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Ex-Bayer Tarnat:

'Wollte schon vor drei Jahren aufhören'

Keine Frage - das Spiel am Samstag mit Hannover 96 in München ist für Michael Tarnat ein ganz besonders. Zum einen, weil er dann für die Niedersachsen das 100. Bundesligaspiel bestreiten wird. Zum anderen, weil er dem FC Bayern emotional immer noch sehr eng verbunden ist. Von 1997 bis 2003 spielte er für den Rekordmeister und gewann in dieser Zeit die Champions League, den Weltpokal, vier Meisterschaften und drei Mal den DFB-Pokal.

„Wir haben uns damals in München ein Haus gebaut. Auch unser Sohn Niklas ist hier geboren und hat noch viele Freunde. Deswegen ist unsere Heimat jetzt München“, erklärte „Tanne“ in einem Interview für die aktuelle Ausgabe des „Bayern Magazins“. Nach seiner aktiven Karriere will Tarnat nach München zurückkehren und vielleicht beim FCB einen Job übernehmen - wann dies aber der Fall sein wird, kann der 39-Jährige noch nicht sagen: „Eigentlich wollte ich schon vor drei Jahren aufhören.“

Das Interview mit Michael Tarnat:

Frage: Hallo Michael, als Ex-Bayern-Spieler hast du nur im Olympiastadion gespielt. Fühlst du dich in der Allianz Arena eigentlich auch ein bisschen heimisch, weil es auch die neue Heimat des FC Bayern ist?
Michael Tarnat: „Eigentlich ist das Olympiastadion mein Stadion, weil ich ja dort alle Spiele für den FC Bayern gemacht habe. Das ist meine sportliche Heimat und da fühle ich mich auch zu Hause. Wobei ich sagen muss, dass die Allianz Arena ein sehr schönes Stadion ist. Aber ich nehme die Allianz Arena dann doch etwas mehr als Auswärts-Stadion wahr.“

Frage: Hannover ist in dieser Saison das auswärtsschwächste Team. Warum glaubst du, dass ihr ausgerechnet in München punkten könnt?
Tarnat: „Wie für jede andere Mannschaft gilt für uns auch, dass wir hier nichts zu verlieren haben. Wenn wir in München mutig nach vorne spielen und keine Angst haben, dann bekommen wir unsere Chancen. Und wenn wir sie nutzen, dann können wir auch in der Allianz Arena gewinnen. Die Bayern haben vor dem Spiel gegen uns eine schwere Woche zu absolvieren. Vielleicht machen sie gegen uns einen Schritt weniger als normal. Das könnte unsere Chance sein. Wenn die Bayern merken, dass sie auf eine Mannschaft treffen, die dagegenhält und aggressiv spielt, wird es schwer für sie. Ich hoffe, dass wir das umsetzen und punkten können.“

Frage: Hannover liegt sportlich hinter den Erwartungen zurück. Was sind die Gründe?
Tarnat: „An erste Stelle liegt es an unserer Auswärtsschwäche. Außerdem hatten wir sehr viele verletzte Spieler. Das wirft dich natürlich zurück. Wir sind nicht der FC Bayern, der Ausfälle immer adäquat ersetzen kann. Soweit sind wir in Hannover noch nicht. Robert Enke war lange verletzt, Altin Lala ebenso. Und Valérien Ismaël fehlt uns schon die ganze Saison. Auch ich habe in der Hinrunde nicht gespielt. Das sind Spieler, auf die der Trainer setzt und an denen sich auch die Mannschaft orientiert. Wenn solche Spieler wegbrechen, wird es schwierig, eine vernünftige Basis zu finden.“

Frage: Der SV Hilden Nord ist dein Heimatklub im Rheinland. Ist nicht München deine neue Heimat?
Tarnat: „Dem Verein habe ich viel zu verdanken. Bei diesem Klub bin ich groß geworden. Ich hatte dort einen Jugendtrainer, der mich sehr gefördert hat und dafür bin ich immer noch sehr dankbar. Meine Frau und ich haben immer gesagt, wenn meine Karriere vorbei ist, dann kehren wir wieder nach Hilden zurück. Aber glücklicherweise durfte ich zu Bayern München wechseln. Hier haben wir festgestellt, dass Bayern und speziell die Stadt München wunderschön ist. Hier haben wir die Entscheidung getroffen, dass es nach dem Karriereende nicht nach Hilden, sondern zurück nach München geht. Wir haben uns damals in München ein Haus gebaut. Auch unser Sohn Niklas ist hier geboren und hat noch viele Freunde. Deswegen ist unsere Heimat jetzt München.“

Frage: Du hast ein Haus hier. Wann wirst du wieder in München wohnen?
Tarnat (lacht): „Das ist eine sehr spezielle Frage. Eigentlich wollte ich ja schon vor drei Jahren aufhören. Aber ich hatte jetzt eine schwere Verletzung, so dass ich fast elf Monate kein Fußball spielen konnte. Da habe ich gemerkt, dass mir schon irgendwas fehlt. Ich habe mir in dieser Zeit gesagt: Okay, ich möchte noch einmal versuchen zurückzukommen, mal sehen ob ich das schaffe. Ich wollte mir dann anschauen, inwieweit mein Körper das alles noch verträgt und mich dann entscheiden. Ich merke, dass ich nach wie vor viel zu viel Spaß habe, Fußball zu spielen. Ich habe viele Bekannte, ehemalige Fußballer wie etwa Jens Jeremies, mit dem ich noch regelmäßig Kontakt habe, oder auch mit Bernd Dreher und den beiden Physiotherapeuten von Bayern München Fredi Binder und Gerry Hoffmann. Sie alle sagen immer das Gleiche: Spiele so lange es geht, es gibt nichts Schöneres. Das kann ich nur bestätigen."

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