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Knoten geplatzt

'Kaltstarter' Sosa gleich auf Temperatur

Unter einem „Kaltstart“ versteht man laut Online-Enzyklopädie Wikipedia die „Betriebsaufnahme eines Verbrennungsmotors, ohne dass vorher Kühlwasser und/oder Öl vorgewärmt wurden.“ Durch diesen Prozess werde ein Motor im „besonderen Maße belastet“, es kommt zu „erhöhtem Verschleiß“, der Motor ist nicht „voll belastbar.“ Soweit die technische Erklärung, die sich auf Fußballspieler so nicht übertragen lässt.

Bestes Beispiel hierfür ist José Ernesto Sosa. Der Bayern-Profi legte beim 3:0-Sieg des Rekordmeisters am Samstag in Bochum ebenfalls einen Kaltstart hin, als er in der 31. Minute urplötzlich für Miroslav Klose ins Spiel kam. Doch für den Argentinier wirkte sich dieser Einsatz keinesfalls besonders belastend aus, im Gegenteil: Auf Anhieb erreichte Sosa seine Betriebstemperatur und machte „sein bestes Spiel, seitdem er bei Bayern München ist“, wie Vorstands-Chef Karl-Heinz Rummenigge hinterher bemerkte.

„Aus der Not heraus“, so Jürgen Klinsmann, habe er Sosa nach Kloses Verletzung das Zeichen zur Einwechslung gegeben. „Ich habe zu ihm gesagt: José, du hast nicht mal Zeit zum Warmlaufen. Lauf‘ einmal hoch und runter, dann bist du drin“, erklärte der Bayern-Trainer und sah darin auch den Grund für den starken Auftritt des 23 Jahre alten Offensivspielers. „Vielleicht hat er dann nicht so viel nachgedacht.“

Sosa mache sich sonst „immer viel zu viel Gedanken. Er hat immer zwei Gedanken im Kopf, wenn der Ball zu ihm kommt“, was sich aber dann eher leistungshemmend auswirke. Durch den „Kaltstart“ hatte der Goldmedaillengewinner von Peking den Kopf frei und hat als hängende Spitze hinter Lukas Podolski „so gespielt, wie er in Argentinien gespielt hat. Er war permanent in Bewegung und brandgefährlich. Er hat ein beeindruckendes Spiel gemacht.“

Unglaubliches Potenzial

Dank der Unterstützung seines Landsmanns Martin Demichelis (Klinsmann: „Micho hat versucht, José zu führen und ins Spiel zu bringen“) ließ Sosa sein „unglaubliches Potenzial“ immer wieder aufblitzen und hatte maßgeblichen Anteil am 13. Saisonsieg der Münchner. „Er hat die spielentscheidende Szene herbeigeführt“, so Klinsmann über die Situation, die zur Roten Karte von Marc Pfertzel (48.) führte. Einzig ein eigenes Tor blieb Sosa trotz mehrerer guter Gelegenheiten versagt. „Da hat ihm einfach das Quäntchen Glück gefehlt“, fühlte Klinsmann ein wenig mit seinem Spieler.

„Wir sind glücklich für ihn“, freute sich Rummenigge darüber, dass beim Argentinier, der in der Winterpause eigentlich ausgeliehen werden sollte, um woanders mehr Spielpraxis zu sammeln, der Knoten möglicherweise endlich geplatzt ist. „Er galt schon ein bisschen als verkannt, aber heute hat er sich eindrucksvoll zurückgemeldet.“ Auch Klinsmann weiß, was Sosa „fußballerisch drauf hat. Das sehen wir jeden Tag, wir alle wissen, was er kann.“ Leider habe er das in den bislang eineinhalb Jahren beim FC Bayern zu selten im Spiel umgesetzt.

Startschuss für wichtigere Rolle

Der Hochgelobte selbst blieb seinem Naturell entsprechend auch am Tag nach seinem großen Spiel, dem ersten Bundesligaeinsatz seit vier Monaten, ruhig und bescheiden. Natürlich sei er „sehr glücklich“ über seine Leistung, „es hat zum Glück ganz gut geklappt, obwohl ich wenig Spielpraxis hatte.“ Die Position als hängende Spitze kennt er aus seiner Zeit bei Estudiantes de La Plata, „da fühle ich mich gut.“ Und auch Sosa sah in der kurzen Vorbereitung vor seiner Einwechslung einen Vorteil. „Das war wichtig, es hat mir geholfen, nicht allzu viel nachzudenken. Ich war völlig ruhig vom Kopf her.“

Mit frisch getanktem Selbstvertrauen und neuer Motivation hofft Sosa auf weitere Einsätze im Saisonendspurt. Für Klinsmann ist der „kleine Prinz“, wie Sosa in seiner Heimat gerufen wird, nach den verletzungsbedingten Ausfällen von Luca Toni, Franck Ribéry, Hamit Altintop, Tim Borowsk und nun auch Miroslav Klose jedenfalls eine neue Alternative. „Das war ein ganz, ganz wichtiges Spiel für José. Wir hoffen, dass es ein Startschuss war, um bei uns eine immer wichtigere Rolle zu spielen.“

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