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Jürgen Klinsmann:

'Es steht viel auf dem Spiel'

Es ging recht beschaulich zu in dieser Woche an der Säbener Straße. Aufgrund von Nationalelfabstellungen waren acht Bayern-Profis auf Länderspielreise, hinzu kamen noch einige verletzte und rekonvaleszente Spieler. Für alle beim FC Bayern hieß es in diesen Tagen: Kraft tanken für den Saisonendspurt. fcbayern.de sprach mit Trainer Jürgen Klinsmann über den Vorteil dieser Pause für seine Mannschaft, Luca Toni und die bevorstehenden Aufgaben in der Bundesliga und der Champions League.

Das Interview mit Jürgen Klinsmann

fcbayern: Jürgen, haben Sie Neuigkeiten von Luca Toni aus Italien?
Jürgen Klinsmann: „Ja, sogar sehr gute. Er trainiert zwei Mal täglich in Bologna und wir bekommen nur positives Feedback von Reha-Coach Thomas Wilhelmi, der ihn begleitet hat. Alles verläuft optimal, besser geht es gar nicht. Wir erwarten ihn am Montag zurück im Mannschaftstraining.“

fcbayern: Massimo Oddo ist schon wieder im Training, Hamit Altintop soll bald folgen. Die Länderspielpause scheint dem FC Bayern richtig gut zu tun.
Klinsmann: „So kann man das sehen. Bis auf Miroslav Klose werden wir bald schon alle Mann wieder an Bord haben. Zwar haben wir fast den halben Kader auf Länderspielreisen, aber für diejenigen Spieler ist der Tapetenwechsel vielleicht gar nicht mal so schlecht. Und mit allen Nicht-Nationalspielern können wir eingehender und ganz konzentriert arbeiten. Von daher kommt so ein kleiner Break in einer Saison manchmal ganz gelegen.“

fcbayern: Ein Break auch, um Kräfte für den Endspurt zu sammeln. Nach der Länderspielpause geht es gleich weiter mit den beiden schweren Auswärtsspielen in Wolfsburg und in Barcelona.
Klinsmann: „Das stimmt. Wolfsburg wird ein Kraftakt und vorentscheidend im Kampf um die Deutsche Meisterschaft und die Champions-League-Qualifikation für die nächste Saison. Es steht also relativ viel auf dem Spiel. Und natürlich entscheidet es sich in Wolfsburg auch, ob wir mit breiter Brust nach Barcelona fahren werden. Und die werden wir dort brauchen können. Wir brauchen dort viel Selbstvertrauen und das Wissen, dass wir gut drauf sind, um uns mit Barcelona zu messen. Von daher kann man beide Spiele gar nicht trennen. Wir müssen gegen Wolfsburg schon alles abrufen, die Mannschaft muss da an ihre Grenzen gehen.“

fcbayern: Ist es ein Nachteil, erst zwei Tage vor dem Spiel in Wolfsburg die komplette Mannschaft wieder zusammen zu haben?
Klinsmann: „So richtig können wir uns sogar erst ab Freitag mit Wolfsburg beschäftigen. Am Donnerstag werden zwar bis auf die Südamerikaner alle Nationalspieler zurückkommen, aber die machen dann nur ein bisschen Auslaufen und Regeneration. Das ist zwar verdammt kurz, aber diese Situation ist man ja beim FC Bayern gewohnt. Schön wäre es nur, wenn alle mit Erfolgserlebnissen und ohne Verletzungen zurückkommen.“

fcbayern: Martin Vasquez und Nick Theslof waren vor einer Woche beim 6:0-Sieg von Barcelona gegen Malaga im Nou Camp. Welche Erkenntnisse haben Ihre beiden Co-Trainer über den Viertelfinal-Gegner geammelt?
Klinsmann: „Wenn man Barcelona spielen lässt, zeigen sie all ihre Extraklasse. Dann nehmen sie Tempo auf und haben eine ungeheure Passgenauigkeit. Und das ist in der Partie gegen Malaga passiert. Vielleicht hatte Malaga zu großen Respekt und ist dann unter die Räder geraten. Für uns kann es in Barcelona nur heißen: Kampf um jeden Zentimeter. Wir müssen ihnen den Schneid abkaufen und das Tempo mitgehen, wir müssen sie auf unsere Weise abnützen und dann irgendwann selbst zuschlagen. Es gibt Mittel, auch Barca zu schlagen, aber dafür muss man absolut an die Grenze gehen.“

fcbayern: Barca-Legende Johann Cruyff traut dem FC Bayern nicht sehr viel zu. Er sagt, Barcelona könne sich nur selbst schlagen und er spricht zudem schon vom Duell mit den englischen Teams ab dem Halbfinale.
Klinsmann: „ Ich glaube nicht, dass Barcelona uns unterschätzen wird. Sie sehen sich bestimmt noch nicht in der nächsten Runde. Sie werden sich dafür sicherlich unsere Tore gegen Lissabon anschauen und sich fragen: Oh, was kommt da jetzt auf uns zu?“

fcbayern: Ist dieses Barcelona für Ihre Mannschaft die bisher größte Herausforderung in dieser Saison?
Klinsmann: „Alles was in den nächsten zwei Monaten kommt, wird sich im Kopf abspielen und entscheiden. Körperlich sind wir dafür bestens vorbereitet, die Grundlagen auf der Fitnessebene sind geschaffen. Die Grundlagen im taktischen Bereich sind klar und oft genug super umgesetzt worden - leider aber auch ab und zu in der Bundesliga vernachlässigt worden, sonst wären wir schon auf Platz eins. Wir wollen jetzt sehen, wie weit wir in Europa sind. Das werden wir nach den Spielen gegen Barcelona ganz sicher wissen. Aber ich wiederhole es gerne noch mal: Das Spiel zuvor in Wolfsburg ist schon ein Gradmesser für uns. Das werden jetzt für uns Trainer, Spieler und Verantwortliche, aber auch für alle Fans sicher ganz spannende Wochen.“

Das Interview führte: Dirk Hauser

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