präsentiert von
Menü
Jörg Butt im Interview

'Hier zählen nur Titel'

Jörg Butt ist kein Torwart, wie man ihn kennt. Zum einen gilt der 34-Jährige zwar als einer der Wortführer innerhalb der Mannschaft, äußert sich im Gegensatz zu vielen Kollegen seiner Zunft jedoch stets bedacht und wohltuend unaufgeregt - laute Töne wird man von ihm in der Öffentlichkeit nie hören. Das macht sympathisch und ist neben seinen zuletzt gezeigten Leistungen wohl auch ein Grund dafür, warum ihn die Bayern-Fans zum „Spieler des Monats April“ gewählt haben.

Auch in einer anderen Rangliste steht er ganz oben, wo man einen Keeper nicht erwarten würde: 30-Mal trat er in der ersten Liga bislang zum Elfmeter an, 26 Strafstöße davon verwandelte er - kein anderer aktueller Bundesligaprofi war so oft vom Punkt erfolgreich. Und Butt wäre unter gewissen Voraussetzungen bereit für mehr, wie er im Interview mit fcbayern.de klarstellt: „Wenn der Trainer es wünscht, dann schieße ich.“ Aufdrängen würde er sich freilich nie…

Das Interview mit Jörg Butt

fcbayern.de: Jörg, wenige Tage nach dem Saisonfinale wirst Du 35 Jahre alt. Feierst Du den Geburtstag als Deutscher Meister?
Jörg Butt: „Das wäre natürlich ein tolles Geburtstagsgeschenk, erstmals Deutscher Meister zu werden. Dafür werden die Mannschaft und ich alles geben.“

fcbayern.de: Bis dahin gibt es aber noch einiges zu tun, zum Beispiel am Dienstagabend gegen Deinen ehemaligen Verein Bayer Leverkusen. Für Dich ein besonderes Spiel?
Jörg Butt: „Ich war sechs Jahre da und insgesamt war es eine sehr erfolgreiche Zeit. Letztendlich ist es aber uninteressant, gegen wen wir spielen, für mich zählt jetzt nur der Erfolg mit dem FC Bayern. Ich war ja ein Jahr im Ausland, bin jetzt fast ein Jahr hier, von daher ist Leverkusen relativ weit weg.“

fcbayern.de: Uli Hoeneß hatte nach dem Trainerwechsel eine Aufbruchstimmung gefordert. Ist das bei der Mannschaft angekommen?
Butt: „Ich denke, das konnte man in den Spielen gegen gegen Mönchengladbach und in Cottbus schon sehen. Der Optimismus ist gestiegen, es ist tatsächlich eine Aufbruchstimmung in der Mannschaft zu erkennen, der Glaube an eine sehr gute Saison ist noch da.“

fcbayern.de: Seit dem Spiel in Barcelona stehst Du als Nummer eins zwischen den Pfosten. Du hast gesagt, der Torwartwechsel kam damals für Dich nicht überraschend. Warum?
Butt: „Ich habe gesagt, der Wechsel kam für mich nicht so überraschend wie für Außenstehende. Viele haben mich als klare Nummer zwei gesehen, das war ja auch die Ausgangslage. Aber ich glaube, dass wohl kaum jemand mein Leistungsvermögen richtig einschätzen konnte. Ich war ein Jahr lang aus der Bundesliga weg, habe in Lissabon wenig gespielt und wurde dann bewertet. Aber ich wäre doch nicht zu Bayern gekommen, wenn ich mir nicht zugetraut hätte, hier auch zu spielen.“

fcbayern.de: Hast Du vor dem Spiel in Barcelona geahnt, dass Du drankommen würdest?
Butt: „Der Moment war überraschend, ganz klar. Aber nicht der Umstand an sich. Wie gesagt, ich habe mir von Anfang an zugetraut, beim FC Bayern im Tor zu stehen, trotz der Umstände in Leverkusen und Lissabon. Die meisten Leute wissen ja gar nicht, warum ich damals nicht gespielt habe.“

fcbayern.de: Warum?
Butt: „Die Verantwortlichen in Leverkusen hatten schon länger geplant gehabt, René Adler irgendwann spielen zu lassen, es fehlten aber aufgrund meiner Leistungen die Argumente für einen Wechsel. Dann habe ich in einem Spiel eine Rote Karte gekriegt, René hat gut gehalten und der Verein seine Chance genutzt, ihn weiter spielen zu lassen. In Lissabon hat neben mir der portugiesische Nationaltorwart Quim gespielt, der ohne Verletzung kurz vor der EM 2008 in Österreich und der Schweiz gespielt hätte. Im Ausland ist es dann schwierig sich durchzusetzen, weil du bei Null anfängst. Die Auslandserfahrung hat mich persönlich, aber auch sportlich weiter gebracht.“

fcbayern.de: Zurück zum Spiel gegen Leverkusen: Wie bewertest Du das Auftreten des jungen Teams bislang?
Butt: „Leverkusen hat eine sehr, sehr gute Hinrunde gespielt. Technisch waren die Bayer-Mannschaften immer gut, da waren im Herbst schon einige ganz starke Auftritte dabei. Doch in der Rückrunde kam der Einbruch - und dieses Risiko ist bei einer so jungen Truppe immer gegeben.“

fcbayern.de: Gibt’s noch Beziehungen nach Leverkusen?
Butt: „Mit Simon Rolfes habe ich Kontakt, außerdem zu einigen Mitarbeitern von Bayer 04. Zu den anderen Spielern, die damals schon da waren, habe ich auch aufgrund des Alters keinen regelmäßigen Kontakt.“

fcbayern.de: Was ist der Unterschied - nicht bei den Erfolgen - zwischen Bayern und Bayer 04?
Butt: „Hier beim FC Bayern herrscht eine ganz andere Denkweise. Der ganze Verein ist auf Erfolg ausgerichtet, hier zählen nur Titel. Jeder erwartet die Meisterschaft und dass du jedes Spiel gewinnst, du kannst dir keinen Ausrutscher erlauben. In Leverkusen haben wir gegen starke Mannschaften oft gut ausgesehen und mitreißend gespielt, aber dafür gegen die Kleinen oft Schwierigkeiten gehabt und verloren.“

fcbayern.de: Franck Ribéry hat in Cottbus einen Elfmeter verschossen. Du bist bekanntermaßen ein sicherer Schütze - schießt Du den nächsten, vielleicht gegen Bayer?
Butt: „Wenn es vom Trainer und der Mannschaft gewünscht wird, dann trete ich an, aber ich werde mich sicher nicht aufdrängen. Ich wollte mich nie als Elfmeterschütze profilieren, das hat sich einfach immer so ergeben, wenn kein anderer schießen wollte. Ich weiß natürlich, dass es Interesse weckt, wenn ein Torwart die Elfmeter schießt, aber für mich hat das keine große Bedeutung. Doch wenn der Trainer will, dass ich Verantwortung übernehme, dann mache ich das.“

Weitere Inhalte