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Thomas Müller(t)

CL-Debüt mit Tor und Bussi

Am Mittwochmorgen um 10 Uhr hatte Thomas Müller die Wirklichkeit wieder eingeholt. Dick eingepackt und zugeknöpft lief er über den Kunstrasenplatz an der Säbener Straße und trainierte mit der zweiten Mannschaft des FC Bayern. Dicke, nasse Schneeflocken wehten ihm ins Gesicht. Doch Müller war „ganz froh, dass ich wieder im Alltag zurück bin. Damit ich von der Champions-League-Atmosphäre runterkomme.“ Zwölf Stunden zuvor hatte der 19 Jahre alte Oberbayer aus Pähl bei Weilheim erste Fußspuren in Europas „Königsklasse“ hinterlassen.

„Es war schon sehr aufregend“, erzählte er fcbayern.de am Tag danach. In der 72. Minute war Müller gegen Sporting Lissabon eingewechselt worden und schon zwei Minuten später ließ er sein Talent aufblitzen. Er legte den Ball rechts an seinem Gegenspieler vorbei, flitzte linksherum hinterher, überlief einen weiteren Portugiesen und flankte vors Tor, wo der Ball über Miroslav Klose bei Mark van Bommel landete, der das zwischenzeitliche 5:1 erzielte.

„Ich habe mir gedacht, wenn ich schon mal die Chance habe, muss ich auch was zeigen“, sagte Müller zu seinem Blitz-Einstand. „Es ist ja meine Stärke, ins Eins-gegen-Eins zu gehen.“ Dass er kurz vor Schluss nach einem Eckball sogar noch persönlich den 7:1-Schlusspunkt setzte, krönte seine Leistung. „Das Tor war nicht so schwierig. Ich bin halt da gestanden, wo der Ball runtergekommen ist. Gemacht hätte ihn jeder“, meinte er.

„Ich bewundere diese jungen Kerle“, sagte Uli Hoeneß auf Anfrage von fcbayern.de zu Müllers Leistung, „die kommen rein und tun so, als ob sie nie etwas anderes gemacht hätten. Es ist schön zu sehen, was für ein Selbstvertrauen diese jungen Burschen haben.“ Lob erntete der Champions-League-Debütant aber auch von höchster privater Stelle. Von seiner Verlobten Lisa gab’s ein Sieger-Bussi. „Das ist unser Ritual nach jedem Spiel“, erzählte Müller, „Lisa hat sich gefreut und war stolz auf mich.“

'Potenzial nach oben'

Stolz ist auch FCBII-Trainer Hermann Gerland. „Es ist im junior team unser aller Wunsch, Spieler zu entwickeln, die den Profis helfen können“, freute er sich über Müllers CL-Debüt. Bei Gerland hat sich der 19-Jährige in seiner ersten Drittliga-Saison im Eiltempo zu einem Leistungsträger gemausert. Mit neun Treffern „müllerte“ er sich zum erfolgreichsten Torschützen der „kleinen“ Bayern, im Februar erhielt er einen Profivertrag beim FCB.

„Er ist ein außergewöhnliches Talent“, meinte Gerland, „torgefährlich, beidfüßig, ballsicher, sein Kopfballspiel ist o.k., er hat eine sehr gute Ausdauer.“ Der „Tiger“ sieht aber auch noch „Potenzial nach oben“ bei einer seiner größten Nachwuchshoffnungen. Müller dürfe jetzt nicht abheben, warnte Gerland. „Bei den jungen Leuten besteht immer die Gefahr, dass sie meinen, sie hätten schon alles erreicht. Dem ist nicht so.“ Stattdessen verlangte der Trainer: „Wenn sie bei den Profis dabei sind, müssen sie noch mehr Gas geben als vorher.“

Langsamer Aufbau

Für Profi-Chefcoach Jürgen Klinsmann befindet sich Müller bei Gerland „in den besten Händen“. Schon seit seinem Dienstantritt im vergangenen Sommer hat Klinsmann den offensiven Mittelfeldspieler im Notizbuch und lässt ihn seitdem immer wieder bei den Profis mittrainieren. Im August kam Müller sogar zu einem zehnminütigen Bundesligaeinsatz. „Wir kennen sein Talent. Jetzt sind wir dabei, ihn langsam aufzubauen. Er schnuppert immer wieder bei uns rein“, sagte Klinsmann.

„Es läuft super“, lautete Müllers eigene Zwischenbilanz in seiner ersten Saison im Seniorenbereich. „Meine Hauptqualität war in den letzten Jahren immer, dass ich Tore schieße. Das konnte ich in der Dritten Liga fortsetzen.“ Doch er weiß auch, dass er erst am Anfang steht. „Ich versuche, weiter Gas zu geben. Ich will in der Dritten Liga meine Leistung bringen und mich weiterentwickeln.“ Hin und wieder hat Müller aber auch nichts dagegen, dem Alltag der zweiten Mannschaft zu entfliehen.

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