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Bayerns Schlussspurt-Motto

Hausaufgaben machen und lauern

Als Schiedsrichter Florian Meyer nach mehr als 93 nicht immer hochklassigen, aber spannenden Minuten die Partie beendete, rissen nahezu alle Münchner Spieler die Arme in die Höhe. Es war geschafft, drei Punkte waren im Sack - die Freude und zugleich die Erleichterung darüber waren bei den Beteiligten des FC Bayern deutlich sichtbar. „Bei den vielen Standardsituation, die Bielefeld zum Schluss hatte, kann man immer damit rechen, dass sie irgendein Kullertor machen. Es wäre schon fatal gewesen, wenn wir für den vielen Aufwand, den wir in der zweiten Halbzeit betrieben haben, keinen Ertrag gehabt hätten“, sagte ein zufriedener Manager Uli Hoeneß wenig später in den Katakomben der Bielefelder SchücoArena.

Durch einen knappen, aber „hochverdienten“ (Hoeneß) 1:0 (0:0)-Sieg bei der weiter stark abstiegsbedrohten Arminia wahrten die Bayern die Chance auf die Titelverteidigung, der Abstand auf Spitzenreiter VfL Wolfsburg blieb aber unverändert bei drei Punkten. Wie schon in der Vorwoche in Gladbach gelang den Niedersachsen auch diesmal gegen Leverkusen ein später Siegtreffer. „Wir haben gehört, dass sie wahnsinnig Glück hatten“, sagte Hoeneß über den insgesamt zehnten Wolfsburger Bundesligasieg in Folge. „Diese phänomenale Serie der Wolfsburger wird irgendwann zu Ende sein“, sagte Jürgen Klinsmann, „und darauf warten wir.“

Eigentlich beschäftigten sich die Bayern nach ihrem siebten Auswärtssieg der Saison weniger mit dem Spitzenreiter aus Wolfsburg, sondern vielmehr mit der eigenen Situation. „Der Sieg war schwer erkämpft, aber enorm wichtig. Wir müssen unsere Hausaufgaben machen und unsere Spiele gewinnen“, meinte Andreas Ottl. „Wir sind froh, dass wir heute die drei Punkte geholt haben. Es war ein schweres Spiel, ein Arbeitssieg“, erklärte Jörg Butt. „Es ist egal, wie wir heute gespielt haben. Wichtig waren die drei Punkte“, betonte Philipp Lahm.

Geduld war für die Bayern in diesem Spiel gefragt. Gegen eine defensiv eingestellte Arminia-Mannschaft, gegen die sich die Bayern in der Vergangenheit immer schwer getan haben, gelang auch diesmal zumindest in der ersten Halbzeit nicht viel nach vorne. Butt verhinderte in der 15. Minute bei einem Kopfball von Robert Tesche mit einer Glanztat sogar die Bielefelder Führung. Im zweiten Abschnitt aber steigerten sich die Bayern und kamen zu einem halben Dutzend prima Chancen. „Am Ende hätten wir auch das zwei oder drei zu Null machen müssen“, sagte Lahm. Getroffen hat aber nur Luca Toni. Mit seinem 12. Saisontreffer erzielte der Italiener in der 64. Minute per Kopf das Siegtor.

„Mit dem Tor von Luca war uns klar, dass wir jetzt auf der Siegerstraße sind. Wir wussten, dass es für Bielefeld sehr schwer wird, gegen unsere Abwehr ein Tor zu machen. Wir hätten selbst noch nachlegen müssen, aber das Allerwichtigste war, dass wir mit dem Dreier nach München zurückfahren“, sagte Klinsmann, der seine Spieler anschließend in ein verlängertes Wochenende verabschiedete. „Jetzt haben sie zwei Tage frei, das haben sie sich nach den strapaziösen Wochen mehr als verdient.“

Ein wenig Zeit zum Relaxen und Kraft sammeln können die Bayern-Spieler sicherlich gut gebrauchen, denn die nächsten Wochen dürften sowohl in physischer als auch in psychischer Hinsicht extrem anstrengend werden. „Das sind jetzt die besten Wochen der Saison. Jedes Tor, jeder Punkt zählt, jeder Fehler wird bestraft“, sagte Lahm voller Begeisterung. Sechs „Endspiele“ warten noch auf die Bayern. „Wir wollen unsere letzten sechs Spiele gewinnen“, kündigte Bastian Schweinsteiger an.

Wahrscheinlich wird das für eine erfolgreiche Titelverteidigung auch nötig sein. „Ich bin der festen Überzeugung, dass, wenn wir jedes Spiel gewinnen, am Ende der Saison auch ganz oben stehen werden“, sagte Lahm. „Wenn wir alle gewinnen, haben wir eine gute Chance, noch Meister zu werden“, ist sich Hoeneß sicher, der trotz des unveränderten Punkteabstands zu Wolfsburg letztendlich doch etwas Positives zu verzeichnen hatte: „Wir haben jetzt wieder ein Auswärtsspiel mehr gemacht, Wolfsburg hat ein Heimspiel mehr absolviert - insofern sind unsere Meisterchancen ein kleines bisschen größer geworden.“

Für fcbayern.de in Bielefeld: Dirk Hauser

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