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Endspiel um Platz zwei

Bayern haben es in der eigenen Hand

Uli Hoeneß zückte die grüne Karte. Nicht die rote für den FC Bayern oder die weiße für den VfB Stuttgart, sondern die grüne für den VfL Wolfsburg. Hunderte Studiogäste und millionen Fernsehzuschauer wurden Zeuge, als sich Uli Hoeneß am Samstagabend im „aktuellen Sportstudio“ des ZDF festlegte: Wolfsburg wird Meister.

„Man muss klar sagen, dass Wolfsburg mit dem phänomenalen Sieg heute eine Vorentscheidung herbeigeführt hat“, sagte der FCB-Manager. Und auch sein Vorstandskollege Karl-Heinz Rummenigge meinte: „Es sieht sehr gut für Wolfsburg aus. Es reicht ihnen ein Unentschieden und ich denke, diesen Punkt werden sie gegen Bremen machen. Ich glaube nicht, dass sie sich das noch nehmen lassen.“

Nach dem vorletzten Spieltag haben die Bayern die Meisterschaft also so gut wie abgehakt. „Unsere Titelchancen liegen bei drei bis fünf Prozent“, sagte Hoeneß nach dem 2:2 bei der TSG Hoffenheim. Tabellenführer Wolfsburg hat durch ein 5:0 in Hannover jetzt zwei Punkte plus die bessere Tordifferenz Vorsprung vor dem FCB, der punktgleich mit dem Dritten Stuttgart auf Platz zwei liegt. Einen Punkt dahinter lauert Hertha BSC Berlin.

Der Blick der Bayern richtet sich vor dem letzten Spieltag daher weniger nach oben als nach unten. „Wir können auch noch Vierter werden“, warnte Hoeneß und Rummenigge forderte: „Wir müssen am Samstag diesen zweiten Platz verteidigen.“ Im direkten Duell mit Stuttgart hat es der Rekordmeister in der Allianz Arena in der eigenen Hand, das Minimalziel direkte Champions-League-Qualifikation zu erreichen.

'Müssen in die Champions League'

Auch in der kommenden Saison in der „Königsklasse“ zu spielen, sei „extrem wichtig“ für den FC Bayern, betonte Rummenigge. „Vom Image her, aber auch von den Finanzen“, sagte der FCB-Vorstandschef, „wir wollen an der Champions League teilnehmen, wir müssen an der Champions League teilnehmen und ich bin überzeugt, dass wir auch an der Champions League teilnehmen werden.“

Das Spiel in Hoffenheim bekräftigte die Bayern trotz der Punkteteilung in dieser Meinung. „Das war von beiden Seiten Werbung für den Fußball“, meinte Trainer Jupp Heynckes, der im vierten Spiel unter seiner Regie wieder eine Steigerung seiner Mannschaft feststellte. „Es ist eigentlich schade, dass die Saison jetzt zu Ende geht.“

Bayerns alte Krankheit

Franck Ribéry belohnte in Hoffenheim eine starke Anfangsphase der Bayern mit dem Führungstreffer (16. Minute). „Da waren wir diszipliniert und haben uns auf spielerisch höchstem Niveau präsentiert“, sagte Heynckes. Es folgten allerdings „15 Minuten, in denen wir im Defensivverhalten zu unaufmerksam waren. Und dann braucht man sich nicht zu wundern, wenn man gegen eine so gute Offensivabteilung, wie sie Hoffenheim hat, in Rückstand gerät.“

Demba Ba (21.) und Carlos Eduardo (28.) trafen für die Gastgeber. „Bevor Hoffenheim das 2:1 gemacht hat, hatten wir zwei, drei hundertprozentige Chancen, haben sie aber nicht gemacht“, ärgerte sich Hoeneß, „und wenn du dann gegen stark spielende Hoffenheimer 1:2 zurückliegst, musst du am Ende froh sein, wenn du unentschieden spielst.“ Luca Toni (44.) köpfte kurz vor der Halbzeit den Ausgleich für den FCB.

Fehlender Killerinstinkt

Mehr Treffer wollten den Bayern an diesem Nachmittag trotz guter Möglichkeiten allerdings nicht gelingen. „Wir haben die alte Krankheit der letzten Wochen gesehen“, meinte Hoeneß zur mangelnden Chancenverwertung, „das war schon gegen Mönchengladbach, Cottbus und Leverkusen so.“ Auch Bastian Schweinsteiger war „sauer“ und „enttäuscht, dass wir hier zwei Punkte liegen gelassen haben. Früher hatten wir oft den Killerinstinkt, der hat heute gefehlt. Das Spiel heute spiegelt die ganze Saison wider.“

Trotzdem sind die Bayern überzeugt, dass diese Spielzeit zu einem positiven Abschluss kommen wird. „Wir haben heute gezeigt, dass die Mannschaft ganz gut drauf ist“, sagte Rummenigge. Schweinsteiger kündigte vollen Einsatz im „Endspiel“ gegen Stuttgart an: „Bayern muss in die Champions League, dafür werden wir nächste Woche alles tun. Es geht um extrem viel für den Klub, dessen muss sich jeder Spieler bewusst sein.“ Philipp Lahm ergänzte: „Keiner will im UEFA-Cup kicken.“

Rathausbalkon nicht gemietet

Aber wer weiß, vielleicht gibt es ja am letzten Spieltag noch „ein Wunder“ (Lukas Podolski) und der FC Bayern wird Meister. So wie 2000, als am letzten Spieltag Tabellenführer Leverkusen in Unterhaching verlor und Bayern doch noch den Titel holte. „Wir werden den Rathausbalkon nicht mieten, das haben wir auch 2000 nicht gemacht“, sagte Rummenigge.

Gratulationen zur Meisterschaft schickten die Bayern jedenfalls noch nicht nach Wolfsburg. „Glückwünsche sollte man erst dann aussprechen, wenn sie mathematisch sicher sind“, sagte der FCB-Vorstandschef. Und Hoeneß erklärte, wie es doch noch mit dem Titel klappen könnte: „Wir müssten gegen Stuttgart gewinnen und Wolfsburg zu Hause gegen Bremen verlieren.“ Nur zu gerne registrierte der Manager, dass viele Zuschauer im ZDF-Studio die rote Karte zückten.

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