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Klinsmann schlägt Alarm

'Jeder muss sich Gedanken machen'

In der Nacht von Samstag auf Sonntag brannte im Hause Klinsmann noch lange Licht. Nach der Rückkehr aus Wolfsburg sah sich der FCB-Chefcoach die 1:5 (1:1)-Niederlage seiner Mannschaft noch einmal in voller Länge an, jedes Gegentor analysierte er „zehn, fünfzehn Mal“, wie er bei FCB.tv erzählte. Was er sah, kam ihm bekannt vor. „Es war ein Déjà-vu-Erlebnis“, sagte er. Einmal mehr habe seinen Bayern „der letzte Wille“ gefehlt. Und das machte Klinsmann „wütend“ und „sauer“.

Laut wurde es am Sonntagvormittag bei der Mannschaftsbesprechung jedoch nicht. „Ruhig, aber deutlich“ wies Klinsmann seine Spieler auf ihre Fehler vom Vortag hin. „Die klare Botschaft war, dass jeder nach Hause geht und sich Gedanken macht. Jeder Spieler muss jetzt mit sich selbst ins Gericht gehen, ob er alles für den FC Bayern gegeben hat“, berichtete der Cheftrainer.

Denn nach der höchsten Saisonniederlage läuten bei Klinsmann die „Alarmglocken“. In der Bundesligatabelle rutschte der FCB auf den vierten Rang ab, die Champions-League-Qualifikation für die nächste Saison ist in Gefahr. „Mir ist wichtig, dass jeder begreift, was auf dem Spiel steht: das Jahr 2009 des FC Bayern, die Zukunft des FC Bayern“, betonte der Trainer.

'Eine Frage des Willens'

Klinsmann befürchtet, dass sich die Mannschaft nach dem Double-Sieg der vergangenen Saison zu sehr auf die Champions League konzentriert und dabei das Alltagsgeschäft Bundesliga vernachlässigt. „Das dürfen wir uns nicht erlauben, das wäre fatal“, meinte Klinsmann. Deswegen forderte er von seinen Spielern in den verbleibenden Bundesligapartien die „Willenskraft und Aufopferungsbereitschaft“, die die Mannschaft in der Champions League regelmäßig aufbringt.

„Es ist eine reine Frage des Willens“, meinte Klinsmann, „dieser Wille ist in jedem Champions-League-Spiel da und auch in vielen Bundesligaspielen, aber nicht in allen. Und deshalb sind wir drei Punkte hinter dem Tabellenführer.“ Und der heißt seit Samstag VfL Wolfsburg. Dabei konnte der FC Bayern die Partie in der VW-Arena lange Zeit ausgeglichen gestalten. Nach Treffern von Christian Genter (44. Minute) und Luca Toni (45.) stand es zur Pause 1:1.

Vier Gegentore in 15 Minuten

„Die erste Halbzeit war klasse. Auch Anfang der zweiten Halbzeit hatten Uli Hoeneß und ich auf der Bank ein gutes Gefühl“, berichtete Klinsmann. Letztlich führten „fatale, individuelle Fehler“ der Münchner zur Niederlage, die das VfL-Sturmduo Edin Dzeko (63., 65.) und Grafite (74., 77.) mit vier Treffern innerhalb von 15 Minuten besiegelte. „Die Gegentore haben nichts mit taktischer oder qualitativer Orientierung zu tun. Sie haben rein mit Konzentration, Disziplin und Aufopferungsbereitschaft zu tun“, meinte Klinsmann, „das ärgert mich maßlos.“

Vor allem den Willen, den „inneren Schweinehund“ zu besiegen, vermisste der FCB-Trainer bei seiner Elf. „Was mich richtig wütend gemacht hat, war, dass die Mannschaft nach dem 1:3 aufgegeben hat“, sagte er, „ich muss mich quälen und zerreißen können, auch wenn mal ein schlechter Tag da ist und die Beine schwer sind.“

Keine Angst vor Barcelona

Ganz genau wird Klinsmann in den kommenden Wochen beobachten, wie sich seine Mannschaft präsentiert, sowohl in der Champions League als auch in der Bundesliga. „Die Spieler müssen wissen, dass es irgendwann Konsequenzen geben kann“, kündigte er eine personelle Bilanz nach der Saison an. „Wir werden mit jedem einzelnen Spieler ins Gericht gehen: Wer hat was für den FC Bayern geleistet?“

Am Mittwoch steht für Klinsmann und seine Mannschaft aber erst einmal wieder Champions League auf dem Programm. Der FCB tritt zum Viertelfinal-Hinspiel beim FC Barcelona an. Vor dieser Aufgabe ist dem Bayern-Trainer trotz der 1:5-Niederlage von Wolfsburg nicht bange. „Ich habe keine Angst vor Barcelona“, sagte er, „die Spieler wissen: Da schaut die ganze Welt zu. Da wollen sie sich beweisen und zeigen, was sie drauf haben.“ Die gleiche Einstellung erwartet Klinsmann auch drei Tage später. Dann geht es in der Bundesliga gegen Eintracht Frankfurt.

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