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Timos Tagebuch, Kapitel 5

Noch ein Sieg und letzte Erkenntnisse

Out of Rosenheim - was in den 80er Jahren der Titel eines Kinofilms war, steht auch über dem Leben von Timo Heinze. Der 22 Jahre alte Rechtsverteidiger aus Rosenheim spielt bereits seine elfte Saison im FCB-Trikot. Mit der zweiten Mannschaft ist er vom 15. bis 23. Januar unterwegs in Indien, gut 7.000 Kilometer entfernt von München, und Rosenheim natürlich. Seine Erlebnisse schildert er exklusiv in einem Tagebuch auf fcbayern.de.

Timos Tagebuch, Kapitel 5

So langsam neigt sich unsere Reise dem Ende entgegen. Wir haben die hektische Millionenmetropole Kalkutta hinter uns gelassen. Dort sind all die unzähligen Menschen schon gar nicht mehr offiziell erfasst, man geht aber von einer gigantischen Bevölkerungszahl von mehr als 20 Millionen aus. Seit gestern befinden wir uns in Siliguri. Und auch wenn hier auf den Straßen ebenfalls sehr reges Treiben herrscht, so ist das Leben doch um einiges übersichtlicher. Kein Wunder, ist die Stadt mit ihren etwa 550.000 Einwohnern doch bedeutend kleiner.

Auch das Klima hat sich für uns geändert, es ist ein paar Grad kühler und nicht mehr ganz so schwül. Besonders beim Sport treiben also wesentlich angenehmer. Siliguri liegt nur wenige Kilometer vom Himalaya entfernt. Aber leider gerade so weit, dass wir von den mächtigen Gebirgsketten nichts erkennen können. Selbst zum Mount Everest wären es nur gute 200 Kilometer mit dem Auto.
Aber wir sind ja auch nicht zum Bergsteigen hier, sondern zum Fußball spielen.

So fand gestern unser letztes Testspiel in Indien statt. Gegen den ortsansässigen Verein mit dem klangvollen Namen Lord Mayers XI gab es für uns einen deutlichen 6:0-Sieg zu feiern. Vor einer imposanten Kulisse mit rund 25.000 begeisterten Zuschauern hätte das Ergebnis aufgrund zahlreicher Großchancen auch um einiges höher ausfallen können, wenn nicht sogar müssen. Der Kontrahent war zwar sehr bemüht, aber fußballerisch doch recht limitiert.

Heute stand dann noch ein letzter Ausflug an. Wir waren auf eine Teeplantage eingeladen. Der freundliche Besitzer dieses Privatunternehmens empfing uns zu einem kleinen Snack und wir erhielten einen kleinen Umriss von der sehr arbeitsintensiven Teeproduktion. Sozusagen wie aus den einzelnen handgepflückten Blättern letztendlich der genießbare Tee wird. Da im Januar aufgrund der Witterung die Produktion brach liegt, beschränkte sich das Ganze auf einen kurzen Vortrag ohne praktische Veranschaulichung.

Aber auch so war das schon eine sehr interessante Geschichte, allein wenn man sich mal die Dimension dieses Unternehmens vor Augen führt. Jährlich werden alleine dort 2.000 Tonnen Tee produziert! Bei dem besagten Mann stehen über 5.000 Leute in Lohn und Brot, was zusammen mit den weiteren Familienangehörigen der Arbeiter eine richtige Kleinstadt ergibt, die sich dort gebildet hat.

Im Laufe des heutigen Tages fliegen wir nach Delhi, wo wir noch eine Nacht im Hotel verbringen werden, bevor es dann morgen früh von dort Richtung Heimat geht. Und so langsam freut sich natürlich auch jeder der Jungs auf Zuhause, die Liebsten daheim und die vertraute Umgebung. Die Reise an sich war aber sicherlich ein voller Erfolg. Vor allem weil wir zwar auch fleißig trainiert und gespielt haben, aber insbesondere einiges von diesem spannenden Land sehen durften. So wird jeder morgen seine ganz persönlichen und unvergesslichen Erfahrungen mit an Bord nehmen.

Und zwar nicht nur, dass der Inder jedes Essen für mild hält, das uns fast die Zunge wegbrennt. Betrachtet man nämlich die unzähligen Menschen am Straßenrand mit ihren zerlumpten Klamotten, ihren heruntergekommenen Wohnräumen und dem wenigen Hab und Gut, so wird eines klar: Diesen Menschen wird es wahrscheinlich von Haus aus nicht vergönnt sein, jemals dieser Umgebung mit all der Armut zu entkommen. Dennoch sieht man viele von ihnen zufrieden und lächelnd durch die Gegend spazieren.

So gesehen könnten wir uns von ihnen eine Scheibe abschneiden und nicht immer nur hadern und uns über Kleinigkeiten beschweren. Wir sollten uns vielmehr einfach wahnsinnig glücklich schätzen, in ein Umfeld hineingeboren zu sein, in dem wir die Möglichkeit haben, frei über unser Leben zu entscheiden und unseren gesteckten Zielen und Träumen nachzueifern. Nicht jeder auf der Welt kann das von sich behaupten, das ist uns allen hier klar geworden.

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