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Interview mit Danny Schwarz

'Durchlaufen einen Lernprozess, der weh tut'

SpVgg Unterhaching, TSV 1860 München und jetzt der FC Bayern - Danny Schwarz ist einer der wenigen Spieler, die das Trikot aller drei Münchner Profiklubs getragen haben. Seit knapp zwei Wochen gehört der 34-jährige ehemalige Bundesligaprofi zum Kader des FC Bayern II. „Ich soll den jungen Spielern mit Rat und Tat zur Seite stehen, meine Erfahrung einbringen und für eine gewisse taktische Disziplin auf dem Platz sorgen“, erklärte er im Gespräch mit fcbayern.de seine Rolle im Team von Trainer Mehmet Scholl.

Dass die „kleinen“ Bayern nach fünf sieglosen Spielen im Tabellenkeller der Dritten Liga festsitzen, hat für Schwarz vor allem mit der Unerfahrenheit der Mannschaft zu tun. „Viele unserer Spieler haben letzte Saison noch in der U19 gespielt, jetzt müssen sie einen Lernprozess durchlaufen, der sehr weh tut.“ Doch Schwarz ist zuversichtlich. Im Interview spricht er über die Situation in der Liga, seinen Wechsel zum FCB und Mehmet Scholl.

Das Interview mit Danny Schwarz:

fcbayern.de: Danny, wenn man von 1860 München zum FC Bayern wechselt, hat man da Bauchschmerzen?
Schwarz: „Natürlich ist das kein einfacher Wechsel. In der Historie bin ich aber nicht der Erste, der diesen Schritt gemacht hat. Und: Ich komme unter anderen Voraussetzungen, weil ich nicht von den Profis zu den Profis gewechselt bin. Jetzt möchte ich einfach meine Leistung bringen.“

fcbayern.de: Dein Vertrag bei den „Löwen“ ist ausgelaufen, wie kam es zum Wechsel zum FC Bayern?
Schwarz: „Ich war mit Wolfsburg in Kontakt und auch Unterhaching, wo ich mich fit gehalten habe, war ein Thema. Aber dann kam das mit Bayern ins Rollen. Auch meine private Situation spielte eine Rolle. Ich habe zwei schulpflichtige Kinder, wir haben in München ein Haus gebaut, da liegt es nahe, hier zu bleiben.“

fcbayern.de: Ist der FC Bayern Deine letzte Profi-Station?
Schwarz: „Das kann man im Fußball nie sagen. Da muss man von Woche zu Woche schauen. Es kommt ja auch darauf an, ob man von Verletzungen verschont bleibt. Deswegen lasse ich das alles auf mich zukommen.“

fcbayern.de: Was erwartet Mehmet Scholl von Dir?
Schwarz: „Unsere Mannschaft besteht aus vielen jungen, hochtalentierten Spielern, die den Sprung ins Profigeschäft schaffen wollen. Ich soll ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen, meine Erfahrung einbringen und für eine gewisse taktische Disziplin auf dem Platz sorgen.“

fcbayern.de: Wie ist es, einen Trainer zu haben, der kaum älter ist?
Schwarz: „Die Wege von Mehmet Scholl und mir haben sich schon früher mehrmals gekreuzt. Ich hatte das Vergnügen, oft gegen ihn spielen zu dürfen. Er hat eine Riesenerfahrung, hat auf allerhöchstem Niveau Fußball gespielt. Von so einem Trainer kann man als junger Spieler nur profitieren. Ich hätte es mir früher gewünscht, so einen Trainer zu haben, der einem einen Einblick geben kann, wie es bei den Profis zugeht, und weiß, was man tun muss, um dorthin zu kommen.“

fcbayern.de: Nach fünf Spielen seid Ihr noch ohne Sieg und auf dem letzten Tabellenplatz der Dritten Liga. Warum läuft es im Moment nicht?
Schwarz: „Zum einen liegt das daran, dass es in einer U23-Mannschaft immer eine große Fluktuation gibt. Fast jedes Wochenende steht eine andere Elf auf dem Platz, weil immer wieder ein paar Profis bei uns Spielpraxis erhalten. Zum anderen liegt das an der Unerfahrenheit. Viele unserer Spieler haben letzte Saison noch in der U19 gespielt und treffen jetzt auf ehemalige Profis, die robuster sind. Das ist eine andere Art Fußball, das ist Seniorenbereich, da werden Fehler sofort bestraft.“

fcbayern.de: Wie am Samstag in Heidenheim, wo es nach 22 Minuten 0:3 stand.
Schwarz: „Wenn man nur 90 Prozent konzentriert ist, reicht das eben nicht. Das kennen die jungen Spieler vielleicht nicht, weil sie im Jugendbereich meist überlegen waren. Jetzt müssen sie einen Lernprozess durchlaufen, der sehr weh tut. Fußball ist eben nicht nur rosarot, es kommen auch mal Gewitterwolken, es geht nicht nur bergauf. Da darf man nicht liegen bleiben, sondern muss aufstehen, die Nase in den Wind halten und sich durchbeißen. Aus diesem Reifeprozess können die Jungen nur gestärkt hervorgehen.“

fcbayern.de: Sechs Gegentore in Jena, jetzt vier in Heidenheim…
Schwarz: „Das zeigt, wo es im Moment zuallererst hapert. Im bezahlten Fußball fängt es hinten an, eine stabile Defensive ist die Basis für den Erfolg. Dafür ist nicht nur die Abwehr zuständig, sondern die ganze Mannschaft. Im Moment passieren zu viele Fehler bei uns, weil mit manchen Situationen ein bisschen zu sorglos umgegangen wird. Ich bin aber zuversichtlich, dass unsere fußballerische Qualität noch zum Tragen kommen wird. Dass wir Fußball spielen können, hat man in Heidenheim auch gesehen. Wenn wir ins Rollen kommen, hat es der Gegner schwer.“

Das Interview führte: Nikolaus Heindl

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