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Noch zweimal Nervenkitzel

FCB mit 'Aufwind' ins Herzschlagfinale

Wolfsburg 63 Punkte, Bayern 63, Hertha 62 - der spannendste Titelkampf in der Bundesligageschichte spitzt sich immer mehr auf ein Herzschlagfinale zu. Am drittletzten Spieltag gewann der FC Bayern am Dienstagabend 3:0 (0:0) gegen Leverkusen, aber Wolfsburg wahrte zeitgleich durch einen 3:0-Erfolg gegen Dortmund seinen 2-Tore-Vorsprung vor dem FCB. Einen Punkt dahinter lauert weiter Hertha BSC Berlin (2:1 in Köln). „Es hat sich nichts geändert“, stellte Uli Hoeneß fest. Jupp Heynckes verdeutlichte: „Keiner darf sich eine Blöße geben. Wer jetzt ein Spiel verliert, wird im nächsten Jahr vielleicht im UEFA-Cup spielen.“

Das Wort Meisterschaft ist beim FC Bayern daher weiterhin tabu. „Auf jeden Fall Champions League“ gab Hoeneß erneut als oberstes Ziel aus. „Meine Lederhose hängt im Moment in Gladbach im Schrank“, denkt auch Heynckes noch nicht an eine Meisterfeier. „Alle Rechnereien und Spekulationen sind völlig fehl am Platz“, betonte der FCB-Interimscoach nach dem dritten Sieg im dritten Spiel unter seiner Regie. „Wir müssen uns, wie bisher, nur auf das nächste Spiel konzentrieren.“ Und punkten, so wie gegen Leverkusen.

Da stimmte die Bayern vor allem die zweite Halbzeit froh. In den ersten 45 Minuten lief hingegen nicht viel zusammen beim FCB. Das lag zum einen am Gegner (Hoeneß: „Leverkusen hat sehr stark gespielt.“), zum anderen an den Bayern selbst. „Wir waren sehr nervös - das ist aber normal, weil der Druck jetzt größer wird“, meinte der Manager. Zusätzliche „Konfusion“ (Heynckes) entstand durch den kurzfristigen Ausfall von Hamit Altintop, wodurch Lucio auf der ungewohnten Rechtsverteidigerposition spielen musste.

Heynckes war froh, „dass wir mit 0:0 in die Kabine kamen.“ Die Pause nutzte der Cheftrainer für ein paar klärende Anweisungen. Die Unordnung im Defensivspiel, die zu großen Abstände zu den Gegenspielern, die fehlende Präzision im Spielaufbau sprach Heynckes in der Kabine an. „Und vor allem, dass wir erst einmal weiter zu null spielen müssen“, erzählte er, „ich weiß: Wenn wir defensiv gut stehen, wenn wir Ordnung und Disziplin haben, geht nach vorne immer etwas. Da haben wir hervorragende Fußballer, die das Spiel entscheiden können.“

Und so kam es. Luca Toni (47. Minute), Franck Ribéry (59.) und der bestens aufgelegte Lukas Podolski (71.) schossen einen klaren Sieg des FCB heraus. „In der zweiten Halbzeit hat die Mannschaft nicht nur drei schöne Tore erzielt, sondern auch hervorragend kombiniert. Wir haben das Spiel nicht nur kontrolliert, wir haben das Spiel diktiert“, lobte Heynckes sein Team.

Nur einen Kritikpunkt hatte der Trainer nach dem Schlusspfiff: die vielen vergebenen Torchancen. „Es ist schade, dass die Mannschaft es noch nicht versteht, aus der Vielzahl von Chancen mehr Tore zu erzielen“, sagte er. Auch Hoeneß bemängelte „Torchancen in Hülle und Fülle“, die ungenutzt blieben. „Wenn es 6:0 oder 8:0 ausgegangen wäre, hätte sich keiner beschweren können.“

FCB 'im Aufwind'

Mehr als drei Tore gelangen den Bayern an diesem Abend aber nicht - was erwähenswert ist, weil dem FCB im Titelkampf diese Tore am Ende fehlen könnten. „Wenn man durch das Torverhältnis die Meisterschaft verliert, würde ich mich sehr ärgern. Das wäre fatal, weil dann haben wir es selber vergeigt“, sagte Hoeneß angesichts der nicht genutzten Chancen gegen Leverkusen oder drei Tage zuvor in Cottbus.

Am 23. Mai, um 17.15 Uhr, wenn die Saison abgepfiffen wird, zählen aber zuerst einmal die Punkte. „Ich glaube nach wie vor, dass die Meisterschaft nicht durch das Torverhältnis entschieden wird, sondern durch Punkte“, meinte der Bayern-Manager. Sechs gibt es in den verbleibenden zwei Spielen noch zu holen, sechs will der FC Bayern haben. „So wie wir in der zweiten Halbzeit gespielt haben, können wir unsere Spiele gewinnen“, ist Heynckes überzeugt. Denn: „Die Spieler haben wieder Spaß am Fußball. Der FC Bayern ist im Aufwind.“

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