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'Brauchen jetzt Aufbruchstimmung'

FCB trägt dem Negativtrend Rechnung

Der Vorstand des FC Bayern hatte es sich nicht einfach gemacht. In einem „mehrstündigen Gespräch“ (Rummenigge) analysierten Karl-Heinz Rummenigge, Uli Hoeneß, Karl Hopfner und Teammanager Christian Nerlinger am Sonntag, einen Tag nach der 0:1-Niederlage gegen den FC Schalke 04, die Situation beim Rekordmeister. Per Videotext verfolgten sie parallel den 2:0-Sieg von Cottbus gegen Spitzenreiter Wolfsburg, der die Titelhoffnungen des FCB am Leben hielt. An ihrem Beschluss änderte dies aber nichts mehr: Gemeinsam wurde die Trennung von Jürgen Klinsmann beschlossen.

„Unsere Entscheidung kann in dieser Phase der Saison nicht davon abhängig sein, dass die tollen Cottbuser sensationell gegen Wolfsburg gewonnen haben“, sagte Hoeneß einen Tag später, als der FCB-Vorstand die Öffentlichkeit informierte. „Wir müssen uns die Frage stellen: Was sehen wir auf unserem eigenen Platz? Und das war seit Weihnachten bis auf wenige Ausnahmen einfach nicht das, was wir uns vorgestellt haben.“

Das Aus im DFB-Pokal, in der Champions League und die vielen verpassten Chancen im Titelkampf haben die Münchner „nachdenklich“ gemacht, wie der FCB-Manager berichtete. „Alle wichtigen Spiele - in Hamburg, Berlin, Wolfsburg, gegen Schalke und im Pokal in Leverkusen - haben wir verloren. Diesem negativen Trend haben wir Rechnung getragen. Aus Sorge, unsere Ziele nicht zu erreichen, haben wir gehandelt.“

Zehn Monate nach seinem Amtsantritt wurde die Zusammenarbeit mit Klinsmann und dessen Assistenten Martin Vasquez, Nick Theslof und Oliver Schmidtlein beendet. Am Montagvormittag wurde dem 44-Jährigen die Entscheidung in einem persönlichen Gespräch mitgeteilt. „Es war uns sehr wichtig, dem Jürgen das in aller Ruhe und als erstes zu erklären“, sagte Hoeneß. Rummenigge berichtete: „Für Jürgen war das ein schwerer Moment heute Morgen in meinem Büro - das hat man ihm angesehen.“

Der sportliche Erfolg fehlt

Aber auch dem FCB-Vorstand fiel die Trennung schwer. „Von Jürgens Konzept waren sowohl der Vorstand als auch der Aufsichtsrat wirklich begeistert und überzeugt“, sagte Rummenigge, „letztendlich gilt aber auch für Jürgen: Der sportliche Erfolg muss da sein.“ Und dieser Erfolg fehlte. „Vor einem Jahr waren wir an 34 Spieltagen Tabellenführer, in dieser Saison waren wir es noch nicht einmal“, stellte Hoeneß fest, „das ist für uns und speziell für unsere Fans zu wenig“

Rummenigge sprach von einer „psychologischen Barriere“ in der Mannschaft, „die wir beiseite räumen mussten“. Dafür glaubt der FC Bayern in Jupp Heynckes, der die Mannschaft ab sofort übergangsweise betreuen wird, den richtigen Mann gefunden zu haben. „Uns war klar: Wir brauchen eine überzeugende Lösung“, erzählte Hoeneß, „einen Mann, der Erfahrung als Trainer hat, einen Mann, der auch was vorzuweisen hat und dem wir zutrauen, in dieser unruhigen Situation die Dinge mit ruhiger Hand in die richtige Richtung zu bewegen.“

Sofortige Zusage

Nach langen Diskussionen (Rummenigge: „Wir haben viele Namen rauf- und runterdiskutiert.“) kam man auf Heynckes, der an diesem Wochenende zusammen mit Sören Lerby und einem Bekannten zufällig Uli Hoeneß - der FCB-Manager und Heynckes sind seit Jahren befreundet - besucht hatte. Das Schalke-Spiel hatte Heynckes, der bereits von 1987 bis 1991 den FCB trainiert hatte, in der Allianz Arena verfolgt.

Aber erst als der 63-Jährige am Sonntagabend in seinen Wohnort Gladbach zurückgekehrt war, erreichte ihn ein Anruf von Hoeneß. „Jupp war sofort bereit“, berichtete Rummenigge, „er hat fünf Minuten mit seiner Frau überlegt und dann zurückgerufen. Er hat gesagt, über Geld brauchen wir gar nicht sprechen, er ist sofort bereit, den FC Bayern zu unterstützen.“

Mannschaft muss 'Vollgas geben'

Heynckes selbst begründete seine Zusage so: „Ich tue das für den FC Bayern, der mir das Sprungbrett in den internationalen Fußball gegeben hat, und aus Freundschaft zu Uli Hoeneß.“ Am Dienstagnachmittag wird er sein erstes Training an der Säbener Straße leiten. „Jupp ist ein Mann, der immer mit Leib und Seele Fußball gelebt und verfolgt hat“, sagte Hoeneß, „wir brauchen jetzt Aufbruchstimmung. Da ist so ein Mann der Richtige.“

Auf dem Platz ist jetzt aber vor allem die Mannschaft gefordert, betonte Rummenigge. Es gehe darum, „Vollgas zu geben. Wir hatten den Eindruck, für den einen oder anderen Spieler war Jürgen ein angenehmes Alibi. Wir werden in den letzten fünf Spielen ganz genau verfolgen, wer bereit ist, sich für den FC Bayern zu zerreißen.“

Mindestens Platz zwei

Minimalziel sei die direkte Champions-League-Qualifikation, betonte Hoeneß, insgeheim hofft der FCB-Manager aber sogar noch auf mehr: „Wir sehen jetzt die Chance, mit neuem Schwung vielleicht das Unglaubliche zu schaffen, vielleicht doch die Meisterschaft zu holen.“

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