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Aufsteiger

Musterschüler Badstuber bleibt locker

Geographisch gesehen ist er Württemberger, fußballerisch gesehen ein Bayer. „Ich komme aus dem richtigen Schwabenland“, erzählt Holger Badstuber, der in Rot an der Rot, einer 4.000-Seelen-Gemeinde knapp jenseits der bayerisch-württembergischen Grenze aufgewachsen ist. Bis 2002 spielte er in der Jugend des VfB Stuttgart. Als ihn dann der Ruf des FC Bayern ereilte, habe er „keine Sekunde gezögert. Ich war schon immer Bayern-Fan.“ Inzwischen ist er Bayern-Profi und gilt als erster Gewinner der Vorbereitung.

Auf solche Lorbeeren reagiert der 20-Jährige gelassen. „Die erste Zeit ist ganz gut gelaufen. Es macht Spaß“, sagt er und fügt hinzu: „Aber es sind noch drei Wochen Vorbereitung.“ Badstuber spricht mit leicht schwäbischer Färbung in der Stimme. Das passt zu ihm, denn der Jungprofi hat den Bodenkontakt nicht verloren, nur weil ihn Louis van Gaal meist in der A-Elf trainieren und spielen lässt.

Natürlich ist Badstuber „froh und stolz“, dass ihn der Trainer immer wieder lobt, dass er zusammen mit Mark van Bommel oder Mario Gomez in einer Mannschaft spielen darf, dass er jetzt „ein richtiges Profi-Leben“ führt. Aber der Innenverteidiger, der am Samstag beim 11:0 in Waging am See seinen ersten Profi-Treffer erzielt hat, weiß, wo er steht. „Man darf nicht gleich abheben und muss konzentriert bleiben. Ich will mich Tag für Tag verbessern und habe einen guten Trainer erwischt.“

Van Gaal ist Badstubers neuester Förderer. Der 20-Jährige werde seine Chance bekommen, kündigte der neue Bayern-Chefcoach an. Als Erster hat aber Vater Hermann, der selbst als Jugendtrainer arbeitete, das Talent seines Sohnes erkannt und gefördert. „Es war wichtig für mich, ihn hinter mir zu haben, als Trainer und Gesprächspartner“, sagt Badstuber junior heute.

Vom Mittelfeld in die Abwehr

Beim FC Bayern kam mit Hermann Gerland ein weiterer Förderer dazu. „Nur eine schwere Verletzung könnte verhindern, dass er irgendwann in der Bundesliga spielt“, hat der „Tiger“ vor einem Jahr gesagt, als Badstuber noch bei ihm in der zweiten Mannschaft spielte - übrigens meistens im defensiven Mittelfeld und nicht in der Innenverteidigung. „Hermann Gerland hat mir immer gesagt, dass ich auf der Sechs spielen soll. Da lernt man mehr Übersicht und steht mehr unter Druck“, berichtet der Jungprofi.

Vergangenen Februar unterschrieb Badstuber einen Profi-Vertrag beim FC Bayern, seit 1. Juli gehört er fest zum Profi-Kader - der vorläufige Höhepunkt einer Musterkarriere und gleichzeitig ein neuer Anfang. „Ich glaube, dass er eine ganz große Zukunft vor sich hat“, meint Hamit Altintop über den Jungspund, „er ist ein sehr fleißiger Junge mit sehr guten Fähigkeiten.“ junior-team-Leiter Werner Kern attestierte ihm schon vor längerem „die richtige Mentalität für das Profigeschäft. Badstuber tut alles für den Fußball.“

Vorteil linker Fuß

Und er hat einen „leichten Vorteil“, wie der 20-Jährige selbst sagt: Er ist Linksfuß, der einzige Innenverteidiger im FCB-Kader mit einem starken linken Fuß. Das hat seinen steilen Aufstieg unter Van Gaal zusätzlich beschleunigt. Aber natürlich hat Badstuber auch mit anderen Qualitäten überzeugt. „Ich denke, ich habe ein ganz gutes Passspiel, einen ganz guten Kopfball und ich bin ordentlich schnell. Ich weiß, was ich kann. Trotzdem kann ich noch einiges lernen.“

Von einem Stammplatz wagt der 20-Jährige daher noch nicht einmal zu träumen. „Ich sollte locker bleiben.“ Er denke nur „von Training zu Training, von Spiel zu Spiel“. In der Kabine hält er sich zurück. „Ich bin ein junger Spieler und will mich nicht so aufdrängen“, sagt er. Auf dem Platz hingegen lässt er Taten sprechen. „Ich muss mich beweisen und Gas geben, um mich zu etablieren.“ Sein Ziel, das erste Bundesliga-Spiel, hat er fest im Blick. „Klar bin ich heiß drauf.“ Schon bald könnte es soweit sein.

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