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Tränen statt Titel

FCB-Frauen haben wieder viel vor

Der erhoffte Meisterjubel blieb aus, stattdessen gab es bittere Tränen der Enttäuschung. Wie nahe Glück und Leid im Fußball beieinander liegen, mussten auf tragische Weise die Fußball-Frauen des FC Bayern beim Saisonfinale am eigenen Leib spüren. Trotz des klaren 3:0 (0:0)-Erfolgs beim TSV Crailsheim verpassten die Münchnerinnen aufgrund eines einzigen zu wenig erzielten Tores den Gewinn der Deutschen Meisterschaft, die sich das punktgleiche Team von Turbine Potsdam mit einem 3:0-Sieg gegen den VfL Wolfsburg sicherte.

„Wir waren so nahe dran. Ich glaube wirklich schon, dass wir die Seuche haben“, sagte eine maßlos enttäuschte Karin Danner nach dem Schlusspfiff im Crailsheimer Schönebürgstadion. „Wenn du so lange die Hand an der Schale hast, dann ist das verdammt bitter. Das ist eine ganz herbe Niederlage“, fügte die Team-Managerin der FCB-Frauen an. 3:0 gewonnen und am Ende doch verloren – so lautete aus Münchner Sicht das Fazit des knappsten Titelfinales aller Zeiten.

Nach der 0:4-Heimniederlage vergangene Woche im Nachholspiel gegen UEFA- und DFB-Pokal-Sieger FCR Duisburg gingen die Bayern-Frauen mit der Hypothek von der um einen Treffer schlechteren Tordifferenz im Vergleich zu Spitzenreiter Potsdam ins letzte Saisonspiel beim abgeschlagenen Tabellenschlusslicht. Doch was die Bayern vor 1.650 Zuschauern, darunter gut 1.200 FCB-Fans, auch versuchten, mehr als drei Treffer gegen die schlechteste Abwehr der Liga (79 Gegentore) sprangen nicht heraus.

Das lag in erster Linie an der Crailsheimer Torfrau Kim Kaller, die vor allem in der ersten Halbzeit gleich ein halbes Dutzend Großchancen der Gäste zunichte machte. „Wenn das erste Tor früher gefallen wäre, hätten wir sie abgeschossen“, war sich Danner hinterher sicher. „Wir hätten mindestens 6:0, 7:0 oder 8:0 gewinnen müssen. Wir haben es in der ersten Halbzeit verspielt, wir waren so nah dran.“

Tor wie vernagelt

So dauerte es bis zur 48. Minute, ehe Abwehrspielerin Bianca Rech („Das Tor war wie vernagelt“) den Bann brach und den lange ersehnten Führungstreffer erzielte. Torjägerin Nina Aigner (52.) mit ihrem 17. Saisontreffer und die eingewechselte Nicole Banecki (75.) ließen die weiteren Tore folgen, am Ende jedoch fehlte ein weiterer Treffer, um erstmals nach 33 Jahren den Titel an die Säbener Straße zu holen.

„Wir sind so enttäuscht. Wir wollten unbedingt Meister werden. Wir wollten es wirklich! Jetzt sind wir Verlierer! Jede von uns ist tief enttäuscht und tief verletzt“, brachte es Sylvie Banecki auf den Punkt. „Schlimmer geht es eigentlich gar nicht. Ein Tor mehr geschossen, das hätte alles entschieden. Das ist schon bitter“, meinte auch Mandy Islacker. Und Karin Danner ergänzte: „Wer den Titel um ein Tor verpasst, ist der unglücklichste Mensch der Welt. Ich hoffe, wir können uns wieder aufrichten.“

Tanz auf drei Hochzeiten

Weinend lagen die Spielerinnen von Trainer Günther Wörle, der zu allem Überfluss wegen eine fiebrigen Gallenkolik die Reise nach Crailsheim nicht antreten konnte und von Torwarttrainer Peter Kargus sowie Karin Danner vertreten wurde, auf dem Rasen verteilt und ließen ihrer Enttäuschung über den verpassten Titel freien Lauf. „Sowas habe ich noch nie erlebt, es fühlt sich ganz schön schlimm an“, sagte Rech, bislang einzige Akteurin mit Meistererfahrung im Bayern-Kader.

Am Ende reichte es also „nur“ zur Vize-Meisterschaft, die zugleich zur Teilnahme an der Champions-League-Qualifikation berechtigt. „Der zweite Platz war vor der Saison unser Ziel“, so Danner, „für uns ist es ein Riesenerfolg, international dabei zu sein.“ Mit weiteren Verstärkungen - Nationalspielerin Isabel Bachor und U21-Nationaltorhüterin Kathrin Längert stehen bereits zwei Neuzugänge fest - will der FC Bayern in der kommenden Spielzeit den „Tanz auf drei Hochzeiten“ angehen. Danner: „In der neuen Saison haben wir viel vor.“

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