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Nach Barca-Lektion

FCB will 'retten, was zu retten ist'

Karl Heinz Rummenigge sprach von einer „Riesenblamage“, Jürgen Klinsmann von einer „Demontage“ und für Christian Lell war es eine „Lehrstunde“ - Vorstand, Trainer und Spieler des FC Bayern waren sich hinterher einig: Der FC Barcelona war im Viertelfinal-Hinspiel in der Champions League eine Nummer zu groß für den deutschen Rekordmeister, der mit der klaren 0:4 (0:4)-Niederlage im Camp Nou den Traum vom Einzug in die Vorschlussrunde bereits abhaken kann.

„Mit diesem Ergebnis, das ist klar, sind wir aus dem Wettbewerb ausgeschieden“, sagte ein sichtbar geschockter Rummenigge nach einer „indiskutablen Leistung“ beim traditionellen Mitternachtsbankett im Mannschaftshotel „Rey Juan Carlos I“. „Wir haben, speziell in der ersten Halbzeit, eine Lektion bekommen. Eine Lektion, die wehgetan hat. Ich weiß nicht, was ich mehr bin - schockiert, traurig oder wütend über das, was wir heute Abend hier gesehen haben. Das ist ein ganz bitterer Moment, den wir heute Abend erleben.“

Vier Tage nach der deftigen 1:5-Klatsche in Wolfsburg wurde der FCB nun auch in der „Königsklasse“ in die Schranken gewiesen. Das 0:4 ist die höchste Niederlage der Bayern im Landesmeister-Wettbewerb seit 1973, damals unterlag man mit dem gleichen Ergebnis Ajax Amsterdam. Elf Monate nach dem deprimierenden Halbfinal-Aus im UEFA-Pokal bei Zenit St. Petersburg - auch da hieß es am Ende 0:4 - erlebte der FC Bayern beim katalanischen Traditionsverein eine der schmerzhaftesten Niederlagen in seiner ruhmreichen Europapokal-Geschichte.

„Das Ergebnis und die Vorstellung waren sehr enttäuschend“, sagte auch Klinsmann nach der Partie vor 96.000 begeisterten Zuschauern im ausverkauften „Camp Nou“, darunter gut 5.000 weniger begeisterte Bayern-Fans. „Mit seiner Spielweise hat uns Barcelona deutlich unsere Grenzen aufgezeigt, das war eine fantastische Leistung. Wir haben noch viel, viel Arbeit vor uns, um europäisch unter die besten Vier vorzurücken.“

Dabei hatte sich die ersatzgeschwächte Klinsmann-Elf, neben Lucio, Klose und Van Buyten fiel kurzfristig auch noch Philipp Lahm aus, viel vorgenommen. Doch Barcelona ließ von Beginn an keine Zweifel aufkommen, wer an diesem Abend als Sieger den Platz verlassen würde. Die überragende Offensive um Lionel Messi (9./38.), Samuel Eto’o (12.) und Thiery Henry (43.) spielte nach Belieben, machte schon in der ersten Halbzeit alles klar und ließ es dann beim klaren Vier-Tore-Vorsprung bewenden.

„Die haben so schnell gespielt, wir sind gar nicht in die Zweikämpfe gekommen. Wir haben einfach nicht das Niveau“, bemerkte Mark van Bommel, der sich die Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte anders vorgestellt hatte. „In jedem Mannschaftsteil wurde uns gezeigt, dass wir da nicht mithalten konnten“, fügte Klinsmann an. „Die zwei schnellen Tore waren große Nackenschläge, danach hat uns der Mut gefehlt, um dieses Barca-Team heute in Schach zu halten.“

Nun geht es für die Bayern in erster Linie darum, das Erlebte schnell zu verarbeiten und sich auf das Tagesgeschäft Bundesliga zu konzentrieren. „Wir haben eine große Verpflichtung. Wir sind ein stolzer Klub, dieser Stolz ist heute Abend zum Teil mit Füßen getreten worden“ sagte Rummenigge und forderte: „Wir müssen jetzt in der Meisterschaft die Kurve kriegen, da haben wir noch acht Spiele und müssen dort die Ziele erreichen, die wir in der Champions League nicht mehr erreichen können.“

Mindestens Platz zwei muss am Saisonende zu Buche stehen, besser noch die Titelverteidigung, damit der FC Bayern auch in der kommenden Spielzeit wieder die Bühne Champions League betreten kann. „Ich kann alle nur auffordern, in den nächsten Wochen alles zu geben, sich zu zerreißen, nachdem wir im Pokal und in der Champions League unsere Ziele diesmal ohne Frage nicht erreicht haben. Wir müssen retten, was zu retten ist.“

Für fcbayern.de in Barcelona: Carsten Zimmermann

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