präsentiert von
Menü
Zé Robertos Traum

Der ’alte Mann’ und die Champions League

Mit einem freundlichen „Servus“ in die Runde nahm Zé Roberto am Tisch mit den vielen Mikrofonen Platz. Erwartungsfroh schaute er sich im provisorischen Presseraum des Mannschaftshotels um und sagte schließlich: „Wir können anfangen.“ Fast 20 Minuten lang referierte der Brasilianer anschließend in feinstem Deutsch und baute sogar den einen oder anderen lockeren Spruch mit ein. Es wurde eines der launigsten Pressegespräche, die Zé Roberto jemals als Bayern-Profi abgehalten hat.

„Ich bin schon ein alter Mann. Mit 34 ist so eine harte Vorbereitung nicht mehr so einfach“, sagte er augenzwinkernd, um dann gleich anzuschließen: „Aber ich habe keine Probleme. Und wenn wir so weiter trainieren, werde ich bestimmt die gleiche Form bekommen, wie in der Hinrunde.“

Alle Freiheiten

In dieser gehörte der Zé ohne Zweifel zu den besten im Team des Rekordmeisters. „Aus meiner Sicht ist das meine beste Saison, seitdem ich beim FC Bayern bin.“ Jewels zwei Tore schoss er in der Bundesliga und in der Champions League, eines zum wichtigen Ausgleichstreffer gegen Olympique Lyon - mit dem Kopf. Warum er gerade jetzt so gut ist? „Bei Ottmar Hitzfeld habe ich mehr defensiv gespielt, bei Klinsmann bin ich offensiver und habe alle Freiheiten. Das macht mir Spaß.“

Spaß hat der älteste Spieler im Bayern-Kader auch immer noch bei der täglichen Arbeit im Training, gerade hier in Dubai. „Leider bleiben wir nur zehn Tage hier“, sagte er ganz zum Erstaunen der Zuhörer, „ich würde lieber länger hier in Dubai trainieren als in München bei minus zehn Grad.“ Brasilianer sind bekanntlich keine Freunde kalter Wintertage. „ Aber ich spiele schon so lange in Deutschland, da habe ich nicht mehr so viele Probleme mit dem Wetter“, versicherte Zé.

Ein weiterer Winter in Deutschland dürfte jedenfalls nicht der entscheiden Faktor bei seinen anstehenden Vertragsgesprächen mit dem FC Bayern sein. Bis zum Ende der Saison ist Zé noch an den Rekordmeister gebunden, doch nach Wunsch der Bayern-Verantwortlichen soll er noch ein Jahr in München dranhängen. „Wir machen uns da gar nicht verrückt, das können wir auch Ende März oder Anfang April noch lösen. Wenn er vorher schon Gespräche mit uns führen will, werden wir diesen sicherlich nicht aus dem Weg gehen, sondern freudig aufnehmen“, sieht Manager Uli Hoeneß derzeit keinen Entscheidungsdruck.

Noch unentschlossen

Auch Zé möchte sich seinen Entschluss gut überlegen. „Der Verein will verlängern, aber ich weiß es noch nicht.“ Demnächst werde sein Berater nach München kommen, um Gespräche mit dem Vorstand zu führen. Im Weihnachtsurlaub habe er nicht über seine Zukunft nachgedacht, sondern jeden Moment mit seiner Familie in Brasilien verbracht. „Mein Vater ist im August gestorben, es war das erste Weihnachten ohne ihn, das war nicht so einfach.“ Es war das einzige Mal bei dieser Pressekonferenz, dass Zé so richtig nachdenklich wurde.

Spätestens bei der Frage, was in dieser Saison für den FC Bayern möglich ist, begannen seine Augen wieder zu leuchten. „Die Perspektiven sind groß, wir sind auf einem guten Weg“, sagte Zé, der gemeinsam mit Franck Ribéry und Philipp Lahm die wohl stärkste linke Seite im europäischen Fußball bildet. „Ribéry hat ein sehr hohes Potenzial, ich habe auch ein bisschen (lächelt). Aber es ist nicht nur unsere linke Seite stark, die ganze Mannschaft ist es.“ Alles sei in dieser Saison möglich, ist Zé Roberto überzeugt. Alles? „Die Champions League ist mein Traum, ich möchte den Titel holen.“

Für fcbayern.de in Dubai: Dirk Hauser

Weitere Inhalte