

'Tim hat in den letzten Monaten viel gelernt'

Es war die vielleicht entscheidende Phase im Spiel des FC Bayern gegen Florenz. Der deutsche Rekordmeister führte Mitte der zweiten Halbzeit 2:0, beide Teams lieferten sich einen offenen Schlagabtausch - da hielt es Jürgen Klinsmann nicht mehr auf der Trainerbank. Der FCB-Chefcoach sprang an die Seitenlinie, klatschte wild in die Hände und feuerte Tim Borowski an. Der hatte sich gerade auf den Weg zurück in die eigene Hälfte gemacht, aber nicht schnell genug nach Klinsmanns Auffassung. Als Borowski seinen Trainer an der Seitenlinie sah, schaltete er zwei Gänge hoch. So hatte sich Klinsmann das vorgestellt.

Die Szene aus dem Champions-League-Spiel vor einer Woche ist exemplarisch für den Lernprozess, den der FCB-Cheftrainer von Borowski seit seinem Wechsel von Bremen nach München forderte. „Tim hat in den letzten drei, vier Monaten viel gelernt. Er hat gelernt, dass er beim FC Bayern in beide Richtungen arbeiten muss, defensiv und offensiv“, erzählte Klinsmann bei FCB.tv.

Topjoker der Liga

In der Vorwärtsbewegung zeigt Borowski bereits, was er kann. Mit vier Bundesligatoren ist er aktuell nicht nur Bayerns Toptorjäger, sondern auch gleichzeitig der Topjoker der Liga. „Dass er offensiv unheimliches Potenzial hat, dass er einen super Schuss hat und auch Kopfballtore machen kann, wissen wir seit zehn Jahren in der Bundesliga“, sagte Klinsmann. Nur mit der Defensive hapere es. „Er muss sich nach hinten genauso verausgaben wie nach vorne“, verlangte der FCB-Trainer, „wenn ich den Ball verliere, muss ich sofort umschalten und mich mit 200 km/h wieder in meiner Position einordnen.“

Daran hat Borowski in den letzten Wochen und Monaten gearbeitet. „Er hat viel Zusatzarbeit verrichtet“, berichtete Klinsmann, der mit der Entwicklung des Mittelfeldspielers zufrieden ist. „Er ist jetzt immer präsenter, seine Körpersprache ist positiver und vor allem seine Rückwärtsbewegung wird immer besser.“ Die „positive Wut“, auf der Bank zu sitzen - von 13 Pflichtspielen stand Borowski nur zweimal in der Startelf -, hat Borowski also bestens kanalisiert: in Trainingseifer.

Konkurrenzkampf im Mittelfeld

„Man kann mir nicht vorwerfen, dass ich im Training nicht Gas gebe“, meinte Borowski, der mit seiner Rolle als Einwechselspieler natürlich nicht zufrieden ist. Doch der 28-Jährige weiß, dass die Konkurrenz beim FC Bayern groß ist. „Wir haben ein Überangebot an Mittelfeldspielern, alles durchweg Nationalspieler, jeder hat den Anspruch, zu spielen“, meinte er. „Man muss auch neidlos anerkennen: Zé Roberto hat eine super Form und Bastian Schweinsteiger spielt richtig gut. Aber die Saison ist noch frisch. Es kann sich noch viel ändern.“

Borowski wartet also geduldig auf seine Chance. „Ich versuche, von der Bank das abzurufen, was ich kann und wofür ich geholt wurde“, sagte er. Gegen Wolfsburg (4:2) hat das am vergangenen Wochenende bestens funktioniert. Zur Pause eingewechselt war er prompt mit einer Kopfballverlängerung an der Entstehung des 2:2-Ausgleichs beteiligt und stellte anschließend mit dem Treffer zum 3:2 persönlich die Weichen auf Sieg. „Es war ein wichtiges Tor. Das hat mich riesig gefreut“, erzählte er.

Wechsel nicht bereut

Parallel sammelt er auch im Training Argumente für Einsätze von Beginn an. „Es gilt, weiter dranzubleiben und dem Trainerteam noch mehr zu zeigen, dass man in die Startformation gehört“, betonte der ehemalige Bremer, der den Wechsel nach München nicht bereut. „Es war der richtige und ein wichtiger Schritt in meiner Karriere.“ Auch die Nationalmannschaft, wo er zuletzt nicht mehr berücksichtigt wurde, beschäftigt ihn derzeit nicht. „Wichtig ist, dass ich beim FC Bayern meine Einsätze habe. Der Rest ergibt sich automatisch.“

Für mehr Einsätze hat er sich zuletzt auf jeden Fall empfohlen. „Tim macht es mir im Moment schwer, ihn auf die Bank zu setzen“, sagte Klinsmann. Vielleicht steht Borowski ja schon am Mittwoch in Frankfurt in der ersten Elf. „Er klopft jetzt an und will da rein.“

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