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Vier Wochen Trainer-Test

Scholl will täglich dazulernen

Als Mehmet Scholl das Studio von FCB.tv betrat, schaute er gespannt auf die beiden Fernsehbildschirme. Dort liefen Bilder vom Vortag, als der ehemalige Bayern-Profi sein erstes Training bei der zweiten Mannschaft des Rekordmeisters leitete. Es dürfte das erste Mal gewesen sein, dass der Ex-Fußballprofi Scholl Fernsehbilder über den Fußballtrainer Scholl gesehen hat.

Seit einigen Monaten schon coacht Scholl die U13 des FCB, in der auch sein Sohn mitspielt. Am Dienstag nun betrat er die „große“ Fußballbühne, als er die Arbeit als Vertretung des bis zum Saisonende zu den Profis aufrückenden Hermann Gerlands aufnahm. „Ich habe nicht lange überlegen müssen“, sagte Scholl, als er vom Bayern-Vorstand das Angebot für die neue Aufgabe erhielt: „ Ich helfe dem Verein dadurch, und für mich ist es eine willkommene Gelegenheit, dazuzulernen.“

Knapp vier Wochen wird Scholl nun einen Art Trainerpraxis-Testkurs bei Bayerns Drittligamannschaft absolvieren. „Das ist ein ganz anderer Beruf, wie ich ihn vorher hatte. Ich stehe jetzt auf der anderen Seite“, sagte Scholl. Er sammle Erfahrungen mit Trainingsaufbau, Gruppendynamik und Mannschaftsführung - „das sind alles Sachen, über die ich mir als Spieler keine Gedanken gemacht habe. Man ist morgens zum Training gekommen und die Trainer haben einem gesagt, was zu tun war. Dass die sich zuhaue stundenlang vorbereitet haben, das war doch mir egal.“

Jetzt trägt Scholl die Verantwortung für das, was auf dem Trainingsplatz passiert, und genau das will er auch. „Ich lerne täglich dazu und es macht Freude, mit jungen, willigen Menschen zusammen zu arbeiten, die noch nicht viel erreicht haben, aber viel erreichen wollen. Das sind die besten Voraussetzungen, um als Trainer, dazuzulernen.“

Scholl mit drei Jobs

Dazulernen - immer wieder benutzt Scholl dieses Wort. „Diese vier Wochen sind für mich sehr wichtig, dem ordne ich alles unter.“ Nach seinem Karriereende vor zwei Jahren suchte der Champions-League-Sieger von 2001 erst mal Abstand vom Fußballgeschäft, dem er als Spieler zuletzt eher kritisch gegenüber gestanden war. Seit der EM letzten Jahres tritt Scholl bei wichtigen Spielen in der ARD als Experte auf. Und auch in Sachen Musik wollte der 38-Jährige aktiv werden.

„Momentan mache ich drei Jobs: Ich bin hier beim FC Bayern, beim Bayrischen Rundfunk und bei der ARD angestellt. Alle drei Dinge machen mir Spaß. Bisher war es in meinem Leben immer so: von allem, was parallel beginnt, bleibt nur eines übrig“, berichtet Scholl, der im Sommer den Trainer-A-Schein machen will, sich aber noch nicht sicher ist, wie es mit ihm weitergeht: „Ich bin am Anfang meines Weges und ich bin auch noch nicht ganz schlüssig, in welche Richtung das zu 100 Prozent laufen wird.“ Fest steht nur: Scholl will seinen eigenen Weg gehen.

Als Trainer hat er aber durchaus Vorbilder. „Drei Trainer haben mich als Spieler geprägt. In erster Linie Trapattoni und Hitzfeld und dann Magath. Von Trapattoni habe ich gelernt, auf Details Wert zu legen, zum Beispiel das ein technischer Fehler auf dem Platz kein Fehler ist, ein taktsicher aber ein großer.“ Ottmar Hitzfeld habe ihn in Sachen „Menschenführung“ geprägt, „von der Taktik, eigentlich von allem. Und von Felix Magath, wie ich eine Mannschaft auf den Punkt topfit bekomme. Er hat am Ende meine Karriere gerettet.“

Scholls-Trainerstil: liebevoll konsequent

Auch wenn Scholl als Spieler gerne mal der Spaßvogel war, als Trainer will er einen anderen Stil pflegen: „Liebevoll konsequent. Es geht nur mit Abstand und Respekt .“ Von seinen Spielern lässt er sich Siezen. Peinlichst genau will er darauf achten, „dass alles von der Sache richtig ist, wie ich was im Training mache. Der Fußballer Scholl ist bei den Jungs sicherlich anerkannt, aber wenn ich ihnen kompletten Käse erzähle, dann würden die Ruck-Zuck merken: Da sitzt ein Trainer, der überhaupt gar keine Ahnung hat. Dann geht der Respekt flöten.“

Am Freitagabend in Erfurt wird Scholl das erste Mal als Trainer der Bayern-Amateure in der Pflicht stehen. „Ich setzte mir keinen Ergebnisdruck“, sagte Scholl, „sondern mir ist es wichtig, Spieler zu entwickeln und weiter zu bringen - ihnen einfach Hilfestellung zu geben.“ Doch 15 Jahre als Profi beim FC Bayern haben ihn natürlich geprägt, „da will man nicht mal ein Trainingsspiel verlieren". Scholl sagte: „Es würde mir schon schwer zu schaffen machen, wenn wir da gleich verlieren würden.“

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