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Für immer Säbener Straße

Lell möchte beim FCB 'alt werden'

Mehr FC Bayern als Christian Lell kann man gar nicht sein. Nur wenige hundert Meter vom FCB-Trainingsgelände entfernt steht das Elternhaus des Rechtsverteidigers, als Neunjähriger kam er zum deutschen Rekordmeister, durchlief das junior team, spielte bei den Amateuren und steht jetzt im Profi-Kader. Mit fcbayern.de sprach der 24-Jährige über seine aktuelle Situation beim FCB.

Das Interview mit Christian Lell:

fcbayern.de: Christian, das Trainingslager ist vorüber. Bist Du froh, dass Ihr es geschafft habt?
Christian Lell: „Was heißt froh? Man weiß ja, was in so einem Trainingslager auf einen zukommt, und man stellt sich darauf ein, dass viel gearbeitet wird. Aber natürlich ist man erleichtert, wenn man die ganz harten Konditionseinheiten hinter sich hat und der Ball mehr ins Spiel kommt.“

fcbayern.de: Wenn man sich bei den Fitnesstrainern über Dich erkundigt, scheinst Du mit dem Konditionsbolzen aber keine großen Probleme zu haben.
Lell: „Das ist richtig. Ich bin physisch gut gesegnet und muss in den läuferischen Teilen und den ganzen Ausdauereinheiten nicht so sehr mit mir kämpfen.“

fcbayern.de: Wie beurteilst Du ganz persönlich die Hinrunde?
Lell: „Klar, als Fußballer will man immer spielen. Und man macht sich auch so seine Gedanken, wenn der Verein mit Massimo Oddo einen neuen Mann für deine Position verpflichtet. Aber ich habe meine Einsätze gehabt, habe auch ganz ordentlich gespielt. Wichtig ist aber, dass wir mit der Mannschaft wieder oben stehen, das ist auch für mich persönlich das Wichtigste.“

fcbayern.de: Und was hast Du Dir für die Rückrunde vorgenommen?
Lell: „Für die Rückrunde gilt das Gleiche: Ich will so oft wie möglich spielen, aber ich will auch, dass wir als Mannschaft Erfolg haben, dass wir Titel holen und als Team weiter wachsen. Letzteres ist uns in der Hinrunde sehr gut gelungen. Wir haben eine super Stimmung, eine gute Harmonie, auch hier im Trainingslager. Das kann man nicht trainieren, das wächst einfach.“

fcbayern.de: Dein Hauptkonkurrent für die Position hinten rechts ist Massimo Oddo. Wie geht Ihr im alltäglichen Leben miteinander um?
Lell: „Das ist ein ganz normaler, gesunder Konkurrenzkampf. Man respektiert sich, redet ganz normal miteinander. Wir sind alle erwachsen genug und wissen, dass solche Konstellationen im Fußball einfach dazugehören.“

fcbayern.de: Massimo ist die ersten drei Bundesligaspiele in der Rückrunde gesperrt und der Trainer hat schon gesagt, dass Du wahrscheinlich in dieser Zeit die Position als Rechtsverteidiger sicher hast.
Lell: „Das macht für mich jetzt keinen Unterschied, denn ich trainiere immer so, dass ich dem Trainer die Entscheidung so schwer wie möglich mache. Selbst wenn ich die drei Spiele mache, ist es ja nicht garantiert, dass ich danach auch noch spiele. Ich werde versuchen, meine Sache so gut wie möglich zu machen, und dann schauen wir, wie es weitergeht.“

fcbayern.de: Bist Du mit Deinen bisherigen Karriereverlauf zufrieden?
Lell: „Ich bin eigentlich immer unzufrieden, egal ob beruflich oder in anderen Lebenssituationen. Ich versuche immer, nach mehr zu streben. Das ist einerseits gut, anderseits fehlt einem dann manchmal die nötige Ruhe, abzuschalten und zu genießen. Deswegen lautet meine Antwort: Jein.“

fcbayern.de: Du bist in der Säbener Straße aufgewachsen und bist jetzt Profi beim FC Bayern - kann man da unzufrieden sein?
Lell: „Nein, aber ich möchte auch nicht sagen, dass ich zufrieden bin, weil das so nach Zurücklehnen klingt. Sicherlich habe ich mir damit einen kleinen Traum verwirklicht. Der FC Bayern ist mein Heimatklub, das ist der Klub, bei dem ich alt werden möchte. Es macht im Moment Spaß, wie es ist, und ich will, dass es so weiterläuft. Aber ich möchte mich natürlich immer weiter verbessern.“

fcbayern.de: Weiter verbessern, heißt das, eines Tages Stammspieler hier zu sein?
Lell: „Was heißt schon Stammspieler? Auch ein Michael Ballack oder ein Deco machen bei Chelsea nicht jedes Spiel, weil der Kader so breit aufgestellt ist. Aber natürlich möchte ich konstant auf einem hohen Level spielen und dem FC Bayern helfen. Wenn man den Namen Lell hört, sollte man damit verbinden: Auf ihn ist Verlass.“

fcbayern.de: Kannst Du Dir überhaupt vorstellen, irgendwann einmal nicht mehr das Bayern-Trikot zu tragen?
Lell: „Ich kann es mir kaum vorstellen. Ich habe mein Leben lang das Vereinsgelände des FC Bayern vor Augen gehabt und habe mir immer gewünscht, hier zu spielen. Und jetzt habe ich das geschafft, darauf bin ich ein bisschen stolz.“

fcbayern.de: Würdest Du umdenken, wenn Du plötzlich kaum noch Einsätze hättest?
Lell: „Ehrlich gesagt, habe ich mir diese Frage bisher noch nie gestellt. Ich weiß, welche Rolle ich im Verein habe und welche Wertschätzung ich genieße.“

fcbayern.de: Ein Mal warst Du ja schon weg, hast zwei „Lehrjahre“ beim 1. FC Köln hinter Dir. Wie war die Zeit für Dich?
Lell: „Wenn man aus der eigenen Jugend kommt, ist es immer schwerer als für den, der von einem anderen Verein dazugekauft wird – gerade beim FC Bayern. Deswegen war in meinem Fall die Ausleihe zum 1. FC sinnvoll gewesen. Köln und München sind ein Unterschied wie Tag und Nacht. Ich war 19, als ich diesen Schritt gemacht habe. Ich was das erste Mal weg von zu Hause, war rausgerissen aus meinem gewohnten Umfeld. Jahrelang bin ich mit dem Rad zum Training gefahren, dann plötzlich mit dem Auto von Müngersdorf zum Geißbockheim. Es war eine schöne Zeit, die mich sehr geprägt hat und die ich gar nicht missen will. Wir sind aufgestiegen mit Köln, das war ein super tolles Erlebnis mit den tollen Fans, die der FC hat.“

fcbayern.de: Du hast damals schon mit Lukas Podolski zusammengespielt. Kannst Du nachvollziehen, dass er sich mit dem Gedanken beschäftigt, nach Köln zurückzukehren?
Lell: „Das ist seine Heimatstadt, sein Heimatklub, in dem er groß geworden ist. Da ist immer eine besondere Bindung da. Von daher kann ich seine Gedanken total verstehen.“

fcbayern.de: Du hast Dir den Traum verwirklicht, Profi beim FC Bayern zu werden. Du hast aber auch schon den Alptraum durchgemacht, wenn das Privatleben in der Boulevardpresse völlig umgekrempelt wird. Welche Erfahrung war das für Dich?
Lell: „Es war eine Erfahrung, die mich sehr geprägt hat. Ich habe plötzlich gemerkt, dass ich total ausgeliefert war, ohne die Chance, die Wahrheit ans Licht bringen zu können. Ich konnte mich nicht dagegen wehren, das hat mich sehr getroffen. Es war eine sehr schwere Zeit für mich, obwohl ich beim FC Bayern kontinuierlich gespielt habe. Letztendlich war es aber so, dass ich die Wut aus dieser Geschichte in gute Leistungen umsetzen konnte und mich nicht habe runterziehen lassen.“

fcbayern.de: Hast Du das Gefühl, dass dir diese Geschichten zumindest kurzfristig ein schlechtes Image gegeben haben?
Lell: „Ich fand es schade, dass die Leute mit mir solche Sachen assoziiert haben, weil ich eigentlich ein ganz anderer Typ bin. Und es war auch schwierig, wenn du ins Stadion einläufst und die Leute dir etwas zugrölen, was sie in den Zeitungen gelesen haben. Ich hasse Ungerechtigkeit, aber da kann man fast nichts machen, außer sich auf gute Freunde zu verlassen.“

fcbayern.de: Lass uns wieder über Fußball reden.
Lell: „Ja, sehr gerne!“

fcbayern.de: Welcher Trainer in Deiner bisherigen Karriere hat dich am meister geprägt?
Lell: „Das waren so viele. Ich hatte während meiner Zeit in Köln Uwe Rapolder, Huub Stevens und Hanspeter Latour. Und beim FC Bayern Felix Magath, Ottmar Hitzfeld und Jürgen Klinsmann. Und nicht zu vergessen: Hermann Gerland bei den Amateuren. Spontan kann ich das gar nicht so beantworten, wahrscheinlich hat jeder dazu beigetragen, dass ich jetzt da bin, wo ich bin. Aber ganz weit vorne ist sicherlich Hermann Gerland. Wenn der mich nicht immer wieder auf seiner ganz eigenen Art und Weise angeschoben hätte, hätte ich mich vielleicht nicht so entwickelt, wie ich es getan habe.“

fcbayern.de: Alle reden in dieser Saison von der Champions League. Kann es sein, dass Ihr Euch da besonders viel vorgenommen habt?
Lell: „Wenn Du als Fußballer beim Einlaufen diese Hymne hörst, weißt Du, was es heißt, auf diesem Niveau zu spielen. In der Champions League spielen zu können, ist ein Privileg und jeder der da dabei ist, möchte natürlich so weit wie möglich kommen - und vielleicht irgendwann auch einmal den Titel holen.“

fcbayern.de: Das Hauptziel bleibt aber die Meisterschaft, oder?
Lell: „Klar. Wenn wir uns voll und ganz auf uns konzentrieren, haben wir in unserer Mannschaft genug Qualität, den Titel zu verteidigen. Wir gehören da oben hin. Und ich hoffe, dass ich dazu so oft wie möglich meinen Beitrag leisten kann.“

Das Interview führte: Dirk Hauser

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