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Timos Tagebuch, Kapitel 2

Der Gerd und die Inder

Out of Rosenheim - was in den 80er Jahren der Titel eines Kinofilms war, steht auch über dem Leben von Timo Heinze. Der 22 Jahre alte Rechtsverteidiger aus Rosenheim spielt bereits seine elfte Saison im FCB-Trikot. Mit der zweiten Mannschaft ist er vom 15. bis 23. Januar unterwegs in Indien, gut 7.000 Kilometer entfernt von München, und Rosenheim natürlich. Seine Erlebnisse schildert er exklusiv in einem Tagebuch auf fcbayern.de.

Timos Tagebuch, Kapitel 2

Und plötzlich steht er da.
Er ist es leibhaftig. Zwar inzwischen ein wenig ergraut und mit Brille versehen. Aber immer noch unverkennbar. Steht hier mitten auf dem Platz in Kalkutta in einem einfachen Trainingsanzug seines FC Bayern München. Winkt immerzu freundlich in die Menge, gibt ein Autogramm hier, posiert für ein Foto da. Der beste deutsche Stürmer aller Zeiten, der Mann der Rekorde, eine lebende Fußballlegende. Gerd Müller.

Er wird hier umringt von zahlreichen Einheimischen, die ihn frenetisch feiern und bedrängen wie einen Popstar. Wo immer er auftaucht, huscht den Leuten ein Lächeln über das Gesicht oder es brandet spontaner Jubel auf.

Für uns ist das Ganze ein wenig fremd. Gerade die Jüngeren unter uns schauen doch gelegentlich etwas irritiert ob dieser extremen Huldigung. Denn für uns ist er eben einfach nur der „Gerd“ oder wahlweise auch der „Bomber“. Unser Co-Trainer eben. Immer höflich, zuvorkommend und für einen kurzen Plausch zu haben. Aber auch stets bescheiden und mit beiden Beinen im Leben stehend. Ihn umgibt eher die Aura eines Mannes aus dem Volke als die einer globalen Berühmtheit.

Klar wird dem Gerd zuhause in Deutschland auch ständig große Aufmerksamkeit zuteil und er muss auch dort Autogramme wie am Fließband schreiben. Aber diese Euphorie und schier grenzenlose Begeisterung hier um seine Person ist schon bemerkenswert. Gerade in Indien, was ja eigentlich doch eher ein Fußballentwicklungsland ist.

Auf jeden Fall ist es unglaublich schön zu sehen, wie sehr sich die Leute über seinen Aufenthalt hier freuen. Man könnte fast sagen, Kalkutta platzt vor Stolz.

Aber es soll jetzt nicht der Eindruck entstehen, dass wir Spieler selbst nicht auch mal im Mittelpunkt stehen würden. Heute zum Beispiel fand unser erstes von drei Testspielen statt und die Menge konzentrierte sich für 70 Minuten voll auf uns. Warum der Schiedsrichter eben nur diese kurze Spielzeit wählte und nicht die vollen 90 Minuten leiten wollte, weiß nur er. Bei uns Spielern und der gesamten FCB-Delegation herrschte darüber große Verwunderung.

Wie auch immer, das Spiel endete 1:0 für uns. Der Spielort lag am Rande von Kalkutta, unser Gegner war der indische Erstligist East Bengal. Besonders erfreulich war dabei das Comeback von Stefan Schürf nach eineinhalb-jähriger Leidenszeit. Die schwüle Witterung und die etwas holprigen Platzverhältnisse machten uns jedoch ein wenig zu schaffen. Außerdem war die indische Truppe ein nicht einfach zu spielender Gegner. Am Ende stand dann aber ein verdienter Sieg und wir konnten zufrieden die Heimreise ins Hotel antreten. Gemeinsam mit einem Mann an Bord, um den uns wohl die ganze Stadt beneidet.

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