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6 Monate Klinsmann

'Jürgens Verdienste sind unverkennbar'

Weihnachten verbringt Jürgen Klinsmann mit seiner Familie in Kalifornien, in Gedanken ist er aber weiter beim FC Bayern. „Ich bleibe telefonisch ständig in Kontakt mit Karl-Heinz Rummenigge“, sagte der Cheftrainer, der es „schade“ findet, „dass jetzt die Winterpause kommt.“ Denn Klinsmann hatte gerade angefangen, erste Früchte seiner Arbeit beim Rekordmeister zu ernten.

„Jürgen hat den Verein aufgemischt“, sagte Franz Beckenbauer zu den ersten sechs Monaten Amtszeit des Wahl-Kaliforniers, der im Sommer mit vielen Ideen und Konzepten beim FC Bayern seinen Dienst angetreten hat. Leistungszentrum, Acht-Stunden-Tag, Trainingsmethoden, Spielphilosophie und vieles mehr - „wir haben viele Dinge geändert“, sagte Klinsmann im Rückblick, „das war natürlich auch für die Spieler nicht einfach.“

Klinsmann findet die Balance

Nach einem halben Jahr stellte Beckenbauer jetzt zufrieden fest: „Jürgens Handschrift fruchtet.“ Nach einem „holprigen Start“ (Klinsmann) überwintert die Mannschaft mit einer Serie von 16 Pflichtspielen ohne Niederlage, ist in der Bundesliga punktgleich mit Spitzenreiter Hoffenheim und in der Champions-League-Vorrunde war der FCB die beste aller 32 gestarteten Mannschaften.

„Wir sind hochzufrieden. Jürgen macht einen guten Job, seine Verdienste sind unverkennbar“, stellte Rummenigge dem Cheftrainer ein sehr gutes Zwischenzeugnis aus. Klinsmann sei es geglückt, „eine Balance“ zu finden zwischen den traditionellen Werten des Vereins und modernem Fußball. „Dieser Spagat ist Jürgen sehr gut gelungen.“

Überzeugungsarbeit braucht Zeit

Auch Klinsmann selbst ist zufrieden. „Wir sind genau da, wo wir sein wollten“, meinte der 44-Jährige und blickte auf ein „sehr emotionales und lebendiges Halbjahr“ zurück. „Es war ein spannender Prozess, der viel Spaß gemacht hat. Ich hatte nie Zweifel, dass es richtig war, zu den Bayern zu gehen.“

Dabei hatte der neue Chefcoach zu Beginn mit einigen Problemen zu kämpfen. Leistungsträger waren zum Teil lange verletzt, die EM-Teilnehmer starteten verspätet in die Vorbereitung und natürlich musste Klinsmann auch erst die Spieler von seinen neuen Ansätzen überzeugen. „Es funktioniert, wenn die Jungs merken: Der Jürgen ist nicht hier, um sein Ding zu machen. Er ist hier, um uns weiterzubringen, damit wir mit den Besten mithalten können und noch einen Tick besser werden. Dieser Prozess schafft Überzeugung, aber er braucht seine Zeit.“

Auch der Trainer lernt

Einen Lernprozess hat aber auch Klinsmann mit seinem Trainerteam durchlaufen. So wurden Änderungen, die sich im Laufe der Hinrunde als kontraproduktiv erwiesen, wieder zurückgenommen. Beispielsweise verbringt die Mannschaft die Nacht vor Heimspielen jetzt wieder im Hotel und nicht, wie von Klinsmann zunächst eingeführt, zu Hause. „Wenn man merkt, dass es der Mannschaft gut tut, das eine oder andere zu drosseln oder zu ändern - dann muss das ein Trainer tun“, sagte er.

Fingerspitzengefühl und akribische Arbeit haben schließlich zu ersten Erfolgen geführt. „Die Mannschaft ist topfit“, stellte Rummenigge fest - eine Folge des intensiven Trainings, erklärte Klinsmann. „Viele Spiele wurden in der zweiten Halbzeit oder kurz vor Schluss entschieden. Das sind die Grundlagen, die wir brauchen, um europäisch mitreden zu wollen.“

Schnell, offensiv und dominant

Nicht nur in punkto Fitness zahlt sich das neue Leistungszentrum aus. Dank des hochprofessionellen Umfelds können sich die Spieler nun auch noch mehr auf ihre Arbeit konzentrieren. „Sie können jetzt mehr Energie in ihre Arbeit legen. Man sieht echte Fortschritte“, sagte Klinsmann. Rummenigge meinte: „Unsere Spieler haben sich individuell verbessert. Philipp Lahm, Bastian Schweinstiger, Franck Ribéry - alle haben sich gesteigert.“

Verbesserte Einzelspieler führen zu einer verbesserten Mannschaft, so lautete die Rechnung, die Klinsmann zu Saisonbeginn aufmachte - je länger die Hinrunde dauerte, desto besser ging diese Rechnung auf. „Wir hatten als Zielsetzung vorgegeben: Wir wollen einen schnelleren Fußball spielen, einen nach vorne orientierten Fußball, einen dominanteren Fußball. Das ist langsam umgesetzt worden“, meinte der Trainer.

Mit breiter Brust in die Rückrunde

Doch Klinsmanns Arbeit hat erst begonnen. Wenn die Mannschaft am 2. Januar aus dem Weihnachtsurlaub zurückkehrt, wird da weitergemacht, wo im alten Jahr aufgehört wurde. Klinsmann freut sich auf sein zweites Bayern-Halbjahr: „Wir haben jetzt ein Fundament errichtet, das es uns erlaubt, mit breiter Brust ins neue Jahr zu gehen. Wir müssen uns vor keiner Mannschaft in Europa mehr verstecken.“

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