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Leozinho und der ‘kleine Dürre‘

Portugals Löwen sind heiß auf Bayern

Ja, große Spieler haben sie bei Sporting Lissabon schon hervorgebracht. Luis Figo zum Beispiel, Weltfußballer 2001, auch Paulo Futre, Sa Pinto, Simao, Ricardo Quaresma und Nani, für den Manchester United vor zwei Jahren geschätzte 30 Millionen Euro locker machte, haben sich weit über die Grenzen Portugals hinaus einen Namen gemacht. Der aktuell prominenteste „Sohn“ von Sporting Clube de Portugal - so heißt der Klub offiziell - ist freilich Christiano Ronaldo. Der Topstar von Champions League-Sieger ManU feierte 2008 das Double als Europa- und Weltfußballer.

Wenn der FC Bayern am Mittwochabend zum Hinspiel im Champions-Leagie-Achtelfinale im „Estádio de José Alvalade“antritt, werden bei den Gastgebern wieder eine Reihe von Spieler am Start sein, die der eigenen Jugend entstammen. Allen voran Joao Moutinho. Der 22-Jährige ist Sportings Spielmacher und wurde mit 20 jüngster Kapitän in der Klubgeschichte der „Leões“, den „Löwen“. Moutinho ist „Leozinho“, der kleine Löwe, wie er liebevoll von den Sporting-Fans genannt wird. Längst schon steht er auf dem Wunschzettel mehrerer Topklubs in Europa.

Postiga fehlt verletzungsbedingt

Eine weitere Stütze des Teams ist Helder Postiga, der wie Moutinho im Juni beim EM-Viertelfinale mit Portugal 2:3 gegen Deutschland unterlag. Gegen die Bayern wird Postiga allerdings aufgrund einer Blessur am linken Knie sowohl im Hinspiel als auch voraussichtlich im Rückspiel ausfallen. Neben den beiden portugiesischen Nationalspielern gehört Simon Vukcevic zu den auffälligsten Spieler im Kader von Coach Paulo Bento. Der 23-Jährige aus Montenegro gilt derzeit als einer der besten Spieler der portugiesischen Liga.

„Bayern ist eine sehr gute Mannschaft, mit tollen Spielern und einem jungen Trainer, der viel Qualität hat. Es wird schwer für uns, aber es ist gut, dass wir das Hinspiel vor eigenem Publikum austragen. Mit vollem Stadion wird es leichter“, sagte Vukcevic vor der Partie. Knapp 45.000 Zuschauer werden das Stadion am Mittwochabend füllen. Mit 100.000 Mitgliedern ist Sporting einer der größten Vereine Europas. 18 Mal wurde man Meister und 15 Mal Pokalsieger, zuletzt zwei Mal in Folge. Der einzige internationale Triumph war der Endspielsieg im Pokalsiegerwettbewerb 1964. 2005 verlor Sporting im eigenen Stadion das UEFA-Cup-Finale gegen ZSKA Moskau mit 1:3.

Souverän durch die Gruppenphase

In der diesjährigen Gruppenphase wurden Portugals „Löwen“ Zweiter hinter dem FC Barcelona, gegen den es zwei deutliche Niederlagen (1:3 und 2:5) gab. Gegen den FC Basel und Schachtjor Donezk gewann Sporting beide Spiele. Mit jeweils zwei Toren waren Derlei und Liedson die erfolgreichsten Schützen in der Vorrunde. Gerade auf Letzerem ruhen auch die Hoffnungen im Duell gegen die Bayern.

Mit einem Doppelpack avancierte Liedson - zu Saisonbeginn lange von Knieproblemen gehandicapt - am vergangenen Samstag zum Matchwinner im Derby gegen Benfica. Rechtzeitig zur entscheidenden Saisonphase scheint der zweimalige Torschützenkönig Portugals (2005 und 2007) wieder in Topform zu kommen. „Liedson ist als Fußballspieler einzigartig, er schießt Tore, schafft Räume“, lobte Sturmpartner Derlei über den gebürtigen Brasilianer. Mit 19 Treffern ist der 31-Jährige Sportings bester Europapokaltorschütze überhaupt.

Spätstarter Liedson sieht 'alles offen'

Ähnlich wie Bayerns Mittelstürmer Luca Toni ist Liedson ein Spätstarter. In einem Alter, in dem viele brasilianische Talente schon für Millionen nach Europa gehen, schuftete der schmächtige Junge noch für einen Hungerlohn in einem Supermarkt. Erst mit 21 streifte er beim Provinzverein Pocoes sein erstes offizielles Trikot über. Dann ging es aber Schlag auf Schlag: Über Curitiba wechselte er 2002 zum Traditionsverein Flamengo Rio, schoss dort in 29 Spielen 15 Treffer. Nach einem kurzen Gastspiel bei Corinthians in Sao Paulo ging es 2003 über den Atlantik zu Sporting.

Die 63 Kilogramm bei 1,75 Meter Körpergröße des „kleinen Dürren“ jagen auf den ersten Blick keine Angst ein. Aber der Brasilianer wurde schon oft unterschätzt. Deshalb lässt er lieber Tore für sich sprechen. Zum Gegner sagt er vor dem Hinspiel: „Wir kennen uns, es ist alles offen.“ Liedson war schon vor zweieinhalb Jahren bei den Gruppenspielen gegen die Bayern dabei. Damals gab es ein 0:1 zuhause und ein 0:0 in München. Jetzt will Sporting mehr. „Wir sind gut vorbereitet. Ziel ist ein Sieg, und wir haben das Potenzial“, ist sich Coach Bento sicher.

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