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Lukas Podolski im Interview

'Habe mich enorm weiterentwickelt'

Die ersten Umzugskartons sind bereits gepackt. Am Samstag wird Lukas Podolksi zum letzten Mal im Trikot des FC Bayern in der Allianz Arena auflaufen. Nach drei Jahren in München mit Höhen und Tiefen wechselt die „kölsche Frohnatur“ in diesem Sommer zurück zu seinem Heimatklub 1. FC Köln. „Ich habe beim FC Bayern einen unglaublich großen Schritt nach vorne gemacht und mich als Mensch und Fußballer enorm weiterentwickelt“, zog der 23-jährige Nationalstürmer im Interview mit fcbayern.de ein positives Fazit seiner Münchner Zeit..

Das Interview mit Lukas Podolski

fcbayern.de: Lukas, wie empfindest Du Deine letzten Tage hier beim FC Bayern?
Lukas Podolski: „Für den Weg von meinem Haus am Pilsensee an die Säbener Straße braucht man knapp eine halbe Stunde. Da ist mir heute durch den Kopf gegangen: Das ist jetzt das vorletzte Mal, dass ich zum Training fahre. Da ist man schon traurig. Ich bin jetzt drei Jahre hier in München, da habe ich zur Stadt und dem Verein schon eine enge Beziehung aufgebaut. Ich habe München ein bisschen lieb gewonnen, es war für mich und meine Familie eine schöne Zeit.“

fcbayern.de: Das heißt, Du wirst einiges hier vermissen?
Podolski: „Klar, besonders die Mannschaft. Es war nicht einfach für mich, als ich vor drei Jahren als junger Kerl hierher gekommen bin. Ich habe bis dahin mein ganzes Leben in Köln verbracht und komme dann in eine ganze neue Welt. Aber als ich mich eingelebt hatte, was es echt super hier.“

fcbayern.de: Warum hast Du eigentlich so weit außerhalb gewohnt?
Podolski: „Ich habe auch in Köln außerhalb bei meinen Eltern gewohnt. Ich fahre gerne Auto und da ist es mir egal, ob ich 15 oder 30 Minuten im Auto sitze. Außerdem hatte ich ein tolles Haus am See und mit meinem Sohn war es dort echt überragend.“

fcbayern.de: Du sagst, heute Morgen bist Du ein bisschen wehmütig im Auto nach München gesessen. Wie oft war auf Deinen Fahrten auch Frust dabei?
Podolski: „Ich denke, meine Zeit in München war geprägt von Höhen und Tiefen. Da brauche ich gar nicht drum herum zu reden. Es gab schwierige Zeiten, in denen ich nicht so viel gespielt habe und viele Rückschläge einstecken musste. Und dazwischen konnte ich wieder mal drei, vier Spiele am Stück machen, habe die Meisterschaft gewonnen und war beim Pokalfinale dabei. Das erlebt ja auch nicht jeder Fußballer.“

fcbayern.de: Das heißt, Deine Entscheidung, vor drei Jahren zum FC Bayern zu wechseln, war die richtige?
Podolski: „Auf jeden Fall. Wenn man Erfolg haben will, ist Bayern die richtige Adresse. Das ist der beste Verein in Deutschland. Man wird in jedem Training gefordert und kann von Leuten wie Franck Ribéry, Luca Toni oder Miroslav Klose viel lernen. Ich habe beim FC Bayern einen unglaublich großen Schritt nach vorne gemacht und mich als Mensch und Fußballer enorm weiterentwickelt. Es gibt Leute, die sagen, Lukas Podolski ist beim FC Bayern gescheitert, aber das sehe ich überhaupt nicht so. Ich habe sehr viele Erfahrungen sammeln können und sehr viel gelernt.“

fcbayern.de: Würdest Du rückblickend auch Fehler eingestehen?
Podolski: „Wenn es für einen Spieler nicht läuft, gehören immer beide Seiten dazu. Ich kann ja nicht sagen, nur die Trainer haben Fehler gemacht. Sicherlich hätte auch ich das eine oder andere anders machen können, aber darüber möchte ich jetzt nicht mehr nachdenken. Die Entscheidung, nach Köln zurück zu gehen, steht seit Januar fest und ich hatte genügend Zeit, mich auf den Abschied vorzubereiten.“

fcbayern.de: In den letzten Wochen ist es richtig gut für Dich gelaufen. Du hast vier Mal von Beginn an gespielt und dabei zwei Tore gemacht und fünf Vorlagen gegeben.
Podolski: „Für einen Fußballer ist es wichtig, 90 Minuten auf dem Platz zu stehen und sich mit dem Gegner zu messen. Wenn man für 10, 15 Minuten eingewechselt wird, ist es schwierig, etwas zu zeigen. Ich habe mich gefreut, dass ich jetzt noch mal zeigen konnte, was in mir steckt.“

fcbayern.de: Ist es nicht kurios, dass erst der Rheinländer Heynckes den Kölner „Prinz“ Poldi beim FCB so richtig wachgeküsst hat?
Podolski: „Ich habe viele Gespräche mit ihm gehabt, er hat mir Mut zugesprochen und ich habe mir im Training das nötige Selbstvertrauen geholt. Und beginnend mit dem Spiel gegen Gladbach lief es für mich und die Mannschaft immer besser.“

fcbayern.de: Hättest Du Deine Entscheidung anders getroffen, wenn Heynckes schon früher dagewesen wäre?
Podolski: „Ach, was wäre wenn und aber... vielleicht hätte ich mir ein paar andere Gedanken gemacht, aber die Entscheidung stand ja schon viel früher fest. Ich kam im Sommer von einer guten EM mit viel Elan zum FC Bayern zurück und wollte unter dem neuen Trainer noch mal angreifen, habe dann aber ständig auf der Bank gesessen. Das war Gift für mich. Ich bin einer, der Spaß am Fußball braucht, der wurde mir genommen. Das musste ich ändern. Daher war die Entscheidung, am Ende der Saison nach Köln zu gehen, die richtige.“

fcbayern.de: Samstag läufst Du das letzte Mal als Bayern-Spieler in die Allianz Arena ein.
Podolski: „Das wird bestimmt ein emotionaler Moment für mich. Aber ich glaube nicht, dass es Tränen geben wird. Die hatte ich damals in Köln auch nicht. Aber ich hoffe auf einen guten Abschied.“

fcbayern.de: Was wäre ein guter Abschied für Dich?
Podolski: „Am besten natürlich auf Platz eins. Aber wichtig ist erst mal, dass wir unser Spiel gegen Stuttgart gewinnen, das wird schwer genug. Und dann hängt es an den Bremern. Ich möchte mich mit einem Sieg verabschieden, auf dass der FC Bayern in der nächsten Saison sicher in der Champions League dabei ist.“

fcbayern.de: Du wirst dann in Köln sein. Die Erwartungshaltung der FC-Fans an Dich ist schon jetzt riesig.
Podolski: „Ich bin auch nur ein Teil der Mannschaft. Der Verein und ich haben uns Ziele gesteckt, dafür muss die Mannschaft noch weiter verstärkt werden. Aber natürlich möchte ich eine wichtige Rolle spielen, Köln nach vorne zu bringen. Und vielleicht kann ich ja ein bisschen vom bayrischen Sieger-Gen nach Köln mitbringen.“

Das Interview führte: Dirk Hauser

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