präsentiert von
Menü
Titel-Vorentscheidung verpasst

FCB-Frauen vor 'Herzschlagfinale'

Der Schock war Günther Wörle in die Beine gefahren. Nach der deftigen 0:4 (0:1)-Niederlage gegen den FCR 2001 Duisburg konnte der Trainer der FCB-Frauen nicht mehr still stehen. „Das kann doch nicht sein“, sagte er und trat unruhig auf der Stelle. „Es ist zum Heulen.“ Anstatt am Mittwochabend eine Vorentscheidung im Kampf um die Meisterschaft herbeizuführen, hat seine Mannschaft die Pole Position im Titelkampf verloren und liefert sich jetzt am letzten Spieltag kommenden Sonntag einen Dreikampf mit Turbine Potsdam und Duisburg um die Meisterschaft.

Dabei hätte es so einfach sein können. Ein Remis im Nachholspiel gegen die Duisburgerinnen hätte den FCB-Frauen gereicht, um am Sonntag mit einem Sieg beim Tabellenletzten in Crailsheim die erste deutsche Meisterschaft seit 33 Jahren perfekt zu machen. So aber kommt es zum „Herzschlagfinale“, wie es Wörle nannte.

Die Ausgangsposition könnte knapper nicht sein: Potsdam führt die Tabelle an, punktgleich mit der um einen Treffer schlechteren Tordifferenz dahinter liegt der FCB, gefolgt von Duisburg, das einen Punkt weniger auf dem Konto hat. Nur wenn die Münchnerinnen am Sonntag in Crailsheim (Hinspiel 4:1) mit einem Tor mehr gewinnen als Potsdam gegen den Tabellensiebten Wolfsburg (Hinspiel 5:1), sind sie sicher Meister.

Über diese „unnötige Spannung“ ärgerte sich Wörle nach der Niederlage gegen den frisch gebackenen UEFA-Cup- und DFB-Pokal-Gewinner Duisburg. „Ich hätte nie gedacht, dass wir mit einem 0:4 nach Hause gehen“, sagte er, „so ein Spiel habe ich von uns in dieser Saison noch nicht gesehen. Mir fehlt die Erklärung.“

'Richtiggehend gelähmt'

Auch Mittelfeldspielerin Tanja Wörle sprach vom „schlechtesten Spiel der Saison. Uns hat das Selbstvertrauen gefehlt, die Leichtigkeit war nicht da.“ Tatsächlich wirkten die Münchnerinnen im mit 3.112 Zuschauern prächtig gefüllten Sportpark Aschheim nach einem Lattenknaller von Nicole Banecki (33. Minute) plötzlich gehemmt und leisteten sich zudem ungewohnte Fehler in der Abwehr, die von der besten Offensive der Liga eiskalt bestraft wurden. Inka Grings (45., 86.), Simone Laudehr (56.) und Vanessa Martini (66.) trafen für Duisburg.

„Es ging einfach gar nichts. Die Mädels wollten, konnten aber nicht. Jeder hat sich versteckt. Der Druck hat uns richtiggehend gelähmt“, meinte Trainer Wörle, der sich aber nicht lange mit der zweiten Saisonniederlage aufhalten will. Erst einmal wolle er „darüber schlafen“, dann gelte es „psychologische Aufbauarbeit zu leisten“. Schon am Sonntag müssen seine Spielerinnen ihre Nerven wieder beinander haben.

'Noch mal aufrappeln'

„Wir dürfen jetzt nicht die Köpfe hängen lassen. Wir müssen uns noch mal aufrappeln und alles geben“, meinte Julia Simic. Banecki tat die Niederlage „richtig weh. Doch wir werden den Kopf hochnehmen und nach vorne schauen.“ Denn noch darf von der ersten Meisterschaft seit 33 Jahren geträumt werden.

Weitere Inhalte