präsentiert von
Menü
Erst gekitzelt, dann explodiert

Podolski zeigt die gewünschte Reaktion

Man muss mal bei den Zeugwarten des FC Bayern nachfragen. Irgendetwas stimmt nämlich nicht mit der Ersatzbank des FC Bayern. Jedem, der darauf sitzt, scheint sie gut zu tun. Spieler, die von dieser Bank kommen, haben jedenfalls in dieser Bundesligasaison schon sechs Tore erzielte. In der Joker-Statistik ist der FC Bayern damit Ligaspitze.

Den letzten dieser Treffer erzielte am Samstag beim 3:1 gegen Bielefeld Lukas Podolski - ausgerechnet jener Podolski, den Uli Hoeneß zwei Tage zuvor noch kritisiert hatte. „Er hat zwei Chancen bekommen und sie nicht genutzt“, bemängelte der FCB-Manager Podolskis letzte Leistungen, nachdem dieser für den verletzten Luca Toni in die Startaufstellung gerutscht war.

Gegen Bielefeld saß Podolski dann erst einmal wieder draußen, obwohl Toni nach wie vor ausfällt. „Überrascht“ und „sauer“ sei er deswegen natürlich gewesen, erzählte Podolski später. Trainer Jürgen Klinsmann hatte dies bewusst in Kauf genommen. „Wir wollten Lukas ein bisschen kitzeln und sehen, wie er das aufnimmt“, erzählte er.

Die einfache Rechnung: Der Kitzel sollte zu einer Leistungsexplosion führen. Und genau das ist passiert. In der Halbzeit eingewechselt, verfolgte Podolski schon Sekunden nach dem Anpfiff der zweiten Halbzeit im Sprinttempo die Bielefelder bis zur Eckfahne, das 2:1 durch Franck Ribéry bereitete er mit einer präzisen Hereingabe vor, dann traf er selbst.

„Wir wollen von Lukas sehen, dass er beißt und Feuer hat, dass er Dinge rumreißen will“, sagte Klinsmann, der Podolski nach dem Spiel lobte: „Er hat den Ball gefordert, ist auch dahingegangen, wo es weh tut, er hat versucht, zum Abschluss zu kommen und in den Strafraum reinzugehen. Er hat viel Bewegung ins Spiel gebracht.“

Selbstkritischer Podolski

Auch Podolski verließ zufrieden die Allianz Arena. „Heute bin ich gut reingekommen, habe ein Tor gemacht, eins vorbereitet - so kann es weitergehen“, sagte er, merkte aber auch selbstkritisch an: „Ich denke, Uli Hoeneß hat Recht gehabt. Ich habe die letzten beiden Spiele nicht gut gespielt.“

Gegen Bielefeld konnte der 23-Jährige aber auch dem FCB-Manager gefallen. „Ich hab ihm heute extrem gratuliert, weil er so gespielt hat, wie man sich das vorstellt“, berichtete Hoeneß nach dem Spiel. Als „super“ und „sehr engagiert“ bezeichnete er Podolskis Leistung. „Heute war ich sehr zufrieden mit ihm. Wenn er immer so spielen würde, hätte er weniger Probleme hier.“

Ribérys Geschenk

„Riesig“ war die Freude bei Klinsmann über Podolskis Treffer, „auch wenn es ein Elfmeter war. Das war sehr wichtig für ihn“, meinte der Cheftrainer. Dabei konnte sich Podolski bei Franck Ribéry bedanken, dass er überhaupt zum Strafstoß antreten durfte. Nach kurzem Gespräch mit dem Franzosen überließ dieser ihm nämlich den Ball.

„Normalerweise schieße ich die Elfmeter, aber ich mag Lukas sehr. Er wollte schießen und er hat dieses Tor gebraucht“, sagte Ribéry, der mit einem Schmunzeln betonte: „Den nächsten Elfmeter wird wieder Franck Ribéry schießen.“ Auf dem Spielfeld freute sich der Franzose aber erst einmal zusammen mit der ganzen Mannschaft über Podolskis sicher verwandelten Strafstoß. „Die ganze Mannschaft kam zum Jubeln. Für uns alle war es wichtig, dass Poldi heute getroffen hat“, berichtete Miroslav Klose.

Auch Kroos überzeugt

In der Jubeltraube zum 3:1 war neben Podolski aber noch ein weiterer Bayer, der von der Ersatzbank kam und ein gutes Spiel abgeliefert hatte: Toni Kroos. Zusammen mit Podolski war der 18-Jährige in der Pause eingewechselt worden und kam erstmals seit dem zweiten Spieltag wieder zu mehr als nur einem Kurzeinsatz.

Diese Chance hat Kroos genutzt. Obwohl er nur die Hälfte des Spiels auf dem Platz war, bereitete er die meisten Torschüsse (7) aller Spieler vor. Zwei seiner Ecken führten zu Aluminium-Treffern, er selbst scheiterte mehrfach mit Schüssen am gut aufgelegten Arminen-Torwart Dennis Eilhoff. „Aufgrund seiner hervorragenden Technik hat Toni viel Talent, diese Standards zu treten. Da kam richtig Druck rein“, sagte Klinsmann, der sein jüngstes Kader-Mitglied lobte: „Der Junge entwickelt sich prima.“

Große Konkurrenz

Sein Potenzial zeigen, kann Kroos aber nur selten. „Das hat einfach mit der Kadersituation zu tun. Wenn viele gesund sind, dann ist es sehr schwer, ihm die Möglichkeiten zu geben, ins Spiel zu kommen“, sagte Klinsmann, „wir würden gerne allen auf der Bank ihre Einsätze geben, leider können wir es nicht tun.“ Bei allem Schwung, den die Ersatzbank den Bayern in dieser Saison bislang gibt - darauf sitzen will keiner gern.

Weitere Inhalte