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Freundschaftsdienst für den FCB

Heynckes will die Blockade lösen

Da saßen sie nun zusammen auf dem Podium, Jupp Heynckes und Hermann Gerland, oder „mein alter Kumpel Jupp“ und der „alte Kämpe Hermann“, wie Manager Uli Hoeneß das neue Trainer-Duo des FC Bayern den rund 80 Medienvertretern vorstellte. „Die Saison dauert nur noch vier Wochen. Deshalb haben wir versucht, alles, was der Verein an Reserven hat, in die Waagschale zu werfen“, sagte Hoeneß vor 12 laufenden Kameras und betonte: „Die Vergangenheit war gestern. Ab heute sprechen wir nur über die Zukunft.“

Knapp 24 Stunden, nachdem der Vorstand des Rekordmeisters der Öffentlichkeit mitgeteilt hatte, dass Jürgen Klinsmann nicht mehr Trainer der Profimannschaft ist, trat Nachfolger Heynckes offiziell dessen Nachfolge an. „Es gehörte nicht zu meiner Lebensplanung, noch mal beim FC Bayern auszuhelfen“, gestand Heynckes, der noch nie zuvor als „Feuerwehrmann“ tätig war, aber eine „gewisse Verpflichtung“ spürte, siebzehneinhalb Jahre nach dem Ende seines ersten Engagements noch mal an die Säbener Straße zurückzukehren: „Das ist ein Freundschaftsdienst für den FC Bayern und für Uli.“

Angefangen hatte die spektakuläre Rückholaktion von Heynckes am vergangenen Wochenende. Wie schon länger verabredet, weilte der 63-Jährige als persönlicher Gast von Uli Hoeneß in München und verfolgte auch das Heimspiel gegen den FC Schalke 04 live in der Allianz Arena. „Mit dem Schlusspfiff wusste ich, dass mein Freund Uli nicht mehr bei der Sache ist. Und so kam es auch“, berichtete Heynckes. Ein mögliches Engagement seinerseits sei zu diesem Zeitpunkt aber noch überhaupt kein Thema gewesen.

Als Heynckes dann am Sonntagmittag nach dem Rückflug sein Handy wieder einschaltete, „da bekam ich eine SMS von Karl-Heinz Rummenigge mit der Bitte um Rückruf.“ Bei diesem Telefonat wurde ihm dann das Angebot zur Klinsmann-Nachfolge bis zum Saisonende unterbreitet. Nach Rücksprache mit seiner Frau gab Heynckes schließlich dem FCB-Vorstand sein Ja-Wort. „Der FC Bayern ist für mich etwas ganz Besonderes.“

Heynckes redet noch nicht über die Meisterschaft

Sein Ziel für die letzten fünf Saisonspiele ist klar: „Die direkte Qualifikation für die Champions League. Ein Klub wie der FC Bayern muss da einfach dabei sein.“ Bei drei Punkten Rückstand auf Tabellenführer VfL Wolfsburg wollte er auf das Thema Meisterschaft nicht weiter eingehen. „Im Moment können fünf Mannschaften noch Meister werden. Aber Wolfsburg hat nach wie vor die besten Chancen. Bei uns müssen jetzt erst mal die Ergebnisse wieder stimmen.“

Seine vordingliche Aufgabe sieht Heynckes weniger in der taktischen als vielmehr in der mentalen Arbeit mit den Spielern. „So wie die Mannschaft sich zuletzt präsentiert hat, das ist nicht der FC Bayern. Am Samstag gegen Schalke hatte ich den Eindruck, dass die Mannschaft apathisch und paralisiert war, dass eine psychische Blockade da war. Es ist meine Aufgabe, die Spieler von den Fesseln zu befreien und dass sie wieder Spielfreude haben.“ Heynckes sprach von Fußball mit „Freude und Emotionen."

Gerland will sich voll reinknien

Unter anderem mit „vielen Einzelgesprächen" will Heynckes das erreichen. „Die Mannschaft hat sich in dieser Saison schon in einem ganz anderen Gewand präsentiert. Ich will die Spieler überzeugen, dass sie viel besser sind, als sie die letzten Wochen gespielt haben.“ Trotz oder gerade wegen seiner über zweijährigen Pause als Trainer sieht er sich für diese Aufgabe bestens gewappnet: „Ich habe sehr viel Erfahrung als Trainer.“ Gladbach, Bayern, Bilbao, Real Madrid und Schalke waren nur einige seiner Stationen.

Unterstützt in seiner Arbeit wird Heynckes von seinem neuen Co-Trainer Gerland. „Ich werde ihm assistieren. Er ist der Chef und sagt mir, was ich tun soll. Ich freue mich auf die Aufgabe und knie mich da voll rein“, sagte der bis letzten Sonntag für die zweite Mannschaft verantwortliche Coach. Dabei formte er unter anderem Spieler wie Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger Voller Stolz gehe er in sein neues Aufgabengebiet beim FC Bayern, so Gerland, der sich sicher ist: „Jupp und ich werden uns gut ergänzen.“

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