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Philipp Laux:

'Hoffenheims Erfolg ist kein Zufall'

Auf der Bundesliga-Landkarte war Hoffenheim bis vor kurzem ein weißer Fleck. Erst im vergangenen Sommer vollendete der Klub aus dem Kraichgau seinen Durchmarsch von der Regionalliga bis in die oberste deutsche Spielklasse. Dabei gehörte auch einer zum Hoffenheimer Trainerstab, der jetzt in München tätig ist: Philipp Laux, Sportpsychologe im Trainerteam von Jürgen Klinsmann, war vor seiner Tätigkeit beim deutschen Rekordmeister zwei Jahre lang bei der TSG beschäftigt. Für den 38-Jährigen sind die Hoffenheimer somit alles andere als Unbekannte. Vor dem Spiel am Freitag hat fcbayern.de mit Laux über seinen Ex-Klub gesprochen.

Das Interview:

fcbayern.de: Philipp, zwei Jahre warst Du in Hoffenheim tätig, am Freitag kommt es zum Wiedersehen. Glühen bei Dir jetzt die Telefondrähte?
Laux: „Ich hatte nur eine Nachfrage von Hoffenheims Teammanager Dirk Rittmüller, wo der Hoffenheimer Betreuerstab, der ähnlich groß ist wie unserer, in der Allianz Arena sitzen kann. Mehr war bis jetzt nicht.“

fcbayern.de: Hast Du überhaupt noch Kontakt nach Hoffenheim?
Laux: „Relativ wenig. Ich hatte dort zwei sehr schöne und erfolgreiche Jahre, aber es ist nicht so, dass man noch regelmäßig telefoniert.“

fcbayern.de: Du kennst die Hoffenheimer und ihren Trainer Ralf Rangnick aus diesen zwei Jahren sehr gut. Erklär uns doch mal das Erfolgsmodell der TSG.
Laux: „Das ist in zwei Sätzen sehr schwierig, aber man kann klar sagen: Der Erfolg kommt in Hoffenheim nicht von ungefähr. Die Rahmenbedingungen dort waren bereits erstligareif, als Ralf Rangnick vor gut zwei Jahren in der Regionalliga anfing. Er hat eine Mannschaft vorgefunden, die schon damals qualitativ gut war und durch gutes Scouting bis heute weiter optimiert wurde. Was die Trainingsbedingungen, also Plätze und Räumlichkeiten, angeht, konnte den Hoffenheimern schon zu Regionalligazeiten kaum ein Bundesligist das Wasser reichen. Zudem vertraut Rangnick auf ein Trainerteam, in dem jeder seine Kompetenzen voll einbringen kann. Hoffenheims Erfolg ist also kein Zufall.“

fcbayern.de: Hoffenheim hat als einer der ersten deutschen Klubs auch die Sportpsychologie fest mit in die Trainingsarbeit eingebunden. Welchen Anteil hat dies am Erfolg der Hoffenheimer?
Laux: „Das ist schwer in Prozenten auszudrücken. Die Sportpsychologie ist aber auf jeden Fall ein weiterer Mosaikstein, um ein paar Prozent mehr aus den Spielern herauszukitzeln. Der Kopf muss mitspielen, um optimale Leistung abrufen zu können.“

fcbayern.de: Kann man Hoffenheim als Wegbereiter der Sportpsychologie im deutschen Fußball bezeichnen?
Laux: „Nein, der Wegbereiter war Jürgen Klinsmann damals bei der deutschen Nationalmannschaft. Davor waren zwar auch schon Sportpsychologen in den Vereinen tätig, aber immer nur dann, wenn es gebrannt hat, wenn man in Abstiegsgefahr war. Jürgen hat die Sportpsychologie erstmals als normalen Baustein zur Leistungsoptimierung gesehen, neben der technisch-taktischen Ausbildung und der Fitnessarbeit.“

fcbayern.de: Hoffenheims Torjäger Vedad Ibisevic hat erzählt, dass ihm die Sportpsychologie in seiner jüngsten Entwicklung sehr geholfen habe.
Laux: „Das kann ich mir gut vorstellen. In der zweiten Liga war Vedad kein Stammspieler, kam nur sporadisch zum Einsatz - und jetzt ist er der mit Abstand erfolgreichste Torjäger der Bundesliga. Zusätzlich zu seiner körperlichen, technischen und taktischen Ausbildung scheint ihm sein Kopf in schwierigen Situationen nicht im Weg zu stehen, sondern zu unterstützen.“

fcbayern.de: Was sagst Du als Psychologe zum Lauf der Hoffenheimer?
Laux: „Dieser Lauf ist zum Teil schon psychologisch erklärbar. Zum einen sind die Spieler mental gut auf Situationen im Spiel vorbereitet, das heißt, sie sind sich ihrer Stärke bewusst. Zum anderen wissen sie, diese Stärken in Drucksituationen optimal einzusetzen. Diese beiden Komponenten führen zu Selbstbewusstsein und somit zu einer hohen Erfolgswahrscheinlichkeit.“

fcbayern.de: Ein Spiel wird im Kopf entschieden, sagt man. Trifft dies am Freitag ganz besonders zu?
Laux: „Der mentale Bereich hat eine mitentscheidende Rolle, nicht nur am Freitag, sondern in jedem Spiel. Aber auch die anderen Komponenten müssen stimmen: Dass man die Zweikämpfe annimmt, dass sich alle elf Spieler als Mannschaft präsentieren, dass der eine für den anderen auch in schwierigen Situationen da ist.“

fcbayern.de: Wie sieht Deine Arbeit vor dem Spiel am Freitag aus?
Laux: „Für mich geht es darum, die Mannschaft mental darauf vorzubereiten, was sie am Freitag erwartet. Ich bin aber nicht derjenige, der die Mannschaft vor dem Spiel motiviert, das ist der Bereich von Jürgen Klinsmann. Ich fokussiere nicht so sehr auf ein spezielles Spiel, meine Arbeit erstreckt sich kontinuierlich auf die ganze Saison und behandelt Fragen wie zum Beispiel: Wie gehe ich mit Stress um? Wie mit Erfolg oder Misserfolg? Wie halte ich meine Konzentration hoch?“

fcbayern.de: Bezieht Dich Jürgen Klinsmann gerade vor diesem Spiel dennoch intensiver in die Spielvorbereitung ein?
Laux: „Über die entscheidenden Hoffenheimer Spieler haben wir kurz gesprochen. Die Analyse des Gegners bereiten aber Jürgens Co-Trainer mit unserer Scouting-Abteilung immer perfekt vor, sie wissen ganz genau, wo die Stärken und vor allem auch die Schwachstellen Hoffenheims liegen.“

fcbayern.de: Zum Abschluss: Wie geht das Spitzenspiel aus?
Laux: „Wir gewinnen.“

Das Interview führte: Nikolaus Heindl