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Hoeneß stellt klar

'Kein Solidaritätszuschlag für Fußballer'

Visionär und Macher in Personalunion – Bayern-Manager Uli Hoeneß hat schon oft genug bewiesen, dass er mit außergewöhnlichen Ideen seiner Zeit voraus und mit deren Umsetzung ein Vorreiter im Profifußball war. Ob in Sachen Sponsoring oder Merchandising, Hoeneß war in wirtschaftlichen Dingen immer ein Schritt weiter als viele seiner Mitstreiter. Nicht umsonst wurde der 57-Jähriger jüngst in die „HALL OF FAME Sponsoring“ des Sponsoringverbandes FASPO aufgenommen.

Auch mit seiner jüngsten Vision, den wirtschaftlichen Rückstand in Sachen Fernsehvermarktung im Vergleich zu England, Spanien und Italien durch eine Sonderabgabe der TV-Zuschauer aufzuholen, hat Hoeneß für Aufsehen und kontroverse Diskussionen gesorgt. In einem Interview mit der „Wirtschaftswoche“ sagte Hoeneß: „Meine große Hoffnung ist, dass die Leute irgendwann bereit sind, zwei Euro im Monat für Fußball zu bezahlen. Das ist nicht mal eine halbe Schachtel Zigaretten oder ein kleines Bier in der Kneipe.“

Fußball für alle

Entsprechend groß war am Montag die Resonanz in den Medien. Von einem „Solidaritätszuschlag für Fußballer“ oder einem „Zwangs-Soli für Fußball-Millionäre“ war da die Rede. Eine Berichterstattung, über die sich Hoeneß ärgerte, „weil die Leute nicht lesen können - oder wollen. Ich habe keinen Solidaritätszuschlag für Fußballspieler gefordert!“, stellte der FCB-Manager bei fcbayern.de klar.

„Ich habe erstens gesagt: 'Mein Traum wäre es, wenn...'. Und zweitens, dass der einfache Fan für nur zwei Euro pro Monat mehr die gesamte 1. und 2. Bundesliga 'kostenfrei' sehen könnte. Egal ob‘s der Fan in Rostock ist, der in Schalke, Aachen, Berlin oder München.“ Für zwei Euro im Monat könnten „alle Spiele live bei den öffentlich-rechtlichen Sendern ARD und ZDF übertragen werden. Jeder, ich wiederhole, jeder könnte dann alle Spiele live, plus zeitversetzt, plus eventuell kostenfrei auf Abruf ansehen“, so Hoeneß weiter.

Hoeneß hofft auf Premiere

Dabei betonte Hoeneß ausdrücklich, dass dieses Modell nur dann zum Tragen käme, „wenn sich die Pay-TV-Situation für die in Frage kommenden Partner nicht mehr als rentabel herausstellen sollte. Ich hoffe aber sehr, dass es Premiere gelingt, dies zu schaffen.“ Laut Hoeneß‘ Rechnung könnten durch diese Sonderabgabe von den 37 Millionen TV-Haushalten im Jahr gut 900 Millionen Euro generiert werden. Ab der kommenden Saison erhalten erste und zweite Liga aus dem TV-Vertrag 412 Millionen Euro.

„Die Schere im internationalen Fußball würde sich dann auf jeden Fall zugunsten des deutschen Fußballs verringern.“ Europas Topklubs erhalten laut Hoeneß aus der TV-Vermarktung der nationalen Ligen jeweils zwischen 80 und 130 Millionen Euro. Der FC Bayern verdiene 50 Millionen pro Saison aus TV-Rechten, davon 30 Millionen aus der Bundesliga. Den Rest müsse man durch „vernünftiges und kostenbewusstes Arbeiten“ generieren, beispielsweise durch „den vernünftigen Umgang mit den Gehältern der Spieler. Ich glaube aber, dass wir in diesem Bereich auch schon auf einem sehr guten Weg sind.“

GEZ-Gebühren für alle

Gerade in Zeiten einer globalen Finanz- und Wirtschaftskrise macht sich Hoeneß „Gedanken um den 'kleinen Mann', um diejenigen, die es am meisten treffen wird. Diejenigen, die nicht mehr am Wochenende schnell wegfahren können, die vielleicht das Geld nicht mehr haben, um von weither zu ihrem Klub zu fahren und das Ticket im Stadion zu kaufen.“ Und für die, die doch kommen, kann sich Hoeneß gar eine Anpassung der Eintrittspreise vorstellen. „Wenn es wirklich schlimmer wird und die Arbeitslosigkeit extrem zunimmt, werden wir über die Eintrittspreise nachdenken und sie der jeweiligen Situation anpassen“, so Hoeneß in der Wirtschaftswoche.

Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des FC Bayern begründete seinen Vorschlag zudem damit, dass „Fußball mehr Menschen in Deutschland bewegt als alles andere.“ Er wisse zwar, dass gut ein Drittel der Zuschauer keinen Fußball sehen wolle, doch andererseits wolle auch nicht jeder „Vorabendserien sehen, Volksmusik, Rosamunde Pilcher, oder Kulturprogramme, nicht mal jeder Politik. Und doch muss jeder 17,98 Euro monatlich GEZ-Gebühren dafür bezahlen.“

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