präsentiert von
Menü
Klinsmann-Interview, Teil II

'Beim FCB heißt es: entweder - oder'

Im zweiten Teil des großen Interviews mit fcbayern.de spricht Jürgen Klinsmann im Detail über sein erstes Halbjahr als Trainer des FC Bayern. Warum hat er Kapitän Mark van Bommel zwischenzeitlich auf die Bank gesetzt? Wie ist sein Verhältnis zu Uli Hoeneß? Und was sagt er zur Situation von Lukas Podolski? Der Cheftrainer des deutschen Rekordmeisters stand ausführlich Rede und Antwort.

Das Interview mit Jürgen Klinsmann, Teil II:

fcbayern.de: Jürgen, als Trainer des FC Bayern steht man in der Öffentlichkeit unter ganz besonderer Beobachtung. Sind Sie mit Ihren neuen Methoden auf viel Skepsis gestoßen?
Klinsmann: „Ich habe mit vielen Vorurteilen belastet meine Arbeit hier aufgenommen, weil keiner so recht wusste, was da jetzt kommt. Meine Arbeit bei der deutschen Nationalmannschaft war eine ganz andere als jetzt beim FC Bayern, trotzdem wurden Vergleich gezogen und es wurde gesagt: Der Klinsmann macht das jetzt ganz genauso. Aber das stimmt ja gar nicht. Ich habe mir irgendwann gesagt, warum soll ich mich immer wieder rechtfertigen? Die Leute werden schon sehen, wie ich wirklich bin.“

fcbayern.de: Sie haben Mark van Bommel zum Kapitän gemacht und ihn dann zwischenzeitlich auf die Bank gesetzt. Das hat hohe Wellen in der Öffentlichkeit geschlagen.
Klinsmann: „Wenn so eine schwierige Entscheidung bevorsteht, mache ich mir keinen Kopf, wie das dann in der Öffentlichkeit rüberkommt. Mir geht es darum: Wo will ich hin mit dieser Maßnahme? Mark wurde Kapitän und vollkommen richtig mit viel Vertrauen von uns ausgestattet, weil er derjenige ist, der den Laden zusammenhält und am kommunikativsten ist. Aber: Er steht natürlich auch ständig unter sportlicher Beobachtung. Vielleicht gab es eine Phase, in der er dachte, er sei ohnehin gesetzt, oder er hat vielleicht auch nicht realisiert, dass seine Leistungen nicht die besten waren - wie dem auch sei: Ich wollte gegenüber den anderen Spielern ein Zeichen setzen, dass auch der Kapitän unter diesen sportlichen Komponenten beurteilt wird. Natürlich wusste ich, dass diese Entscheidung diskutiert wird. Aber ich war mir sicher: Wenn er so gestrickt ist, wie ich ihn eingeschätzt habe, dann wird er die richtige Reaktion zeigen. Und genau das hat er auch gemacht. Er hat im Training richtig Feuer gegeben und dadurch auch Stabilität im Spiel entwickelt. Hinzu kam, dass auch bei ihm die Fitness-Komponente immer mehr griff. Seitdem hat er eine sehr starke Hinrunde gespielt.“

fcbayern.de: Sie haben immer wieder betont, dass sich die Spieler erst an all die Neuerungen gewöhnen mussten. Inwieweit haben Sie selbst einen Anpassungsprozess durchgemacht?
Klinsmann: „Wenn man mit bestimmten Vorstellungen in einen neues Umfeld kommt, muss man permanent offen sein, im Wohle des Klubs und der Mannschaft auch mal von seiner Linie abzugehen. Ich habe immer wieder überlegt: Wo gehe ich vielleicht einen Schritt zu weit, wo muss ich vielleicht einlenken und Kompromisse eingehen. Wir haben immer wieder versucht, Dinge zu optimieren. Ein Trainer muss ständig veränderungsfähig sein. Und ich glaube, nach zwei, drei Monaten hat jeder gemerkt, dass ich veränderungsfähig bin, genauso wie ich von allen Offenheit für Neurungen erwarte.“

fcbayern.de: War es spannend für Sie, diesen Prozess innerhalb der Mannschaft und des Klubs mitzuverfolgen?
Klinsmann: „Das Spannende an den letzten sechs Monaten war, wie alle gemerkt haben: Mir geht es nur um diesen Verein, dass sich die Mannschaft weiterentwickelt und Erfolg hat. Deswegen habe ich die Ehre, Trainer des FC Bayern sein zu dürfen. Das lebe ich jeden Tag auch vor. Genauso erwarte ich aber auch von meinem Trainerstab und den Leuten, die mit der Mannschaft arbeiten, das Maximum - damit ich letztendlich zum Spieler gehen und ihm sagen kann: Schau, das alles haben wir für Dich getan, jetzt wird es Zeit, dass Du zulegst.“

Weitere Inhalte