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Das Glück des Tüchtigen

Klose glaubt, trifft und jubelt

Früher in Kaiserslautern hat es diesen Zweikampf in jeder Trainingseinheit gegeben. Stürmer Klose gegen Torwart Weidenfeller. Sechseinhalb Jahre nach der gemeinsamen Zeit in der Pfalz ist dieses Privatduell am Sonntag in der Allianz Arena wieder aufgeflammt. „Es hat super Spaß gemacht gegen Miro. Wir sind auch ganz gut befreundet“, sagte Weidenfeller nach dem Schlusspfiff. Jubeln konnte aber nur sein Gegner: Miroslav Klose.

Dabei sah bis kurz vor Schluss der Dortmunder Torwart schon wie der Sieger aus. Fünf Mal hatte er selbst 100-prozentige Chancen des FCB-Stürmers zunichte gemacht. Zwei platzierte Kopfbälle (17. Minute, 70.) hatte er gehalten und drei Duelle Eins-gegen-Eins (21., 27., 79.) mit tollen Reflexen gewonnen. Insgesamt sollte Klose am Ende zehn Mal auf das Tor geschossen haben, öfter als jeder andere Spieler auf dem Platz - aber erst die letzten beiden Versuche saßen.

Durch die Beine

In der 87. Minute schoss der FCB-Angreifer den Ball durch Weidenfellers Beine zum vorentscheidenden 2:1 in die Maschen, drei Minuten später erzielte er sogar noch den 3:1-Endstand. Mit einem Salto feierte er seinen ersten Bundesliga-Doppelpack in dieser Saison und lobte anschließend die Leistung seines Widersachers: „Roman hat gezeigt, dass er ein super Torwart ist.“

„Miro ist ein Stürmer der Extraklasse“, gab Weidenfeller das Lob zurück. Klose selbst war nach dem Schlusspfiff erst einmal nur „erleichtert“. Die vielen vergebenen Chancen habe er versucht, „so schnell wie möglich wegzustecken. Es zeichnet mich aus, dass ich immer an meine Chancen glaube. Irgendwann wird man belohnt.“ Hoeneß meinte: „Das macht einen Torjäger aus, dass er nie aufgibt.“

Fast ausgewechselt

Am Ende hatte Klose gegen Dortmund das (Tor-) Glück des Tüchtigen. „Es freut mich für ihn, dass er die entscheidenden Tore noch geschossen hat. Er wäre sonst sicher zum Verlierer des Spiels ernannt worden“, sagte Franz Beckenbauer. Und Jürgen Klinsmann fand es einfach nur „schön, dass Miro dem Spiel noch seinen Stempel aufgedrückt hat.“

Dabei hatte der FCB-Cheftrainer kurz vor Kloses erstem Treffer sogar mit dem Gedanken gespielt, den Nationalstürmer auszuwechseln. Er hörte schließlich aber auf sein „Bauchgefühl“ und nahm Kloses bis dato ebenso bemühten und glücklosen Sturmpartner Luca Toni vom Platz. „Es war eine 50:50-Entscheidung. Wir haben uns auf der Bank mit Martin Vasquez und Uli Hoeneß abgesprochen“, erzählte Klinsmann.

Torschütze und Vorbereiter

„Als ich mich umgedreht habe, war Gott sei Dank nicht die 18 drauf“, war Klose froh, dass seine Rückennummer nicht auf der Auswechseltafel aufleuchtete. „Da muss man sich beim Trainer bedanken.“ Für Klose war es „wichtig, über 90 Minuten zu spielen. Damit ich mich ins Spiel reinbeiße, reinkämpfe. Ich war davon überzeugt, dass ich noch belohnt werde.“

Gekämpft und gebissen hat Klose über 90 Minuten. Schon am zwischenzeitlichen 1:1 des FC Bayern hatte er mitentscheidenden Anteil, als er den Ball mit letztem Einsatz vor zwei Gegenspielern zu Franck Ribéry grätschte. Nach dessen Schuss staubte Zé Roberto ab. Klose selbst erzielte gegen Dortmund wettbewerbsübergreifend seine Saisontreffer 14 und 15 und untermauerte damit seine Stellung als treffsicherster FCB-Profi. Auch die interne Scorerliste führt der 30-Jährige an. Insgesamt war er bereits an 23 Treffern (15 Tore, 8 Vorlagen) direkt beteiligt.

16 Spiele, 16 Tore

„Es gibt manchmal so Spiele, so Tage, so Wochen, so Jahre, wo kein Ball reingeht“, kam Klose ins Philosophieren, „Gott sei Dank ist das bei mir nicht so.“ Denn der FCB-Stürmer hat einen Lauf. In den letzten 16 Pflichtspielen war er an 16 Toren beteiligt (11 Tore, 5 Vorlagen).

Und jetzt kommt einer seiner Lieblingsgegner: Hertha BSC Berlin. Zehn Mal hat Miro in 13 Spielen gegen die Berliner schon getroffen. Und in der Hauptstadt ist auch kein ehemaliger Vereinskamerad im Tor - vielleicht zielt er dann schon früher ganz genau.

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