präsentiert von
Menü
Alfons Schuhbeck im Interview

'2001 lag es nicht an der Küche'

Lyon gilt als Mekka für Gourmets, selbst der Fußball geht hier mit der Kochkunst auf Tuchfühlung. Direkt neben dem Stade de Gerland befindet sich „L’Argenson“, eines von mehreren Restaurants des weltbekannten Küchenmeisters Paul Bocuse in der Stadt. Beim FC Bayern verkörpert Alfons Schuhbeck die Verbindung zwischen Fußball und Küche. Der Sternekoch begleitet den deutschen Rekordmeister seit langen Jahren auf den Champions-League-Reisen, an der Säbener Straße in München versorgt sein Team die Mannschaft. Auch auf der Reise nach Lyon ist Schuhbeck dabei. fcbayern.de hat mit ihm gesprochen.

Das Interview:

fcbayern.de: Herr Schuhbeck, was ist Ihr erster Gedanke, wenn Sie jetzt nach Lyon fliegen?
Schuhbeck: „Da ist mein erster Gedanke, dass ich früher in Lyon oft bei Paul Bocuse essen war. Außerdem habe ich dort vier Jahre lang Deutschland bei Eurotoques (einer internationalen Vereinigung von Spitzenköchen, d. Red.) vertreten. In Lyon trifft sich die ganze Welt der Kochelite und es gibt den Bocuse d’Or zu gewinnen, eine wahnsinnig hohe Auszeichnung für einen Koch. Aber natürlich denke ich bei Lyon auch an die 0:3-Niederlage des FC Bayern 2001, beim Bankett damals habe ich auch schon gekocht.“

fcbayern.de: Wissen Sie noch, was Sie damals gekocht haben?
Schuhbeck: „Nein, aber ich glaube nicht, dass es damals an der Küche gelegen hat. Dann wäre ja nicht nur die Mannschaft, sondern der ganze Bayern-Tross untergegangen, samt Uli Hoeneß - und der war eigentlich gut drauf.“

fcbayern.de: Haben Sie in den nächsten Tagen Zeit, um in Lyon mal ganz privat ins Restaurant zu gehen?
Schuhbeck: „In erster Linie fliege ich nach Lyon, um die Mannschaft zu versorgen. Wenn aber der Vorstand irgendwohin essen geht und mich fragt, ob ich mitkomme, dann sage ich nicht nein. Ansonsten bleibe ich bei der Mannschaft.“

fcbayern.de: Was tischen Sie der Mannschaft vor einem Spiel auf?
Schuhbeck: „Es gibt immer Fisch und Fleisch, jeder kann selbst wählen, was er möchte. Es gibt Huhn in allen Variationen, manchmal machen wir aber auch Rouladen oder Geschnetzeltes. Wir versuchen, die Produkte mit ein bisschen Witz zu verarbeiten, damit die Spieler nicht immer gebratenes Huhn essen müssen.“

fcbayern.de: Kaufen Sie die benötigten Produkte immer vor Ort ein?
Schuhbeck: „Gemüse und Fisch schon, das Fleisch, das ja reifen muss, bringen wir mit. Zwei meiner Köche sind schon seit Montag vor Ort und richten alles her. Man kann ja nicht einfach in eine fremde Küche gehen und sagen, hallo, da sind wir. Das Miteinander mit den dortigen Küchenchefs ist wichtig, nur so kann man gute Leistung bringen.“

fcbayern.de: Lässt man als Küchenchef gerne einen fremden Koch in seine Küche?
Schuhbeck: „Wenn ein Koch einer Gastmannschaft zu mir in München ins Restaurant kommen würde, der könnte nach Belieben schalten und walten. Wir erwarten ja das Gleiche, wenn wir unterwegs sind.“

fcbayern.de: Gibt es Sonderwünsche der Spieler, die Sie beachten müssen?
Schuhbeck: „Bixente Lizarazu wollte immer seine Seezunge haben, Franck Ribérys Fleisch muss koscher und sauber durchgebraten sein - und das machen wir dann natürlich auch so. Da wir jeden Tag an der Säbener Straße kochen, kennen wir die Vorlieben der einzelnen Spieler. Wir machen dann immer zwei Gerichte, Fisch und Fleisch, da ist für jeden was dabei.“

fcbayern.de: Sie gelten als großer Gewürz-Fachmann. Geben Sie den Spielern etwas ins Essen, damit sie besonders auf Trab kommen?
Schuhbeck: „Die Gewürze sollen den Bluttfett- und Blutzuckerspiegel senken. Ich denke da zum Beispiel an Knoblauch, Ingwer oder Zimt. Aber das sollte man nicht nur beim Essen für Fußballprofis beachten, sondern bei jedem Essen, damit man sich danach wohlfühlt.“

fcbayern.de: Bei all ihrer Arbeit in der Küche, haben Sie da am Mittwoch überhaupt Zeit, das Spiel zu sehen?
Schuhbeck: „Wir schauen das Spiel im Stadion an, gehen aber so zehn Minuten vor dem Ende, damit wir der Mannschaft schon etwas anbieten können, wenn sie ins Hotel kommt. Nach den Spielen ist es wichtig, dass die Spieler sehr schnell ihre Kohlenhydrate bekommen. Danach wird erst das Buffet eröffnet, aber das ist nur Nebensache. In erster Linie dreht sich in der Küche alles um die Spieler.“

Das Interview führte: Nikolaus Heindl

Weitere Inhalte