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Hauptsache gewonnen

Bayern wollen 'keine Ruhe mehr geben'

Nach dem Schlusspfiff begann in den Katakomben der Allianz Arena der große Austausch. Bayerns Chefscout Michael Henke traf sich mit seinen Kollegen vom FC Barcelona und überreichte diesen DVDs vom soeben beendeten 1:0 (1:0)-Heimsieg des deutschen Rekordmeisters gegen den Karlsruher SC. Doch bei der Analyse des Spiels dürften die Abgesandten der Katalanen zweieinhalb Wochen vor dem Champions-League-Duell mit den Münchnern alles andere als vor Ehrfurcht erstarren.

„Wir brauchen gar nicht drüber reden: Das war heute schlecht, aber wir haben gewonnen“, brachte es Kapitän Mark van Bommel nach dem Spiel kurz und knapp auf den Punkt. Nach zuletzt drei starken Auftritten und den Tor-Galas gegen Lissabon (7:1), Hannover 96 (5:1) und in Bochum (3:0) musste sich der FCB diesmal mit dem knappsten aller Siege zufrieden geben. „In dieser Phase der Meisterschaft musst du diese Spiele gewinnen. Es zählen nur drei Punkte, die haben wir und alles andere ist heute egal.“

Das sah auch Manager Uli Hoeneß so, dessen gute Laune über den 14. Saisonsieg auch vereinzelte Pfiffe von den Rängen nicht trüben konnten. „Wir haben nicht besonders gut gespielt, aber wir haben hochverdient gewonnen. Wenn man Meister werden will muss man genau solche Spiele gewinnen“, sagte Hoeneß. Spitzenreiter Hertha BSC Berlin habe die „letzten zehn Spiele alle so gewonnen. Dafür wurden sie schön hochgejubelt und wir müssen uns dafür nicht entschuldigen.“

Hoeneß zeigte aber auch „viel Verständnis“ für den Unmut der 69.000 in der ausverkauften Allianz Arena, die bei eisigen Temperaturen vor allem in der zweiten Halbzeit wenig erwärmt wurden von der Vorstellung der Gastgeber. „Die Zuschauer wollen, dass man den KSC als Tabellenletzten 5:0 wegputzt. Aber wenn man merkt, es geht nichts nach vorne, muss man in Ruhe versuchen, das 1:0 über die Runden zu bringen“, so Hoeneß weiter. „Die Tabelle schenkt dir nichts dafür, dass du ein spektakuläres Spiel machst und ein schönes 1:1 hast.“

Sosas Premierentreffer

Dabei hatte in der ersten Halbzeit alles auf eine Fortsetzung der letzten Partien hingedeutet. Mit dem wiedergenesenen Franck Ribéry legte der FCB munter los und erspielte sich in der Anfangsphase eine Vielzahl an Chancen, die aber allesamt ungenutzt blieben. Erst José Ernesto Sosa gelang nach feiner Vorarbeit von Ribéry in der 34. Minute mit seinem ersten Pflichtspieltor für die Bayern die Führung und damit auch der Siegtreffer.

Nach dem Seitenwechsel jedoch war der Spielfluss der Gastgeber wie abgerissen. „Da hat vieles nicht so gepasst, wie wir uns das vorgestellt haben. Wir waren zu hektisch, der KSC kam besser ins Spiel und zu Möglichkeiten“, analysierte Trainer Jürgen Klinsmann. Vor allem die beiden verletzten Stürmer Luca Toni und Miroslav Klose wurden auf Seiten der Münchner schmerzlich vermisst. „Da hat man wenig Anspielstationen im Sturm - das ist nicht so einfach“, bemerkte Hoeneß.

Keine Ruhe geben

So musste der FCB in einer „annähernd katastrophalen“ zweiten Halbzeit (Michael Rensing) bis zum Schlusspfiff um den wichtigen „Dreier“ bangen. In der Nachspielzeit rettete Zé Roberto auf der Linie seinem Team den Sieg, der die Bayern bis auf einen Punkt an die Tabellenspitze heranbrachte. „Wir haben drei Punkte geholt, Hertha hat verloren, der Spieltag ist für uns optimal gelaufen“, war auch Rensing unter dem Strich zufrieden.

„Wir freuen uns, dass wir richtig dabei und dran sind und werden keine Ruhe mehr geben. Wir werden den Druck erhöhen, egal auf wen“, sagte Klinsmann. Schon die nächste Partie nach der Länderspielpause beim punktgleichen VfL Wolfsburg sei „ein weiteres Endspiel“, so Klinsmann. „Das wird sicher ein vorentscheidendes Spiel“, meinte auch Hoeneß. Gut möglich, dass Barcas Spione dann einen ganz anderen FC Bayern sehen werden.

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