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Markus Babbel im Interview

'Platz zwei ist noch realistisch'

Markus Babbel weiß, wie man im Fußball erfolgreich ist. Als 10-Jähriger kam er zum FC Bayern und lernte schnell kennen, was es heißt, für diesen Klub zu spielen, bei dem nur der Erfolg zählt. Als Profi absolvierte er 182 Bundesligaspiele (9Tore) für den FCB und gewann dabei drei Meisterschaften, 1996 den UEFA-Cup und zwei Mal den DFB-Pokal. 2000 verließ Babbel seine Geburtsstadt München und setzte seine Karriere in England fort.

2004 kehrte er in die Bundesliga zurück. Nach drei Jahren beim VfB Stuttgart beendete er 2007 die Spielerkarriere mit seinem vierten deutschen Meistertitel. Babbel wurde zunächst Co-Trainer in Stuttgart, ehe er im November letzten Jahres Armin Veh als Chefcoach ablöste. Seitdem verlor seine Mannschaft nur ein einziges von 19 Bundesligaspielen, der VfB kletterte von Platz elf bis auf Platz drei.

Am Samstag möchte Babbel nun ausgerechnet beim FC Bayern die Saison mit dem Einzug in die Champions League krönen. „Der zweite Platz ist noch realistisch, auch wenn das Spiel beim FC Bayern eine Herkulesaufgabe für uns wird. Wenn wir aber an die Leistungen der letzten Wochen anknüpfen, wird es auch für den FC Bayern schwer, uns zu schlagen“, sagte Babbel im Interview mit fcbayern.de.

Das Interview mit Markus Babbel

fcbayern.de: Hallo Herr Babbel, mit welchen Erwartungen gehen Sie in das Saisonfinale?
Markus Babbel: „Dass es sicherlich noch mal sehr spannend wird. Von der Meisterschaft wollen wir nicht träumen, das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Da muss schon viel zusammenkommen, dass Wolfsburg sich das noch nehmen lässt, zumal Gegner Bremen zwischen zwei Pokalendspielen dahin fährt. Aber der zweite Platz ist noch realistisch, auch wenn das Spiel beim FC Bayern eine Herkulesaufgabe für uns wird. Wenn wir aber die Leistungen der letzten Wochen anknüpfen, wird es auch für den FC Bayern schwer, uns zu schlagen.“

fcbayern.de: Was sagen Sie zu den Aussagen von Jens Lehmann? Er dürfte damit für zusätzliche Brisanz gesorgt haben.
Babbel: „Jens weiß immer ganz genau, was er tut. Er ist druckresistent, er ist dem gewachsen. Außerdem wird er nie ein Publikumsliebling beim FC Bayern sein. Und ich sehe bei weitem nichts Schlimmes an seinen Aussagen.“

fcbayern.de: Wie entscheidend wird es am Samstag sein, wer die besseren Nerven hat?
Babbel: „Das wird mit Sicherheit eine Rolle spielen. Wir wissen, dass wir hochkonzentriert sein müssen und uns wenig Fehler erlauben dürfen, aber wir müssen auch mit einem Schuss Lockerheit in das Spiel gehen. Es besteht kein Grund, zu verkrampfen, wir können befreit aufspielen. Wir wollen gewinnen, aber Bayern muss gewinnen. Anderseits weiß gerade ich sehr gut, dass der FC Bayern unter Druck sehr stark ist.“

fcbayern.de: Spielt das mit 1:5 verlorene Pokalspiel im Januar für Sie am Samstag noch eine besondere Rolle?
Babbel: „Das war das erste Spiel nach der Winterpause, keiner wusste genau, wo er steht. Wir hatten wirklich einen schlechten Tag erwischt und haben auch in dieser Höhe verdient verloren. Jetzt haben wir einen guten Lauf und freuen uns auf das Spiel. Unser großes Ziel, unter die erste fünf zu kommen, haben wir schon erreicht. Dafür hat die Mannschaft Sensationelles geleistet. Jetzt gilt es nur, noch einmal die gezeigten Leistungen der letzten Wochen zu bestätigen.“

fcbayern.de: Was bedeutet es für Sie persönlich als gebürtiger Münchner, dieses Endspiel jetzt beim FC Bayern zu haben?
Babbel: „Ich bin jetzt schon so lange weg vom FC Bayern, da ist das eigentlich nichts Besonderes mehr. Natürlich sind Spiele gegen den FCB ein Highlight, aber das sind sie für alle Spieler und Vereine, nicht nur für die Ex-Münchner. Unter dieser Konstellation jetzt in München zu spielen, ist für uns nach dieser langen Aufholjagd aber schon der Wahnsinn. Damit hat vor Wochen niemand gerechnet, da waren wir noch meilenweit von diesen Plätzen entfernt.“

fcbayern.de: Wie groß ist der Anteil von Markus Babbel am Erfolg des VfB?
Babbel: „Ich versuche der Mannschaft, mit meiner Erfahrungen nur Hilfestellung zu geben. Wir wollen den Spieler immer wieder klarmachen, welches Potenzial in ihnen steckt, wenn sie als eine Mannschaft auf dem Platz agieren. Denn wenn wir unser Kräfte bündeln können, gibt es nicht viele Mannschaften, die besser sind als wir.“

fcbayern.de: Beim FC Bayern spricht man oft vom berühmten Siegergen. Kann man das in andere Klubs mitnehmen?
Babbel: „Ich habe 16 Jahre für den FC Bayern gespielt, das prägt natürlich. Wenn man als 10-Jähriger ein Hallenturnier spielt und im Halbfinale von der ganzen Halle ausgebuht wird, dann fragt man sich im ersten Moment: Was ist denn da los? Aber daraus entwickelt man schon früh eine gewisse Mentalität nach dem Motto: Denen zeigen wir es erst recht! Und dann bei den Profis war es doch so, dass der zweite Platz nicht genug war. Da zählten nur Titel.“

fcbayern.de: Sollten Sie mit dem VfB in München verlieren, könnte ausgerechnet der Karlsruher SC ihre Mannschaft zumindest die Qualifikation zur Champions League bescheren?
Babbel: „Das wäre doch mal was! Das wäre ein erster Akt zur Normalisierung der Verhältnisse zwischen beiden Fanlagern. Von daher würde es mich freuen, wenn wir Schützenhilfe vom KSC bekämen, aber darauf wollen wir uns nicht verlassen. Wir haben nichts zu verschenken und wollen mit aller Macht einen Sieg einfahren.“

Das Interview führte: Dirk Hauser

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