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FCB schnuppert an Platz 1

Der heiße Atem des Rekordmeisters

Uli Hoeneß versuchte ernst auszuschauen, als ihm der Premiere-Reporter über den Endstand der Partie in Berlin aufklärte. „Hoffenheim hat verloren?! Wir haben gewusst, dass wir voll im Geschäft sind, wenn wir heute gewinnen - und das ist jetzt der Fall“, sagte der Bayern-Manager, nachdem sich seine Mundwinkel zumindest kurzfristig zu einem Lächeln angehoben hatten. Hoeneß sah in diesem Moment verdammt zufrieden aus. „Es war ein schönes Wochenende“, resümierte er wenig später in der Interviewzone der Veltins-Arena.

Es war sogar ein großartiges Wochenende für den FC Bayern. Am Freitagabend präsentierte der Vorstand auf der Jahreshauptversammlung einen zufriedenstellenden Gewinn für das letzte Geschäftsjahr, am Samstag verspielte der neue Tabellenführer Bayer Leverkusen eine 3:0-Führung beim Karlsruher SC und am Sonntag gewannen die Bayern beim FC Schalke 04 mit 2:1 während der alte Spitzenreiter aus Hoffenheim mit 0:1 bei Hertha BSC unterlag. „Der heiße Atem des FC Bayern ist zu spüren, den schaffen manche eben nicht“, sagte Hoeneß.

Aufholjagd im heißen Herbst

Erst knapp dreieinhalb Wochen ist es her, dass die Bayern mit sieben Punkten Rückstand auf Platz elf der Tabelle lagen. Mit fünf Siegen in Folgen haben sich Jürgen Klinsmann und seine Mannschaft aber bis auf einen Punkt an Leverkusen und Hoffenheim herangearbeitet und schnuppern jetzt wieder an der Spitzenposition.

„Dieser Sieg bringt uns langsam dahin, wo wir so schnell wie möglich stehen wollen“, sagte Klinsmann nach der in Sachen Cleverness und Coolness erstklassigen Vorstellung seiner Mannschaft. „Unser Ziel ist die Herbstmeisterschaft, dem kommen wir Schritt für Schritt näher.“ Schon am kommenden Wochenende könnten die Tabellenführung erobert werden, wenn sechs der ersten sieben Teams in der Tabelle gegeneinander spielen und der FC Bayern bei der abstiegsbedrohten Gladbacher Borussia antreten muss.

In der einst uneinnehmbaren Festung Schalke-Arena zeigten die Bayern bei ihrem zweiten Ligasieg dort in Folge indes meisterliche Qualitäten. Die „Knappen“ machten zwar über weite Strecken das Spiel und kamen zu insgesamt 18 Ecken, aber für echte Torgefahr sorgten sie nur in der ersten Hälfte. „Die Schalker haben viel Druck gemacht und sich ein paar gute Chancen erarbeitet. Da waren schon ein paar nervöse Momente dabei“, lautete Klinsmanns Analyse zum ersten Drittel der Partie

Besonders „in der Ordnung zwischen Abwehr und defensiven Mittelfeld“ (Klinsmann) lief es bei den Bayern in dieser Phase nicht nach Plan. „Das haben wir dann in der Halbzeitpause korrigiert“, berichtete der Bayern-Coach, der im zweiten Abschnitt fast schon entspannt mit ansehen konnte, wie sein Team den knappen Vorsprung ziemlich souverän über die Zeit brachte: „Wir haben defensiv nahezu perfekt gestanden.“

Eiskalte Chancenverwertung

Zu der starken Defensivleistung kam eine eiskalte Effizienz in der Offensive. Mit der ersten Torchance brachte Luca Toni den FCB bereits nach drei Minuten in Führung. Nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich durch Jefferson Farfan (5.) sorgte Franck Ribéry (31.) mit dem zweiten perfekten Angriff für die Entscheidung. „Es kommt jetzt langsam zurück, dass wir aus wenigen Chancen auch die Tore machen“, sagte Hoeneß. Beim Spiel auf Schalke nutzten die Bayern fast jede. „Vor dem Tor waren sie wirklich eiskalt: drei Chancen - zwei Tore“, sagte Schalkes Mittelfeldmann Jermaine Jones.

Während Jones und seine Teamkollegen erst mal den Kontakt zur Spitze ein wenig haben abreißen lassen müssen, sind die Bayern jetzt wieder voll im Titelrennen. „In den letzten Wochen mussten wir ein bisschen nach den Mannschaft oben schauen, aber wenn wir weiter so spielen und die Siege einfahren, müssen wir uns nicht mehr an Leverkusen oder Hoffenheim orientieren, dann stehen wir am Ende oben“, sagte Michael Rensing. Und dann - so ist sicher Hoeneß sicher -, „wird es für die anderen Mannschaften schwer.“ Bis dahin weht der heiße Atem des Rekordmeisters durch die Liga.

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