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05-Coach Thomas Tuchel

'Denken uns zu jedem Gegner Plan aus'

Thomas Tuchel ist das, was Louis van Gaal in dieser Saison erst werden will: Deutscher Meister. Der gebürtige Bayer aus dem schwäbischen Krumbach feierte gleich in seinem ersten Jahr als Trainer der U19 des FSV Mainz 05 sensationell den Titel. Mittlerweile ist der 35-jährige Fußballlehrer bei den Rheinhesssn als Chefcoach zu den Profis aufgestiegen und trifft schon in seinem dritten Spiel auf Van Gaal und die Bayern. „Das ist in der Tat ein märchenhafter Aufstieg“, sagte Tuchel im Interview mit fcbayern.de.

„Krasser Außenseiter“ sei seine Mannschaft, die in den ersten beiden Spielen genauso wie der FCB Remis gespielt hat. Aber Tuchel hält sein Team nicht für chancenlos gegen die Münchner und hätte auch nichts dagegen, nach dem dritten Spieltag weiterhin vor dem FC Bayern in der Tabelle zu stehen: „Es wäre toll, wenn diese Konstellation nach dem Wochenende noch Bestand hätte.“

Das Interview mit Thomas Tuchel

fcbayern.de: Hallo Herr Tuchel, Ihre alte Mannschaft hat am letzten Wochenende gegen den FC Bayern gewonnen. Wird Ihnen das mit Ihrer neuen Mannschaft am Samstag auch gelingen?
Thomas Tuchel: „Über den Erfolg unserer A-Junioren in München habe ich mich sehr gefreut. Auch für meine alte Mannschaft war mein Wechsel in die Profiabteilung so kurz vor Saisonbeginn eine schwierige Situation. Die Kräfteverhältnisse sind bei den Profis allerdings natürlich völlig anders. Den FC Bayern haben wir bei den Junioren in der vergangenen Saison hinter uns gelassen, da kommt der jüngste Erfolg nicht überraschend. Bei den Profis sind wir nur krasser Außenseiter, das muss ich niemandem erklären. Wir haben großen Respekt vor dem FC Bayern und freuen uns, dass wir uns mit diesen Spielern messen können. Aber wir werden uns deswegen nicht kampflos ergeben.“

fcbayern.de: Vor einem Jahr haben Sie es mit der U19 des FCB zu tun bekommen, jetzt spielen Sie gegen die Profis. Klingt fast nach einem märchenhaften Aufstieg.
Tuchel: „Manchmal komme ich mir noch vor wie in einem Traum. Ich bin jetzt seit zwei Wochen Trainer der Profis und alles ist neu für mich. Das erste Heimspiel, das erste Auswärtsspiel, nun die Bayern. Das ist in der Tat ein märchenhafter Aufstieg und ich bin dem Verein sehr dankbar, dass ich diese Chance bekommen habe.“

fcbayern.de: Ihr Vorgänger Jörn Andersen musste gehen, weil sein Führungsstil nicht mehr zur Mainzer Philosophie gepasst hat. Erklären Sie doch mal, wie ein Trainer beim FSV geschnitzt sein muss.
Tuchel: „Über den Führungsstil von Jörn Andersen kann ich kein Urteil abgeben. Das stünde mir auch nicht zu. Ich kann nur darstellen, wie ich meine Arbeit verstehe. Ich bin ein kommunikativer, akribischer Trainer, der nahe an der Mannschaft arbeitet. Meine Philosophie lautet: nach vorne gerichtete Verteidigung, Zweikampfstärke, schnelles Spiel in die Spitze. Das deckt sich offenbar mit den Erwartungen des Vereins an die Arbeit des Trainers und das Spiel unserer Mannschaft.“

fcbayern.de: Zwei Punkte zum Auftakt - sind Sie zufrieden? Immerhin stehen Sie damit vor dem FC Bayern in der Tabelle
Tuchel: „Mit dem Punkt im ersten Spiel gegen Leverkusen konnten wir gut leben, in Hannover war für uns mehr drin. Aber wir sind nicht unzufrieden und wollen auch nicht zurückblicken. Dass wir vor dem FC Bayern stehen, ist eine unwesentliche Randnotiz und dem Zeitpunkt in der Saison geschuldet. Allerdings wäre es toll, wenn diese Konstellation nach dem Wochenende noch Bestand hätte.“

fcbayern.de: Auf was müssen sich die Bayern am Samstag am Bruchweg einstellen?
Tuchel: „Wir werden uns so teuer wie möglich verkaufen und um unsere Chance in diesem Spiel kämpfen. Und unsere Fans werden alles dafür geben, dass uns eine Überraschung gelingt.“

fcbayern.de: Sie haben vor dem Hannover-Spiel gesagt, Sie hätten sich etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Gilt das auch für das Spiel gegen die Bayern?
Tuchel: „Wir denken uns zu jedem Gegner einen Plan aus, den wir durchziehen wollen. Wir wollen dabei vor allem aber unser Spiel auf den Platz bringen, dann steigt die Erfolgswahrscheinlichkeit automatisch, auch wenn es gegen die Bayern natürlich schwer wird für uns.“

fcbayern.de: Ab 2011 will der FSV im neuen Stadion spielen. Wie sicher sind Sie, dass die Zuschauer dann immer noch Bundesligaspiele zu sehen bekommen?
Tuchel: „Das hieße mit anderen Worten: Bleibt Mainz 05 in der Bundesliga? An diese Chance glaube ich ganz fest.“

fcbayern.de: Was halten Sie eigentlich von der „Määnzer Fassenacht?“ Und kann man davon ausgehen, dass bei einem Sieg am Samstag der Rosenmontag vorverlegt wird?
Tuchel: „Ich bin kein Fastnachter, aber ich werde im Winter wohl kaum um diesen Termin herumkommen. Aber einmal im Jahr reicht dann, denke ich.“

Das Interview führte: Dirk Hauser

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