präsentiert von
Menü
Neues Training, neue Rolle

FCB-Torhüter werden zum ersten Angreifer

Es herrschte Hochbetrieb im Fünfmeterraum vor dem Bayern-Tor. Sechs groß gewachsene Gegenspieler tummelten sich auf engstem Raum, sie erwarteten den Ball, der von der rechten Seite heransegelte. Gefährlich senkte sich die Kugel, gerade richtig für einen Kopfball - da gingen zwei Hände dazwischen, fingen den Ball sicher ab. Den Gegenspieler sprang Jörg Butt dabei über den Haufen. In einem echten Spiel würde dem Stürmer die Luft wegbleiben, doch im Training ist das anders. Da sind die Stürmer Luft, umhüllt von einer Plastikfolie, bedruckt mit schwarzen Haaren und einem freundlichen Gesicht. Diese Puppen sind die neuen Sparringspartner im Torwarttraining des FC Bayern.

„Das ist eine gute Möglichkeit, das Flankentraining spielgerechter zu gestalten“, erklärte Walter Junghans fcbayern.de den Zweck der 1,90 Meter großen luftgefüllten Pappkameraden. „Die Puppen sind zwar statisch, aber der Torhüter muss sich trotzdem an ihnen orientieren und wie im Spiel an ihnen vorbeispringen oder -laufen“, sagte der der FCB-Torwarttrainer.

Jörg Butt hält das Training mit den Puppen für „sehr sinnvoll. Das Flankentraining ist so wesentlich spielnäher als ohne Gegenspieler.“ Schon während seiner Zeit in Leverkusen (2001-07) habe er mit ähnlichen Methoden trainiert, berichtete er. Die neuen Sparringspartner beim Flankentraining sind aber nicht die einzigen Neuerungen für die Torhüter des FC Bayern in der neuen Saison.

Denn im Konzept von Chefcoach Louis van Gaal müssen die Torleute ganz besondere Anforderungen erfüllen. „In Holland hat der Torhüter eine etwas andere Rolle als in Deutschland“, sagte Butt, „er wird als elfter Feldspieler gesehen, er soll aktiv am Spiel teilnehmen und die Abwehr unterstützen. Darauf legt Louis van Gaal sehr viel Wert.“

In den vielen Trainingsspielen, die der neue FCB-Trainer bislang in der Vorbereitung bestreiten ließ, ist dieses Torwartspiel gut zu beobachten. Butt und Michael Rensing dirigieren von hinten ihre Abwehrreihen, stehen oft weit vor ihrem Tor, um Bälle frühzeitig abzufangen, und sind als Anspielstation ins Spiel eingebunden. „Louis van Gaal möchte, dass die Torhüter sehr viel mitspielen, dass sie präsent sind, dass sie ihre Abwehrspieler coachen und dahin schieben, wo es richtig ist“, erklärte Junghans.

Und wenn er den Ball hat, soll der Torwart möglichst schnell den Gegenzug einleiten. „Der Torhüter ist der erste Angreifer“, betonte Junghans, der die rasche Spieleröffnung intensiv im Torwarttraining einstudieren lässt. Hat sich der Keeper den Ball im Luftduell gesichert, sprintet er mit zwei, drei schnellen Schritten durch die Gegenspieler und spielt die Kugel dann mit einem präzisen Abwurf oder Abschlag auf die andere Seite zu einem freien Mitspieler. Die Puppen blicken wie angewurzelt hinterher.

Weitere Inhalte